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45 Tage ohne Zucker

Der Radiomoderator Andy Pawlikowski hat während 45 Tagen ganz auf Zucker und Alkohol verzichtet. Ein Entwöhnungsprogramm, das körperliches und geistiges Wohlbefinden verspricht. Doch ist weniger wirklich immer besser?

Fotos: Didier Sylvestre (Editpress), Anne Lommel, Gräfe & Unzer

Vergessen Sie das Wort „Diät“. Heute spricht man von „Challenge“. Der Sugarfree-Trend ist mittlerweile ein richtiges Erfolgskonzept, das sich clever vermarkten lässt. Regelmäßig erscheinen neue Bücher, die sich mit dieser neuen Art des Fastens beschäftigen. Weltweit schwören tausende Blogger nur noch auf die Zuckerfrei-Challenge. Fleißig teilen sie mit dem Stichwort #Sugarfree ihre Erfahrungen auf den sozialen Netzwerken. Anhänger dieser Methode sind sich einig: Schon nach 40 Tagen Zuckerverzicht haben sie deutliche Veränderungen festgestellt. Auch Eldoradio-Moderator Andy Pawlikowski ist dem populären Entwöhnungsprogramm verfallen.

„Eigentlich dachte ich mir, ich würde das nie hinbekommen“, verrät der 33-Jährige. Dennoch hat er seinen Umgang mit Zucker und sogar Alkohol von heute auf morgen geändert. Ade Schokolade, Kekse und Cola. Auch auf das kleine Feierabend-Bierchen musste Andy verzichten. „Die ersten Tage waren sehr schwer“, verrät der Moderator. „Nach einem stressigen Tag habe ich gerne ein Glas Wein oder ein Bier getrunken, um abzuschalten. Plötzlich gab es nur noch Wasser. Das war frustrierend.“

Unterstützung bekam er von seiner Freundin, die sich ebenfalls, aus Solidarität, für dieses Experiment entschieden hat. „Ohne sie hätte ich es nie geschafft!“ Freunde, Kollegen und Zuhörer sahen diesen Ernährungswandel anfangs aber eher skeptisch. Sie hielten ihn für verrückt. „In unserer Gesellschaft gehört Alkoholkonsum irgendwie dazu“, erklärt Andy. „Man wird fast schief angesehen, wenn man nichts trinkt. Als sei man ein Spielverderber. Meine Freundin wurde sogar gefragt, ob sie schwanger sei, nur weil sie keinen Alkohol getrunken hat. Mir fiel auch auf, dass die Leute versuchen, sich zu rechtfertigen, was ihren Alkohol- und Zuckerkonsum angeht. Das finde ich sehr interessant.“ Alkohol versüßt nicht nur den Feierabend. Er ist auch ein Dickmacher. Wer eine Zeit lang auf Alkohol verzichtet, leistet seiner Gesundheit sicher nichts Schlechtes und wird bestimmt einen Gewichtsverlust feststellen. Ob eine temporäre Alkoholabstinenz aber wirklich sinnvoll ist, darüber streiten sich Ärzte und Wissenschaftler noch.

Am schwersten war für Andy aber der Zuckerentzug. Die Weltgesundheitsorganisation empfahl 2015, täglich nicht mehr als sechs Teelöffel Zucker zu sich zu nehmen. Das entspricht 25 Gramm. Bei den meisten von uns liegt die Zuckerzunahme aber viel höher. „Weißen Zucker nennt man auch das weiße Gift“, betont Personal-Trainer und Ernährungsberaterin Conny Pertl. „Zucker hat ein gewisses Suchtpotenzial. Der Körper gewöhnt sich daran und fragt nach immer mehr. Zucker steckt in viel mehr Lebensmitteln als wir denken. In allen Fertigprodukten, in fast allen Lebensmitteln, die wir in Dosen und Gläsern kaufen können, Ketchup, Suppen, Getränke“ (auch alkoholfrei).

Kein Wunder also, dass die ersten zuckerfreien Tage für Andy nicht einfach waren. Alles, was vorher erlaubt war, war plötzlich strengstens verboten. Es war fast wie ein kleiner Entzug. „Die drei ersten Wochen waren am schwierigsten“, verrät der Eldoradio-Moderator. „Aber auch jetzt ist die Versuchung noch da. Ich sehe ständig Leute, die all das essen, was mir verboten ist. Das ist hart. Im Restaurant und auch zu Hause gibt es kein Aperitif und keinen
Nachtisch mehr.“

Dass Industriezucker nicht gesund ist, ist keineswegs neu. Hoher Zuckerkonsum kann dramatische Folgen für die Gesundheit haben. Diabetes, Stoffwechselerkrankungen und Übergewicht sind keine Seltenheit. Man leidet ebenfalls unter Insulinschwankungen. Nach dem Zuckerkonsum steigt der Blutzuckerspiegel, und die Bauchspeicheldrüse schüttet Insulin aus, was dazu führt, dass der Zucker in Fett umgewandelt wird. „Deshalb sollte man sich dreimal am Tag satt essen. Ob mit oder ohne Zucker“, rät Conny Pertl. „Ich bin sowieso kein Fan von radikalen Trends. Ich bin die größte Gegnerin aller Diäten. Hierbei handelt es sich aber eher um eine Ernährungsumstellung. Ich finde allerdings, dass es einen sehr negativen Aspekt hat, wenn man sich alles verbietet. Gerade zu Beginn der zuckerfreien Ernährung helfen Einkaufslisten und Speisepläne auf denen Lebensmittel ohne Zucker und entsprechende Repzepte notiert sind. So hat man immer etwas Gutes im Haus.“

Der radikale Verzicht auf Zucker kann anfangs zu Heißhungerattacken, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder sogar Stimmungsschwankungen führen. Stellt sich die Frage, ob ein ganz zuckerfreies Leben überhaupt möglich ist oder sollte der Konsum eher auf ein gesundes Maß reduziert werden?

„Ganz zuckerfrei leben, ist eigentlich unmöglich. Zucker versteckt sich in so vielen Produkten und man sollte das Leben trotzdem noch genießen können“, betont die Ernährungsberaterin. „Ich bin aber auch der Meinung, dass, wenn man während ein paar Wochen auf weißen Zucker verzichtet, man sich danach gesünder ernährt. 80 Prozent der Menschen, die sich für einen radikalen Ernährungsumschwung entscheiden, denken bei ihren Essgewohnheiten um.“

Das scheint auch bei Andy der Fall zu sein. Nach 45 Tagen Zucker- und Alkoholabstinenz ist nicht nur sein Körpergewicht von 106 auf 98 Kilo gesunken, auch wenn das Abnehmen nicht im Vordergrund dieses Experimentes stand fühlt er sich fitter und weniger müde. „Das Verlangen nach Zucker ist zudem geringer. Wenn du etwas Süßes isst, ist der Geschmack auch intensiver, das habe ich bei Äpfeln festgestellt. Vorher fand ich sie eher sauer. Jetzt gar nicht mehr.“ Der Radiomoderator treibt wieder Sport. Seine nächste Challenge ist der Halbmarathon am 12. Mai. Bis dahin will er weiter auf einen zu hohen Zuckerkonsum verzichten.

Buchtipp:
Zuckerfrei – Die 40 Tage-Challenge von Hannah Frey
Das Erfolgskonzept, die Zuckersucht zu besiegen.
Mit über 70 Rezepten und interessanten Tipps, hilft die Ernährungsberaterin Hannah Frey Ihrem Verlangen nach Zucker zu widerstehen und Ihren Konsum zu reduzieren. Das Ganze in nur 40 Tagen.

ISBN 978-3-8338-5934-2
Gräfe & Unzer
16,99 Euro

Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

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Author: alommel

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