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Aha!

Malen, schauspielern, singen. In London, New York und bald in Paris. Leila Schaus ist sowohl künstlerisch als auch geografisch in mehreren Welten zu Hause. Derzeit stellt das junge Multitalent in Niederanven aus und probt für das Theaterstück „Ein Kind unserer Zeit“.

Fotos: Hannes Caspar, Mani Muller

Mit ihrem Textbuch und guter Laune sitzt Leila Schaus im Szenelokal „Ready?“ und schlürft einen vitaminreichen Fruchtsaft. Der Händedruck der 28-Jährigen, die unglaublich viel jünger aussieht, ist fest, ihr Lächeln unwiderstehlich. In „Ein Kind unserer Zeit“ des österreichischen Dramatikers Ödön von Horváth, das in zwei Wochen Premiere feiert, wird sie nicht nur sämtliche weiblichen Rollen verkörpern, sondern auch in die Haut eines Burschen und eines Engels schlüpfen. Wie man das schafft?

Emotionen und Erinnerungen spielen eine wesentliche Rolle in Leila Schaus‘ Kunst.

Mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen und mit genauso viel Gelassenheit. Leila Schaus hat in London Kunst studiert, ehe sie nach einem Jahr nahezu Hals über Kopf nach New York geflogen ist, um dort am renommierten Lee Strasberg Theatre and Film Institute, an dem Stars wie u.a. Angelina Jolie und Johnny Depp das „Method Acting“ gelernt haben, dasselbe zu erlernen. Fragt man sie nach den Berühmtheiten, denen sie begegnet ist, lächelt die junge Frau verlegen. Jeder Tag im Big Apple sei spannend gewesen. Manchmal aber auch ernüchternd. Und dann erzählt sie doch von den Dreharbeiten zu einer „The Good Wife“-Szene, in der sie als Statistin mitgewirkt hat. Chris Noth, bekannt als „Mister Big“ aus der „Sex and the City“-Serie, hätte in besagter Szene in einem Gerichtssaal gesessen und seinen Text von Spickzetteln abgelesen, die auf seinen Knien gelegen haben. Ihr wird das mit Sicherheit nie passieren.

Ein-Kind-unserer-Zeit_photo-Mani-MullerDass Leila Schaus bei allem, was sie tut, Erfolg hat, hat selbstverständlich vor allem mit ihrer Begabung zu tun – und darüber hinaus auch damit, dass sie mit sich selbst befreundet zu sein scheint. Was heißt, dass sie zwar nicht hundertprozentig weiß, wer sie ist, aber sie kennt ihre guten und ihre weniger guten Seiten und weiß, wozu sie fähig ist wie kein anderer. Als Kind sind sie, ihre beiden jüngeren Brüder und ihre Eltern viel gereist. „Ech fille mech am Fong iwwerall doheem.“ Am liebsten jedoch wohnt die Künstlerin in Großstädten. Und daher wird sie demnächst mit ihrem Freund nach Paris ziehen und versuchen, dort als Schauspielerin Fuß zu fassen. „Dat Flottst u mengem Beruff ass, datt ech net un een Uert gebonne sinn.“

Steht Leila Schaus nicht auf einer Theaterbühne oder vor der Kamera, werkelt sie in ihrem Atelier. „The Modern Lovers – a question of space, a matter of time“, so der Titel ihrer aktuellen Ausstellung im Kulturhaus in Niederanven, zeigt rund 15 klein- und großformatige Bilder, die verschiedene Techniken vereinen, sowie einige Holzkästen, die sie mit selbst gebastelten Miniaturmöbeln ausfüllt und die Geschichten erzählen, die fast alle von einer gewissen Nostalgie geprägt sind. „Ech schaffe gäer mat ale Fotoen.“ Zudem seien Emotionen ein wichtiges Thema ihrer Kunst. Immerhin würde sich im Leben alles um die Liebe drehen. Die Liebe zu anderen Menschen, die Liebe zu sich selbst, die Liebe zur Arbeit, das Gegenteil von Liebe…

Beziehungen seien elementar, um nicht in Einsamkeit zu versinken. Dadurch, dass man viel unterwegs ist, lernt man immer neue Leute kennen. Die Welt ist irgendwie kleiner geworden, doch gleichzeitig ist sie für diejenigen, die einen Kontinent voneinander entfernt leben, viel zu groß. Mit diesem Widerspruch beschäftigt sich die Künstlerin seit einiger Zeit. Und genau wie die Kästen handeln auch ihre collageartigen Bilder von Sehnsucht, Glück, Fremdheit und Trennungen. Dabei tauchen immer wieder Insekten und andere Tiere auf. Insgesamt strahlt die Ausstellung eine tropische Atmosphäre aus… Leila Schaus ist noch keine 30 Jahre alt und bereits angekommen? Nein, das sei sie überhaupt nicht. „Ech hunn nach sou vill Pläng a mengem Kapp.“ Eine Ausbildung zur Yoga-Trainerin, zum Beispiel. Oder ein Musikinstrument spielen lernen. Singen kann sie und hat sie bereits. Etwa auf der letztjährigen 56. Biennale in Venedig, bei der Vernissage von Filip Markiewicz „Paradiso Lussemburgo“, in Anwesenheit von Erbgroßherzog Guillaume. Es sei ein sehr schöner Moment gewesen.

Porträt3Im Herbst warten übrigens weitere Herausforderungen auf die junge Frau. Mehr möchte Leila Schaus noch nicht verraten. Aber auch diesen Aufgaben wird sie gewachsen sein. Dass sie mitunter ihre schwachen fünf Minuten hat, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es sich vorgestellt hat, oder dass sie wütend wird, wenn sie auf der Bühne einen Aussetzer hat, kann man sich nicht wirklich vorstellen. Statt aus der Haut zu fahren, wird sie ganz einfach tief durchatmen, ein Lächeln wagen und so tun, als wäre nichts passiert. Und niemand wird es ihr übel nehmen. Engel sind halt unantastbar.

Bis zum 26. Februar stellt Leila Schaus im Kulturhaus in Niederanven aus, Premiere von Carole Lorangs Inszenierung von „Ein Kind unserer Zeit“ ist am 25. Februar um 20 Uhr im CAPe in Ettelbrück, weitere Vorstellungen im März im Kasemattentheater und im April im Kulturhaus Niederanven.

www.leilaschaus.com

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressort: Kultur

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Author: Martine Decker

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