In dem Dokumentarfilm „D‘Preise së rëm zréck“ zeichnet Regisseur Michel Tereba die Ereignisse der ersten drei Tage der Ardennenoffensive nach, als die Stadt erneut in einen Alptraum von Krieg, Angst und Zerstörung hineingezogen wird.
Fotos: Pyrrhus Movie Productions, Ann Sophie Lindström
Im Winter 1944 denkt jeder, dass der Krieg endlich zu Ende sei. Immerhin ist Luxemburg bereits im September von US-amerikanischen Soldaten befreit worden. Doch dann versucht die Wehrmacht einen letzten verzweifelten Gegenangriff. Über Brüssel wollen die deutschen Truppen nach Antwerpen vordringen. Dabei wird Clerf buchstäblich überrannt. Während drei Tagen setzt sich die Infanteriedivision mutig zur Wehr und schafft es, den feindlichen Vormarsch zu bremsen. Die Kämpfe verzögern den Angriff auf Bastogne und tragen entscheidend zum Ausgang der Ardennenoffensive bei. Michel Terebas Dokumentarfilm erzählt die zivilen und militärischen Ereignisse, die sich damals abgespielt haben.

Warum ausgerechnet ein Dokumentarfilm über die Ardennenoffensive?
Die Rundstedt-Offensive hat sich 2015 zum 70. Mal gejährt. Zeitzeugen gibt es nur noch wenige, aber ihre Geschichten sind nach wie vor überaus packend. Als ich von einzelnen Schicksalen erfuhr, war mir sofort klar, dass die Ereignisse von damals für die Nachwelt festgehalten werden müssen. Clerf und Umgebung sind während der Besatzung ein Mikrokosmos gewesen, in dem sich die einheimische Bevölkerung mit Kollaborateuren und den deutschen Eindringlingen einen passiven Kampf geliefert hat, der mitunter der Vernunft trotzt.
Und an wen richtet sich der Film in erster Linie?
Der Film ist eine Mischung aus Interviews mit Betroffenen und den militärisch-strategischen sowie -taktischen Ereignissen, wie sie in akribischen Recherchen von Historikern und dem „Centre d’Etudes sur la Bataille des Ardennes“ (CEBA) festgehalten worden sind. Deshalb würde ich behaupten, dass „D’Preise së rëm zréck“ sowohl dem Laien als auch dem Geschichtsforscher interessante und bislang unbekannte Einblicke und Details bietet.
„Ich wollte sowohl die militärische Strategie erklären als auch die persönlichen Schicksale der Menschen nachzeichnen, welche die Hölle der Ardennenschlacht durchlebt haben.“
Michel Tereba, Regisseur
Was hat Sie persönlich am meisten am Projekt interessiert?
Das war das Ausmaß der Zerstörung als Folge der intensiven, wenn auch nur wenige Tage währenden Kämpfe sowie der immense Einfluss, den die Schlacht auf die persönlichen Schicksale von so vielen Menschen gehabt hat. Es ist mir zudem wichtig gewesen, dem Zuschauer die Tragweite der Okkupation vor Augen zu führen und ihm zu zeigen, welche Folgen diese auf das alltägliche Leben hatte. Einige unterwarfen sich, andere leisteten passiven Widerstand gegen die Besatzungstruppen. Jeder versuchte, so gut es ging, mit der Situation zurechtzukommen.
Wie sind Sie als Regisseur dabei vorgegangen?
Die markantesten Ereignisse sind so akkurat nachgestellt, wie sie uns in niedergeschriebenen Erinnerungen übermittelt worden sind. Gespräche mit Zeitzeugen erlaubten uns, die „Reenactment“-Szenen und Dialoge an die wahren Gegebenheiten anzupassen. Und dadurch, dass auf Original-Schauplätzen gedreht wurde, konnte der Kontrast zwischen Clerf von früher und heute unterstrichen werden. Während Archivaufnahmen die Erzählung untermalen, erlauben animierte Landkarten dem Zuschauer, die Ereignisse ihrem geografischen Ort zuzuordnen. Alles in allem hoffe ich, dass somit ein direkter Bezug zu dem, was vor 70 Jahren passiert ist, gegeben ist.
Jahrgang 1970, seit 1999 als Filmregisseur tätig, definiert Michel Tereba sein Werk als „eine ständige Suche nach Ästhetik“. Durch die Kombination seiner gesammelten Erfahrungen als u.a. Kameramann, Toningenieur, Schauspieler und Projektleiter mit seiner Ausbildung als Ingenieur ist es ihm gelungen, einen einzigartigen Stil zu entwickeln.
























