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Alptraum Hitze

Sommer, Sonne, Urlaub! Für viele ein Segen. Für andere ein echter Alptraum. Denn sobald die Temperaturen steigen, beginnt für sie eine richtige Qual. Sie leiden unter Hitzeempfindlichkeit. Aber warum macht die Hitze unserem Körper so sehr zu schaffen, und warum vertragen manche Menschen die hohen Temperaturen besser als andere?

„Es fühlt sich an, als hätte ich bei warmen Sommertemperaturen eine dicke Winterjacke an, die ich aber nicht ausziehen kann“, verrät Thierry A. Porcedda. Der 33-jährige Musiker leidet im Sommer ganz besonders unter Hitzeempfindlichkeit. „Obwohl mir der Sommer, optisch gesehen, eigentlich sehr gut gefällt“, möchte er klarstellen. „Es ist eine schöne Jahreszeit, doch leider vertrage ich die drückende Wärme nicht.“

Auf Hitze und Sonneneinstrahlung zu reagieren, ist ganz normal, doch wir reagieren alle unterschiedlich auf sie. Ganz besonders bei starken Wetterschwankungen ist der Gewöhnungseffekt von Mensch zu Mensch ganz verschieden.

„Sobald es zu warm wird, fühle ich mich als hätte ich gar keine Energie mehr“, erklärt Thierry. „Dann ist alles so anstrengend für mich, und wenn ich wirklich zu lange in der Sonne bleibe, fühle ich mich als hätte ich ein bisschen zu tief ins Glas geguckt. Mein Kopf dreht sich dann. Es hält sich aber alles in Grenzen.“

Das führt natürlich zu einer Beeinträchtigung seiner Lebensqualität, auch wenn der Musiker seine Empfindlichkeit nicht so dramatisch einschätzt. Trotzdem sollen verschiedene Warnzeichen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. „Bei hohen Temperaturen sinkt der Blutdruck“, erklärt Dr. Maryse Storck. „Das ist ein Grund dafür, dass man sich energielos oder müde fühlt, wenn es draußen zu warm ist.“

„Es fühlt sich an, als hätte ich bei warmen Sommertemperaturen eine dicke Winterjacke an, die ich aber nicht ausziehen kann.“ Thierry A. Porcedda

Unser Körper funktioniert wie ein Thermostat, der die Körpertemperatur reguliert. Bei großer Hitze weiten sich unsere Gefäße und wir beginnen zu schwitzen. Dabei entsteht eine Verdunstungskälte, die unseren Körper konstant bei 37 Grad Celsius hält. „Ich hatte schon immer kleine Blutdruck-Störungen“, meint Thierry A. Porcedda. „Zum Beispiel, wenn ich zu schnell aufstehe, dann wird mir schwarz vor Augen. Im Sommer passiert das ein bisschen öfter.“

Dr. Storck empfiehlt bei sehr niedrigem Blutdruck, wo es zum Beispiel zu Schwindel oder Übelkeit kommt, die Beine hoch zu legen, genügend Flüssigkeit zu sich nehmen und gegebenenfalls sogar Salz zu sich zu nehmen. „Da kann man zum Beispiel einige Salzstangen essen, um den Salzverlust auszugleichen“, rät die Ärztin.

Auch für die 26-jährige Judoka Taylor King, die 2015 Landesmeisterin war, ist der Sommer ein regelrechtes Leiden. „Es ist katastrophal“, betont sie. „Ich vertrage die Hitze nur sehr schlecht, und ich verlasse das Haus im Sommer nur mit einer Kappe auf dem Kopf. Ich trinke viel Wasser. Bis zu zwei Liter pro Tag. Sonst wird mir schlecht und da ich eine sehr helle Haut habe, werde ich auch sehr schnell rot. Das ist alles andere als angenehm.“

Laut Informationen von Météolux war dieses Frühjahr das drittwärmste seit 1947, seitdem die ersten Aufzeichnungen auf dem Findel gemacht wurden. Am 8. April wurde sogar mit 24,1 Grad Celsius ein neuer Wärmerekord gebrochen. So heiß wie dieses Frühjahr war es noch nie. Mit einer Durchschnittstemperatur von 16,3 Grad Celsius ist der Monat Mai der wärmste, der je gemessen wurde. In Metz, wo Taylor King lebt, stieg der Thermometer vor ein paar Wochen sogar bis auf 36 Grad Celsius. Das war für die junge Judoka definitiv zu viel. „Mir wurde schwindelig, ich hatte Kopfschmerzen und musste mich übergeben. Ich hatte keine Kappe an, und das wurde mir zum Verhängnis. Ich kenne meine Grenzen.“

Kopfschmerzen, Schwindel, niedriger Blutdruck, Unwohlsein und Energiemangel sind Warnsignale, die man auf keinen Fall ignorieren soll. „Ich wiederhole es nie genug. Auch wenn man glaubt, jeder müsste es mittlerweile wissen“, betont Dr. Maryse Storck. „Um den Flüssigkeitsverlust, der beim Schwitzen entsteht, so gering wie möglich zu halten, muss man viel trinken. Auch wenn man kein Durstgefühl hat. Bei Kindern und älteren Personen sollte man ganz besonders aufmerksam sein.“

Ideal für den Kreislauf ist es, wenn man die Getränke nicht zu kalt trinkt. Auf Alkohol und Kaffee sollte man ganz verzichten. Diese führen nämlich zur Dehydratation des Körpers. Bei Tisch gilt die goldene Regel: Leicht und fettarm essen. „Isst man fettige Gerichte, verbraucht man viel mehr Energie bei der Verdauung, und das bringt wiederum mit sich, dass einem wärmer wird und man sich fühlt“, warnt Ärztin Maryse Storck.

Wer wie Taylor King im Sommer nicht auf Sport verzichten kann oder will, sollte es langsam mit der körperlichen Anstrengung angehen. Am allerbesten am frühen Morgen oder am späten Abend. Checken Sie auch ruhig die Ozonwerte in der Luft. Hobby-Sportler sollen auch lernen, auf ihren Körper zu hören und es nicht mit dem Training übertreiben. „Bei hohen Temperaturen achte ich beim Training natürlich darauf, dass ich genug Wasser trinke. Bis zu vier Liter können es bei sehr großer Hitze sein“, verrät Taylor King. Achten Sie ebenfalls auf Warnsignale wie Muskelkrämpfe, Schwindel oder Übelkeit. Nach dem Sport wird geraten, auf eine kalte Dusche zu verzichten. Lauwarmes Wasser verhindert, dass der Körper sich zu schnell abkühlt.

Thierry A. Porcedda verzichtet, so gut er kann, lieber auf jede zu anstrengende Aktivität während des Tages. „Ich habe leider noch keine wirksame Methode gegen die Hitze gefunden“, verrät der Musiker mit einem Schmunzeln im Gesicht. „Ich lebe dann eher nach einem verschobenen Rhythmus. Das heißt, dass ich eher abends und in der Nacht aktiv bin.“

Bei extremer Hitze ist ein kühler Luftzug während der Nacht ein Segen. Um den Schlaf zu erleichtern, einfach das Schlafzimmer abends gut durchlüften. „Auf einen Ventilator würde ich aber verzichten“, rät die Ärztin. „Durch den Luftzug kann man sich während dem Schlaf erkälten. Bei Klimaanlage sollte die Temperatur nicht zu kalt eingestellt sein. 21 bis 22 Grad reichen.“
Mit diesen Tricks überstehen Sie die heißen Tage ohne Probleme, doch das erklärt uns immer noch nicht, warum verschiedene Menschen die Hitze besser wegstecken können.

„Auf medizinischer Basis kann man nur schwer erklären, warum verschiedene Menschen die Hitze besser vertragen als andere“, möchte Dr. Storck klarstellen. „Wir reden jetzt nicht von Menschen mit einem angeschlagenen Herz-Kreislauf-System oder einer Immunschwäche, sondern von einer Hitzeempfindlichkeit. Man soll sich aber nicht vor einem Arztbesuch scheuen, um festzustellen, ob es nicht eine logische und medizinische Erklärung für diese Unannehmlichkeiten gibt.“

Fotos: Maridav (Fotolia), Philippe Reuter, Marcel Nickels (Editpress)

Verhaltensregeln bei Hitze finden Sie den ganzen Sommer durch, auf der Facebookseite des Centre Hospitalier Emile Mayrisch: www.facebook.com/CHEM.luxembourg

Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

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Author: Martine Decker

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