Amsterdam, London, Paris – steigende Immobilienpreise und Wohnungsmangel führten dazu, dass sich viele nach Alternativen umsahen und so wurde das Leben auf dem Hausboot zur Normalität. Auch in der Grenzregion finden sich einige Einwohner, die es aufs Wasser gelockt hat.
Es hat etwas Romantisches, etwas von Urlaub – das Leben auf dem Hausboot. Als Ferienwohnungen erfreuen sie sich derzeit großer Beliebtheit. Doch wie ist es, das ganze Jahr über auf dem Kanal zu wohnen? Als wir Eugen Graf auf seinem Segelboot besuchen, macht er einen äußert gelassenen Eindruck. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, das Bier steht kalt. Seit rund einem Jahr darf er die „Kayana“ sein Zuhause nennen. „Es waren vor allem die Kosten, die mich dazu bewegt haben, aus meiner Wohnung in Saarbrücken ausziehen“, erzählt der 38-Jährige. Durch den Umzug nach Frankreich müsse er keine Einkommenssteuer mehr zahlen, was monatlich rund 300 Euro ausmache. Statt einer Monatsmiete zahlt er nun für Liegeplatz und Vignette – 920 Euro jährlich. Der Ingenieur grinst. „Natürlich muss das Schiff alle zwei bis drei Jahre hoch und frisch gestrichen werden. Hierfür sollte man 1.500 Euro einplanen. Sonst stehen keine weiteren Kosten an.“ Strom und Wasser sind kostenlos, Wohnsteuern zahlt er keine.
“Auf dem Segelboot habe ich jeden Abend Urlaub.” Eugen Graf
Er ist offiziell der erste Hausbootbewohner Saargemünds. Die Anmeldung als Hauptwohnsitz war nicht leicht, obschon es in Frankreich, anders als in Deutschland, keine Meldepflicht gibt. „Bürokratie dauert immer lange, besonders ohne Französischkenntnisse“, lacht Graf und fügt kopfschüttelnd hinzu: „Ich musste erst eine Adresse erfinden, also orientierte ich mich einfach an Google Maps.“ Seine Leidenschaft für Segelschiffe entdeckte der Hobbyfotograf vor einigen Jahren während eines Urlaubs auf Palau, einem Inselstaat im Pazifischen Ozean. Zurück in Deutschland machte er den Bootsführerschein. „Das ist wie ein Autoführerschein, nichts Besonderes“, meint er bescheiden. Anderthalb Jahre und 2.000 Euro später kaufte er sich die „Kayana“ – 38 Jahre, so alt wie er, 11 Meter lang und 16 Meter hoch – gebraucht, für 33.000 Euro. „Es wäre auch günstiger gegangen, aber ich wollte unbedingt ein Segelboot haben, zum Reisen.“ Das gute Stück musste allerdings erst aus Heiligenhafen (Schleswig-Holstein) überführt werden. „Das sind fast 2.000 Kilometer. Für die Strecke habe ich mir einen Monat frei genommen, es war meine erste Erfahrung. Ehrlich gesagt, war es ein bisschen gefährlich, aber meine Freunde haben mir geholfen.“

















