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Aniol Serrasolses (Video)

„Mein Leben so leben, wie ich es will“

Aniol Serrasolses kommt am 9. April 1991 im katalanischen Girona zur Welt. Mit zwölf Jahren entdeckt er den Kajaksport, gewinnt 2008 und 2009 den spanischen Juniorentitel im Freestyle und paddelte 2010 als Erster Big Banana, den zweithöchsten jemals gepaddelten Wasserfall (42 Meter). Mit seinem Bruder Gerd gelingt ihm 2013 die erst zweite komplette Befahrung des abenteuerlichen Stikine-Flusses.

Wie ist es, nach Monaten wieder zurück in Sort zu sein?
Es ist prima, wieder herzukommen und die Freunde wiederzusehen. Der Fluss ist auch gut, im Herbst mit wenig Wasser zwar nicht schwer, aber ich kann Spaß haben. Jeden Tag Paddeln, am Wochenende Parties… Wenn man gerne Wildwasser fährt, befindet sich hier um Sort die beste Gegend in ganz Spanien.

Wie kommen Sie zum Wildwasser?
Ich wuchs außerhalb eines kleinen Dorfes auf, liebe die Natur und war gewohnt, mit wenig auszukommen. Als ich mit zwölf Jahren erstmals paddeln durfte, änderte sich von einem Tag zum nächsten mein Leben. Das war so viel Adrenalin, wie ich vorher beim Fußball niemals fühlte… Ich hörte gleich mit 15 mit der Schule auf und arbeitete schlecht bezahlt in einer Textilfabrik. Die Zeit läuft zu schnell, um sie in einer solchen Routine zu vergeuden! Nach einem halben Jahr hatte ich genug gespart, ich zog nach Sort und arbeitete in einer Raftingfirma. Wieso ich seither nicht vom Kajaken lassen kann, ist einfach: Für mich gibt es nichts, das so toll ist. Nichts lässt mich so lebendig fühlen! Es ist eine großartige Ausrede für Reisen, neue Orte und Leute kennenzulernen, mit Freunden Spaß zu haben und als Persönlichkeit zu wachsen.

„Ein Sport im Extremen wird nie sicher und gesund sein.“ Aniol Serrasolses

Reisen kosten aber ordentlich Geld…
Weniger als man denkt: Ich flog mal mit fünfhundert Euro ein halbes Jahr nach Kanada und campierte auf einer wilden Insel im Fluss Ottawa. Ich lebte von drei Euro am Tag, hatte einen Platz zum Schlafen, eine Feuerstelle und vor allem die beste Surfwelle des ganzen Flusses direkt vor meiner Nase. Mit dem Geld, das ich zwischendurch als Kajakguide verdiente, reiste ich weiter nach Mexiko, später Chile und Argentinien. Dort drehte ich mit Kumpels Extremkajakfilme und im November 2012 wurde ich dann Teil des Team Red Bull, was alles einfacher macht.

Was suchen Sie im Kajak?
Wir paddeln steile Bäche, Wasserfälle und schwierigste Stromschnellen, da pumpt dein Herz richtig hart, das ist wirklicher Spaß. Wir bringen das Paddeln im Wildwasser an seine Grenzen. Die Fertigkeiten und technischen Fähigkeiten für diese Grenzgänge selber zu entwickeln, motiviert mich. Ich habe keinen Trainer und kann mein Leben so leben, wie ich es will. Gelegentlich ist das gefährlich, aber ich akzeptiere diese Gefahr. Ich wünsche mir zwar, dass das Ganze weniger gefährlich wäre, aber ein Sport im Extremen wird nie sicher und gesund sein.

Haben Sie denn keine Angst?
Angst kenne ich meist nur bei Wasserfällen. Die letzten Momente werde ich nervös, denn der Erfolg hängt von wenigen perfekten Paddelschlägen ab. Früher dachte ich nur daran, die höchsten Wasserfälle zu paddeln und hätte kein Problem damit gehabt, mit 30 zu sterben. Nachdem ich mir 2011 einen Wirbel gebrochen hatte und sechs Monate nicht paddeln konnte, wurde ich vorsichtiger und noch konzentrierter. Eine solche Verletzung ist beschissen, sie zerstört das Leben, das ich leben will. Ich will mit 50 Jahren hier auf dem Noguera Pallaresa noch immer das Wildwasser genießen können. Dann halt weniger extrem und ohne Wasserfälle.

Zum Artikel “Gleicher Sport, andere Liga” in Nr. 45 der revue.

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Author: Philippe Reuter

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