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Äppel a Biren

Beim GOAT geht es nicht darum, wie zickig Weltstars sind oder sein können. Gerade am Stammtisch lässt sich bestens über den „greatest of all time“ spekulieren. Ich will aber Fakten!

Wie misst man einen Sportler? Natürlich am Erfolg, also seinen Resultaten. Nehmen wir den in seiner Sportart ziemlich unumstrittenen größten Athleten aller Zeiten, His „Airness“ Michael Jordan. Was sind die mit Abstand größten und wichtigsten sportlichen Wettkämpfe der Welt? Natürlich die Olympischen Spiele. 1992 gewinnt er in Barcelona mit einer selten bis nie zuvor gesehenen Dominanz unter weltweiter Euphorie Gold. Er allein? Das Dream Team versammelte zwölf amerikanische Weltstars, unter denen Jordan der Größte war. Aber erst nachdem er Magic Johnson in einem Entscheidungsspiel um den Leaderposten beim Vorbereitungslehrgang Mitte Juli in Monaco („das größte Basketballspiel aller Zeiten, das niemand sah“) geschlagen hatte. Zählt er trotzdem doppelt, hat er ungefähr ein Sechstel olympische Goldmedaille. Also rund ein Hundertstel des olympischen Erfolges eines Michael Phelps (einige seiner 23 Goldmedaillen stammen aus Staffelbewerben). So wird das Nix.

Überhaupt ist es mit den Olympischen Spielen schwierig. Nicht alle Sportarten, respektive Sportler woll(t)en oder durften immer mitspielen. Manche jährlichen Titel wiegen zudem schwerer als Olympiagold. Vielleicht hilft Dominanz weiter? Es ist ja schön zu gewinnen, aber wenn einem bereits der Nächste an den Hacken klebt, ist man wohl schwerlich der gottgleiche GOAT. Das Dream Team spielte in einer solchen Sonderliga, eigentlich bereits einen anderen Sport, auf ihrem eigenen Stern. Aber er war „nur“ einer dieser zwölf Apostel. Wie will man das mit einer Einzelleistung vergleichen? Richtig kompliziert wird es, wenn die Einzelresultate nur im Team zu erzielen sind. Wie etwa im Radsport. Halt, Radsport, auch noch verbunden mit Dominanz, da denkt man doch gleich an Doping und Lance Armstrong. So am Rande, keine Olympische Sportart kann es beim Thema Doping mit Gewichtheben aufnehmen; bei Korruption ist es dagegen der Fußball weil hier eh alles größer ist. Seine sieben Tourtrikots können wir uns also schenken, oder er uns. Wenn die Weltbesten sich an einem Punkt versammeln, und einer schwebt weit drüber. Haben dann wir oder er gekifft? Legal ist weder das eine, noch das andere.

In unserer spätkapitalistischen Welt geht es um Erfolg, Macht und Geld. Also Geld, und da schreibt Forbes uns sportartenübergreifende Listen. Den Boxer Floyd Mayweather Jr. setzen sie aktuell auf die Nummer Eins. Allerdings mit dem Einkommen, da hat er 2017 mit einem einzigen Kampf 285 Millionen Dollar verdient. Und der Gegner war nicht einmal ein Boxer, also alles Show. Spielen jetzt also auch Leonardo DiCaprio und Johnny Depp mit? In der Lebensleistung liegt der eine Milliarde schwere Michael Schumacher als fünftvermögendsten Sportler sogar noch zwei Plätze vorm Boxer und dann kommen drei Golfer. Schwitzen in armen Sportarten eigentlich schlechtere Athleten? Von den Frauen gar nicht erst zu reden, die kommen unter den Top 100 nicht einmal vor. Wenn neoliberale Machos jetzt einwerfen, dass jeder verdient, was er verdient, dann werfe ich Anna Kournikowa in die sportliche Runde. Nach einem kometenhaften Aufstieg brannte ihr Tennis schnell aus, doch mit Model- und Werbeaufträgen hielt sich die Schöne ganz oben in der weiblichen Geldliste. Image ist alles. Außer sportlich fair. Obwohl. Ganz, ganz oben auf der Liste thront Michael Jordan, jemand, der das Image der damals noch kleinen Klitsche Nike ganz schön mächtig prägte und mitabsahnte.

Gehen Sie zurück auf Los, gehen sie direkt dorthin, ziehen sie keine 4.000,- DM ein. Fakt ist, dass ich ganz gerne den Ball so stylisch in diesen verdammt hohen Basketballkorb würde stopfen können, wie es auf den überteuerten Schuhen mit dem Swoosh immer wieder zu sehen ist. Noch Fragen?

Foto: Flickr

Chrëscht Beneké

Journalist

Ressort: Sport

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Author: Martine Decker

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