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Auf den Lehm gekommen

Der alljährliche Frühlingsputz kann warten: Wie wäre es zur Abwechslung mit selbstgemachter Keramik für frischen Wind nach kalten Wintertagen? Die leidenschaftliche Töpferin Jane Barclay schwärmt von ihrem Handwerk und teilt ihre Faszination in Schnupper-Workshops.

Fotos: Anne Lommel

Wie sind Sie zu der Töpferei gekommen?
Schon als Kind formte ich gerne Figuren im Matsch, wenn ich draußen spielte. Später in der Grundschule liebte ich es wenn wir mit Lehm bastelten. Sich mit den Händen auszudrücken, bereitete mir unglaublichen Spaß. Nach meinem Abitur entschloss ich mich dazu meinem Herzen zu folgen und wählte das Fach „Ceramics“ an der Middlesex University in London aus. Mit dem Diplom in der Tasche unterrichtete ich danach auch selbst an der Uni. Als mein Mann dann berufsbedingt nach Luxemburg musste, zog ich mit ihm nach Dalheim. Ich kümmerte mich zuerst um die Familie, entdeckte die Malerei wieder und arbeitete auch mit Glas. Erst vor ein paar Jahren wandte ich mich erneut dem Lehm zu. Die Leidenschaft entfachte genauso stark wie vorher. Heute biete ich Töpfer-Workshops in meinem Atelier in Dalheim an und verkaufe meine Kreationen auf Märkten.

„Jeder Töpfer hinterlässt sozusagen seinen Fingerabdruck auf seinen Werken, somit bleibt etwas von ihm bestehen.“ Jane Barclay, Künstlerin

Warum sind Sie derart vom Lehm fasziniert?
In der heutigen Zeit geht es nur noch ums Lernen, um die großen Studien. Damit verlernen wir unsere handwerklichen Begabungen, oder wir fördern sie einfach nicht. Für mich ist es das Größte, meine Arbeit am Ende in meinen Händen halten und bestaunen zu können. Überhaupt etwas mit meinen eigenen Händen zu erschaffen ist einfach nur großartig. Ich denke, wir erleben zurzeit einen Boom in diese Richtung. Ich sehe, dass in England immer mehr Jugendliche in die handwerkliche Richtung gehen. Auch Deutschland und Luxemburg ziehen hier mit. Meine Kurse und Workshops laufen sehr gut. Töpferei wird immer gefragter. Es freut mich besonders, wenn ich sehe wieviel Spaß die Kinder oder auch behinderte Menschen mit dem Lehm haben. Jeder Töpfer hinterlässt sozusagen seinen Fingerabdruck auf seinen Werken, somit bleibt etwas von ihm bestehen, das ist sehr faszinierend.

Woher stammt das Töpfern überhaupt?
Schon seit der Jungsteinzeit stellen Menschen Figuren aus Ton her. Somit ist das Herstellen von Gegenständen aus Keramik eine der ältesten Handwerkstechniken überhaupt. Ungefähr 18.000 Jahre sind die ersten Gefäße aus Ton alt. Mit der Erfindung der Töpferscheibe begann dann die Produktion von Keramik im großen Stil. Jeder von uns verfügt über eine Unzahl an Keramik-Geschirr Zuhause, doch diese wurden industriell hergestellt. Das Besondere, das Individuelle, hat nur der, der selbst töpfert.
Beim Töpfern können wir zwischen zahlreichen verschiedenen Arten von Ton auswählen und es gibt auch eine Vielzahl an verschiedenen Techniken, um die Oberfläche der Keramik zu bearbeiten und zu verzieren.

Woher beziehen Sie Ihr Material?
Der Ton mit dem ich arbeite, kommt aus Deutschland. Ich fahre immer zwei Stunden hin und zurück, um diesen ganz bestimmten Lehm zu bekommen. Ich habe lange gesucht und ihn nun schlussendlich gefunden. In England habe ich mit demselben Lehm gearbeitet. Er ist leicht zu verarbeiten, die damit getöpferten Gefäße sind sehr stabil und vertragen sogar die Spülmaschine und den Backofen. Übrigens habe ich auch ein paar Gefäße mit Lehm aus Dalheim hergestellt: Ich habe hier nach Lehm gesucht und ihn ausgegraben.

„Für mich ist es das Größte, meine Arbeit am Ende in meinen Händen halten und bestaunen zu können.“

Wie gehen Sie bei Ihren Workshops vor?
In meinen Workshops erkläre ich zuerst aus was Lehm überhaupt besteht. Danach fertigen wir ein Gefäß an, es wird trocknen gelassen, dann wird es glasiert und gebrannt. Das Ergebnis ist für jeden eine Überraschung, da man nie so ganz genau weiß, wie die Glasur mit dem Lehm reagiert. Deshalb experimentiere ich ständig mit kleinen Tonstückchen.

Was sind die aktuellen Trends in punkto Deko-Objekte?
Die Farbe Türkis ist ein Muss im Frühling. Diese Farbe strahlt neue, positive Energie aus. Natürlich darf die Osterdekoration nicht fehlen, die meistens sehr farbenfroh ausfällt. Ich persönlich mag kleine, farbige Gefäße in denen zum Beispiel das Salatdressing zubereitet werden kann und in dem es auch noch schön aussieht. Des Weiteren sehen farbige Tee-Sets oder Kerzenständer immer toll aus. Ein selbst angefertigtes Objekt liegt meiner Meinung nach immer im Trend.

Jane Barclay

Die 58-jährige Jane Barclay studierte „Ceramics“ und absolvierte ihr Diplom später in „Constructed Textiles“ an der Middlesex University in London. Sie unterrichtete einige Jahre an der Middlesex University und den Loughton- und Harlow Colleges „Various Ceramics“- und „Textile“.

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Author: Martine Decker

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