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Auf neuen Pfaden

Als Fußballer hat Claudio Lombardelli 25 Mal das Trikot mit dem „Rouden Léiw“ getragen. Mit 25 Jahren musste er aus Verletzungsgründen die Schuhe an den Nagel hängen. Jetzt strebt er eine zweite internationale Karriere als Pétanque-Spieler an.

Text: Nico Tedeschwilli (revue@revue.lu) Fotos: Georges Noesen, Privat Lombardelli

Claudio Lombardelli gibt offen zu, dass er in der Hand „noch“ nicht das Gefühl verspürt, das er im Fuß hatte und das ihn zum Fußballnationalspieler machte. Sein Vater Marco hat ihn und seinen Bruder Moreno frühzeitig mit dem Fußballvirus infiziert. Gut in Erinnerung ist ihm 1994 geblieben. Da war er sieben Jahre und hat erstmals bewusst eine Weltmeisterschaft verfolgt. Nach Siegen der italienischen Mannschaft ist er mit der Familie nach Esch zum Hupen gefahren. Im Schulhof in Schifflingen hat er zusammen mit Stefano Bensi, Joel Kitenge, Miralem Pjanic, und Michel Kettenmeyer oft bis zu Anbruch der Nacht gebolzt. Beim FC Schifflingen 95
haben sie dann gemeinsam ihre ersten Erfolge gefeiert. „Mit sechzehn Jahren zu Jeunesse Esch wechseln und sich dort behaupten, das gelingt nicht jedem“ schwärmt Michel Kettenmeyer, sehr überzeugt von den Spielkünsten seines einstigen Weggefährten. Obwohl dieser heute Zidane als Vorbild angibt, hat er früher eher den Francesco Totti abgegeben, behaupteen „Michi“ und Joel Kitenge. „Claudio hatte wahnsinnig viel Talent und es war ein Genuss mit ihm zusammen zu spielen“ behauptet sein ehemaliger Zimmernachbar, der wie Claudio ebenfalls Verletzungsbedingt frühzeitig seine Fußballerlaufbahn beenden musste.

„Ich möchte unter die besten sechs Luxemburger kommen, um bei Europa- und Weltmeisterschaften antreten zu können.“

„Meinem Vater und Guy Hellers, dem damaligen Nationaltrainer habe ich am meisten zu verdanken.“ Früher haben ihn die Kollegen immer gehänselt und behauptet, Guy Hellers wäre sein Vater. Unter seiner Führung bestreitet er dann 25 Spiele in der Nationalmannschaft wobei der 2:1 Sieg im WM Qualifikationsspiel in der Schweiz den absoluten Höhepunkt darstellt. National bleibt Lombardelli vier Jahre in Esch, wechselt für ein Jahr nach Rümelingen und schließt sich dann Kayl/Tetingen an. Kurz nach seinem Wechsel passiert das Unglück dann im Training. Er kugelte sich die Kniescheibe aus und musste operiert werden. Gerade in dem Moment als es so schien als könnte er den Weg in die Nationalmannschaft zurück finden. Es war ihm stets eine Ehre die Farben Luxemburgs zu vertreten. Nach seinem Ausscheiden ist ihm das erst richtig bewusst geworden. Nicht mehr dazu zu gehören, nicht mehr in der Presse erwähnt zu werden, daran musste er eine zeitlang knabbern. Jetzt ist er froh mit Patricia Gomes, eine gute Freundin, einen guten Job und viele Vereinskollegen beim Pétanque Verein in Kayl zu haben.

Wie viele Kinder macht Claudio beim Strandurlaub in Italien, dem Land seiner Vorfahren, Bekanntschaft mit den farbigen Kugeln. Mit siebzehn Jahren unterschreibt er in Schifflingen seine erste Lizenz, tritt aber nur sporadisch an. Jetzt wo der Fußball ins zweite Glied gerückt ist, spielt er beim P&B Kayl und hat sich hohe Ziele gesteckt. Pétanque ist mehr als nur Freizeitsport für ihn. „Ich möchte unter die besten sechs Luxemburger kommen, um bei Europa- und Weltmeisterschaften antreten zu können.“ Gérard Schneider kann das nur recht sein, denn gute Spieler mit Luxemburger Pass sind eher rar gesät. Der Verbandspräsident sieht es positiv wenn ehemalige Fußballer wie Lombardelli oder Stefano Fanelli zur Kugel greifen und die Pétanque Szene bereichern. „Die Jungs haben auf hohem Niveau gespielt und besitzen die nötige Einstellung zum Sport.“ Potential ist seiner Meinung nach bei Claudio durchaus vorhanden. Zu einem Freischein reicht das allerdings nicht. „Claudio weiß, dass man etwas leisten muss, wenn man im Sport etwas erreichen will.“

„Die Jungs haben auf hohem Niveau gespielt und besitzen die nötige Einstellung zum Sport.“Gérard Schneider, Vereinspräsident

Mit Klaus-Dieter Wiesbusch hat der Verband einen erfahrenen Nationaltrainer. Er ist neutral, schaut sich Spieler an und lädt sie zu Sichtungslehrgängen ein. Claudio Lombardelli war bislang nicht dabei. Das möchte er ändern und trainiert jetzt fast täglich bei seinem Verein. Trotz Wetterkapriolen sind zahlreiche Spieler/innen zum Training und Fotoshooting gekommen. Dabei auch die Nationalspieler Kevin Reicher und Jérôme Munhoven. Gary Barone seit neun Jahren Nationalspieler und schon Viertelfinalist bei einer EM gesteht seinem Mitspieler Claudio viel Talent zu, sieht bei ihm aber auch noch Luft nach oben. Dessen ist sich Claudio Lombardelli bewusst und lässt im Moment keine Gelegenheit aus um Erfahrungen zu sammeln. So ist er des Öfteren mit Serge Cattazzo, dem oftmaligen Meister und fast Bronzemedaillengewinner bei der WM im Senegal 2008 unterwegs.

Ambitionen hat er aber auch noch im Fußball. Er kickt noch für seinen Arbeitgeber, die Gemeinde Esch und war bis Dezember in Düdelingen in der Fußballschule als Nachwuchstrainer beschäftigt. Auch bei Kayl/Tetingen und bei seinem Stammverein dem FC Schifflingen 95 hat sich „Cla“ als Jugendtrainer verdient gemacht. Er denkt daran, den nötigen Schein zu erlangen um mit einer kleinen Mannschaft eine Trainerkarriere einzuschlagen. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Jetzt steht Pétanque im Mittelpunkt, wo die Meisterschaft gerade angelaufen ist und wo er sich dann mit regelmäßigem guten Einsatz bei seinem Verein für höhere Aufgaben empfehlen möchte.

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Erfahrung: Gary Barone zählt zu den Stützen des P & Q Kayl. Von dem Nationalspieler kann der ambitionierte Ex-Fußballer noch so manches lernen.

Erfahrung: Gary Barone zählt zu den Stützen des P & Q Kayl. Von dem Nationalspieler kann der ambitionierte Ex-Fußballer noch so manches lernen.

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Author: Philippe Reuter

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