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Auf Polarexpedition

Im Februar startet Hundeschlittenführer Raphael Fiegen zusammen mit seinen treuen Vierbeinern eine 500 Kilometer lange Expedition durch das schwedische Lappland. Eine abenteuerliche Reise,
die er seinem verstorbenen Vater widmet.

Zwischen den Bäumen, inmitten des Geländes der Waldschule in Esch, hört man ein schallendes Bellen gemischt mit lautem, beeindruckendem Heulen. Trotzdem ist auf dem Waldstück kein Lebewesen zu erkennen. „Sie wissen, dass ich komme“, verrät Raphael Fiegen. „Sie erkennen von Weitem das Geräusch meines Motors.“ Das Jaulkonzert wird intensiver, und ich kann beobachten, wie die acht Schlittenhunde ganz aufgeregt in ihrem Zwinger hin und her rennen. Raphael macht mich bekannt mit seinen beiden Leithunden: dem fünfjährigen Kenai, einem beeindruckenden ostsibirischen Laika, und der gleichaltrigen Nayeli. „Sie ist eine Grönlandhündin. Diese Rasse ist ein bisschen kleiner, aber deshalb viel flinker als die andern“, erklärt der Musher (ein Fachausdruck für Hundeschlittenführer). Beide werden Raphael ab dem 14. Februar auf seiner Expedition durch den schwedischen Königspfad (Kungsleden) begleiten.

„Meine Hunde sind wie Athleten. Ich kann ihnen zu 100 Prozent vertrauen.“ 
Raphael Fiegen, Musher

Eine Herausforderung, die dem 30-jährigen Schlittenhundführer nicht unbekannt ist. Bereits 2016 hatte er versucht, die 500-Kilometer-Strecke zu schaffen. Leider ohne Erfolg. Die Reise musste abgebrochen werden. „Damals war ich mit zehn Hunden unterwegs“, erinnert sich der Abenteurer. „Das Gespann wog ungefähr 400 Kilo. Das ist schon relativ schwer.“ Eine zu große Belastung für die Schlittenhunde, die schon etwas älter waren. „Die Hunde waren erschöpft.“ Doch Raphael hat aus seinen Fehlern gelernt, und deshalb soll die anspruchsvolle Expedition dieses Mal anders verlaufen. „Kenai und Nayeli werden das Gespann ziehen. Es wird auch leichter sein. Nicht mehr als 100 Kilo. Ich werde ihnen auf Langlaufskiern folgen.“

Finanziert wird die sportliche Abenteuerreise durch Sponsoren. Übrigens wird der Luxemburger von einem Filmteam begleitet, das seine Polarexpedition in einem Dokumentarfilm festhalten soll. Vier Mann. Zwei Schneemobilfahrer und zwei Kameraleute. „Helfen dürfen sie mir aber auf keinen Fall. Ich will es aus eigener Kraft schaffen.“

In 15 Tagen will Raphael die 500-Kilometer-Strecke hinter sich bringen. „Vorsichtshalber haben wir Proviant für 20 Tage“, betont er. Da sich der Kungsleden sehr hoch im Norden Schwedens befindet, ist diese Abenteuerreise im Winter eine richtige sportliche Herausforderung, die nicht ohne Gefahren und Hindernissen ist. Die Temperaturen liegen in dieser Jahreszeit zwischen minus 20 und minus 30 Grad Celsius. Schneestürme sind keine Seltenheit. „Erfrierungen sind die größte Gefahr bei der klirrenden Kälte“, erklärt Raphael. „Das kann sehr schnell gehen. Man muss also achtsam bleiben.“

Im Winter schaffen nur sehr wenige den anspruchsvollen Königspfad. Gelingt es Raphael Fiegen dieses Mal, wird er der erste Luxemburger sein, der diese großartige Leistung während der kalten Jahreszeit vollbracht hat. Auf seiner Expedition, die in Sorsele starten wird, werden der Abenteurer und seine treuen Vierbeiner aber nicht nur schöne und beeindruckende Landschaften beobachten können. Auch Wildtiere können ihnen über den Weg laufen. „Besonders Elche sind gefährlich“, weiß er. „Die sind wie Wildschweine. Stört man sie, besonders dann, wenn sie mit ihrem Nachwuchs unterwegs sind, können sie richtig aggressiv werden.“ Steigen die Temperaturen, gibt es andere Unannehmlichkeiten, die die Strecke nicht mehr befahrbar machen. Flüsse und Seen werden eisfrei und so unpassierbar.

„Sogar wenn ich mir ein Bein brechen sollte, aufgeben werde ich nicht. Und wenn es sein muss, komme ich auf allen Vieren an.“
Raphael Fiegen, Musher

Trotzdem bleibt Fiegen motiviert. „Pro Tag werden wir 30 bis 40 Kilometer zurücklegen.“ Geschlafen wird im Zelt oder in Wanderhütten. „Sogar wenn ich mir ein Bein brechen sollte, aufgeben werde ich nicht. Und wenn es sein muss, komme ich auf allen Vieren an.“ Denn diese Expedition hat für den 30-Jährigen eine ganz besondere Bedeutung. „Ich will sie meinem verstorbenen Vater widmen. Er hat mich immer unterstützt.“ Vater Romain hatte sein Leben dem Sport gewidmet, vor allem der Leichtathletik. Er ist auch der einzige Luxemburger, der es 1994 bis zum magnetischen Nordpol geschafft hat.

Raphaels Leidenschaft für die Schlittenhunde begann 2006. Seitdem kann er sich ein Leben ohne seine treuen Begleiter kaum mehr vorstellen. „Meine Hunde sind wie Athleten“, verrät der Musher. „Wir haben eine sehr intensive Beziehung. Ich kann ihnen zu 100 Prozent vertrauen, und ich merke, dass sie mir auch vertrauen.“

Trotzdem war am Anfang nicht immer alles einfach. Vor allem, was seine Vorgehensweise und die Haltung der Schlittenhunde angeht. „Es gab eine Unterschriftensammlung gegen mich. Man hat mir Tierquälerei vorgeworfen.“ Noch zu oft hört man den Vorwurf, Schlittenhunde hätten nichts in unseren Gegenden zu suchen. Es wäre hier zu warm für sie. „Nur die wenigsten wissen, dass diese Hunde ein Fell besitzen, das sich den Wetterbedingungen und den Temperaturen anpasst“, stellt der Hundeschlittenführer klar.

Vor lauter Warten ist es schwer einzuschätzen, wer schlussendlich am aufgeregtesten ist. Die Schlittenhunde, die bereit sind für ihr alltägliches Training oder unser Fotograf, dem eine Rundfahrt durch den Wald versprochen wurde?

„Die Hunde werden an ein Quad gespannt. Sowohl die Kraft als auch die Schnelligkeit der Hunde werden trainiert“, erklärt Raphael. „Geleitet werden sie durch gerufene Kommandos.“ Und schon werden die Vierbeiner zum Loslaufen aufgefordert. Blitzschnell verschwindet der Konvoi im Wald. In der Ferne höre ich noch ein schallendes Bellen. Dann herrscht Stille.

Fotos: Philippe Reuter

Verfolgen können sie Raphael Fiegens Polarexpedition auf seiner Facebook-Seite. Viele weitere Informationen und tolle Fotos finden Sie auf seiner Internet-Seite: www.raphaelfiegen.lu

Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

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Author: Martine Decker

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