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Auf zu den Miezen

Seit ihrer Kindheit hat sie davon geträumt, in Deutschland Handball spielen zu können. Jetzt, mit 22 Jahren, ist Tina Welter bei ihrem Wunschverein, dem DJK/MJC Trier, besser bekannt als Miezen, angekommen.

Text: Nico Tedeschwilli (revue@revue.lu) / Fotos: Georges Noesen, Privatarchiv

Obwohl sie in die alltägliche Staufalle am Trierer Berg geraten ist, erscheint Tina Welter pünktlich zum abgesprochenen Fototermin in der Arena. Dort spielen und trainieren sie, die Miezen aus Trier. Der Name ist Kult, auch für Sportkenner, die dem Handball nicht so nahestehen. Zur Erinnerung: Deutscher Meister waren sie 2003 und Vizemeister zwei Jahre später. Leider haben die Katzen aus der Domstadt in der Zwischenzeit etwas von ihrem Glanz eingebüßt. Ein kleinerer Geldbeutel und ein kleinerer Kader haben die sportlichen Ziele schrumpfen lassen. Nach fünfzehn Jahren Bundesligazugehörigkeit musste man in diesem Jahr den Abstieg in die zweite Liga hinnehmen. Einige namhafte Spielerinnen wollten fortan keine Mieze mehr sein und haben ihre Pfötchen nach besser betuchten Vereinen ausgestreckt. Tina Welter stört das nicht. „Es war schon immer mein Traum, bei den Miezen spielen zu können. Für mich ist es eine neue Herausforderung und jedes Spiel ein Kampf, um mein Ziel zu erreichen.“ Die 22-Jährige fühlt sich gut in die Mannschaft integriert. „Ich war in den drei bisherigen Spielen in der Startmannschaft, kam im Durchschnitt 40 Minuten zum Einsatz und bin optimistisch für die Zukunft.“

„Für mich ist es eine neue Herausforderung und jedes Spiel ein Kampf, um mein Ziel zu erreichen.“ Tina Welter

Sie folgt geduldig den Anweisungen des Fotografen. Als Erste kommt Trainerin Daniela Filip dazu. Die gebürtige Rumänin hat nach dem Abgang zahlreicher Leistungsträgerinnen die schwierige Aufgabe übernommen, eine neue schlagkräftige Mannschaft aufzubauen. „Uns steht eine schwierige Saison bevor. Wir haben in den ersten beiden Spielen unser Leistungsvermögen nicht abgerufen.“ Im letzten von drei schweren Auswärtsspielen gegen Beyeröhde waren die ersatzgeschwächten Miezen lange ebenbürtig und führten mit zwei Treffern. Eine rote Karte für die starke Rückraumspielerin Linsey Houben in der 53´ brachte sie dann aber zum dritten Mal in Folge auf die Verliererstraße. Die 45-jährige Trainerin bescheinigt Tina Schnelligkeit, Motivation und Lernbegeisterung.

Nach und nach trudeln ihre neuen Mitspielerinnen in der Halle ein. Die Stimmung ist trotz der momentanen Erfolglosigkeit sehr gut. Witzige Bemerkungen zu Tinas Shooting bleiben dennoch nicht aus. Die bleibt aber völlig gelassen. Mit sechzehn wollte sie auch schon nach Trier, damals ins Internat, doch damit waren Vater Alain, lange Jahre Leistungsträger in Petingen, und Mutter Danielle nicht einverstanden.

„Wir Käerjenger sind stolz, dass sie die Chance genutzt hat um bei den Miezen zu spielen.“ Claude Weinzierl

Claude Weinzierl, die Trainer-Ikone aus Bascharage, hat nur lobende Worte für sie: „Tina hat stets eine Kategorie höher gespielt. War dann auf dem Spielfeld die Jüngste, Kleinste und dennoch oft die Beste.“ Er bezeichnet sie als seriös, ruhig und als Person, die nicht im Vordergrund stehen möchte. Auch „Vero“ Pimenta hat nichts an ihrer einstigen Weggefährtin auszusetzen. Die 35-Jährige bezeichnet sich selbst als Bezugsperson für Tina, deren Weg sie weiterhin mit Freude verfolgt. „Tina ist ein herzensguter Mensch, hilfsbereit, ist selten schlecht gelaunt, kann aber auch anstrengend werden, wenn ihr mal etwas nicht passt.“ Sie verrät außerdem, dass „Tinnchen“ keine Fussel an Kleidern mag und deshalb stets ein Klebebandroller dabei hat. Tinas Zielstrebigkeit können beide nur bestätigen.

Auf ihre sonstigen Stärken angesprochen, sagt Weinzierl: „Ganz klar ihre Schnelligkeit, mit der sie viele Konterläufe ansetzen kann, sowie ihre Polyvalenz, mit der sie als Rechts- oder Linksaußen und auch im Rückraum einsetzbar ist.“ Mit einem Lachen erinnert er sich daran, dass sie sogar mal mit Bravour in der dritten Liga das Tor hütete als die etatmäßigen Torfrauen nicht zur Verfügung standen. „Wir Käerjenger sind stolz, dass sie die Chance genutzt hat, um bei den Miezen zu spielen.“ Schwächen kann Weinzierl ihr kaum nachsagen. Ihrer Verletzungsanfälligkeit hat sie zuletzt mit Kraft- und Muskeltraining entgegengearbeitet.

Zur Person

Geboren am 30. Januar 1993 in Niederkorn, vertritt sie mit vier Jahren erstmals die Farben des HB Käerjeng. Sie durchläuft bei ihrem Verein sämtliche Nachwuchsklassen und ist international in der U16, U18 und U21 aktiv. Sie spielt gerne Fußball, ein Jahr offiziell in Niederkorn, und versucht sich auch im Turnen. Ihr Herz gehört aber dem Handball. Erfolge im Jugendbereich, der Meistertitel in der dritten Liga und ihr erstes Europapokalspiel 2008 mit dem „Roude Léiw“ in Norwegen sowie die EM-Qualifikation 2010 gegen Weltklasseteams sind die bislang schönsten Erfahrungen der gelernten Krankenpflegerin.

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Tina-Welter---005Verletzungen haben ihr schon des Öfteren einen bösen Streich gespielt. So vor vier Jahren als sie zwei Tage vor der Einberufung zur Armee eine Bänderdehnung davontrug und auf Anraten des Arztes ihre Zelte auf dem Herrenberg nach einem Monat abbauen musste. Ihren Drang, sich stets zu verbessern, hat sie dann zum Zweitligisten TV Nellingen geführt. In Baden-Württemberg gut integriert, war es wieder eine schwere Verletzung, die sie zurückwarf. Als sie dort keine Perspektive mehr für sich sah und wieder näher an die Heimat kommen wollte, hat sie persönlich bei Jürgen Brech, dem Manager der Miezen, vorgesprochen. Nach einem gelungenen Probetraining und einer schnellen Einigung durfte sie sich das ersehnte Miezen-Trikot überstreifen.

Ihren ersten Traum hat sich die 22-Jährige demnach schon erfüllt. Mit dem zweiten hat sie aber so ihre Schwierigkeiten. Sie möchte der Elitesektion der Armee beitreten. Ein schwieriges Unterfangen, da die FLH ihr Bestreben, wieder eine Frauen-Nationalmannschaft auf die Beine zu stellen, bislang noch nicht umgesetzt hat. Neben den ersten Punkten im kommenden Heimspiel, am 11. Oktober, erhofft sich Tina in den darauffolgenden Monaten eine positive Veränderung, damit sie vom COSL grünes Licht bekommt und ihren Sport zum Beruf machen kann.

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Author: Martine Decker

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