Home » Home » Aus zweiter Hand

Aus zweiter Hand

Luxemburg ist äußerst konsumfreudig. Vor allem in der Post-Weihnachtszeit stellt sich so manches Geschenk als Staubfänger heraus. Also wohin mit den ungewollten Mitbringseln? Die Antwort lautet: Secondhand. (Text: Françoise Stoll / Foto: Ute Metzger)

Weihnachten ist die Zeit des Schenkens. Den Geschmack seiner Lieben zu treffen ist jedoch nicht ganz ohne. Ein Großteil der Präsente wandert nach den Feiertagen zurück in die Regale – zumindest hypothetisch. Fehlt der Kassenbon, geht der Ärger los. Wer auf den Stress im Laden und auf verärgerte Verwandte verzichten möchte, sollte sein Glück in der Secondhandbranche versuchen. Diese hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur vergrößert, sondern nach und nach auf Exklusivität spezialisiert. Es handelt sich längst nicht mehr um Kitsch und wertlosen Trödel.

Auf Originalität kommt es heute an. Käufer und Verkäufer stöbbern gezielt nach Unikaten. Sogar die Stars bekennen ihre Liebe zu Gebrauchtwaren, vor allem zu Alttextilien. Wer keine Lust mehr auf Klamotten von der Stange oder unpersönliche Accessoires hat, schnüffelt am besten nach Retro- und Vintage-Objekten. Teure Designerkleider und Edel-Mode wechseln immer häufiger den Besitzer und werden so erschwinglicher. Die Suche, oder besser gesagt die Schnäppchenjagd, macht nicht nur Spaß, sondern schont zudem den Geldbeutel. Der neue Trend ist nicht nur ein Fashion-Phänomen. Gebrauchte Bücher, DVDs und Videospiele gehen im Internet und in Secondhandläden weg wie warme Semmeln. Es wird nach limitierten Auflagen und seltenen Sammlerstücken recherchiert. Gebrauchtwaren erwerben, ersteigern oder erhandeln, ist in. Wer möchte sich nicht öfters mal etwas Neues leisten – und das ohne großen finanziellen oder zeitlichen Aufwand? Wer sich selbst als Verkäufer versuchen und etwas hinzuverdienen möchte, sollte jedoch einiges beachten.

Sell’n Buy-Geschäftsführer Dany Schneider gibt Tipps für Einsteiger: „Der erste Schritt ist sich zu entscheiden, wie man etwas verkaufen will.“ Dem Secondhand-Experten zufolge gibt es zwei Möglichkeiten, sich selbst um den Umsatz kümmern oder andere damit beauftragen. Möchte man auf eigene Faust handeln, kommen Facebook, Luxbazar, Yourshop.lu, Ebay oder Flohmärkte in Frage.

Das Verkaufen kann jedoch sehr zeitintensiv werden. Wer es bequemer mag, sollte sich an professionelle Gebrauchtwarenläden wenden. Eine Artikelgebühr ist zwar fällig, im Gegenzug erhält man allerdings Dienstleistungen wie Beratung, Transport, Aufbewahrung und natürlich den Vertrieb. „Die Secondhandläden agieren als Vermittler zwischen Händler und Kunde. So wird die Sicherheit und Anonymität des Verkäufers garantiert“, erklärt Schneider. Beim Onlineverkauf ist die Weitergabe von Adressen und Telefonnummern gang und gäbe, ein riskantes Unterfangen. Kontaktdaten sollten nie leichtfertig preisgegeben werden.

„Die Secondhandläden agieren als Vermittler zwischen Händler und Kunde. So wird die Sicherheit und Anonymität garantiert.“ Dany Schneider, Sell’n Buy-Geschäftsführer

Schritt zwei für eine erfolgreiche Transaktion lautet realistisch zu bleiben. Nicht jeder Artikel kann auch zum Kaufpreis weiterverkauft werden. „Der emotionale Wert stimmt meistens nicht mit der Wirklichkeit überein“, gesteht der Experte. Verschiedene Gegenstände sind leichter absetzbar als andere. Obwohl Kleidungsstücke sehr gefragt sind, besteht ein Nachteil: Sie müssen anprobiert werden und passen. Antiquitäten, wie Porzellanwaren und alte Möbel, sind eher schwer verkäuflich. Schneider rät erst den Zustand des Produkts zu überprüfen und dementsprechend den Preis festzulegen. Dem Verkauf steht dann theoretisch nichts mehr im Weg. Doch der Zufallsfaktor in der Secondhand-Branche darf nicht unterschätzt werden. Welche Artikel sind zu welcher Zeit im Handel und welche Leute werden darauf aufmerksam? Diese Faktoren bestimmen die Verkaufszeit.

Gegenstände können binnen Minuten verhökert werden, in seltenen Fällen dauert es Monate. Der Sell’n Buy-Geschäftsführer empfiehlt geduldig, preislich flexibel und kritisch zu sein. Neulinge sollten auf ihrem Weg zum Profiverkäufer allerdings nicht auf Absatzgarantien reinfallen, denn die gibt es schlichtweg nicht.

So werden Sie zum Händler!

Facebook

„Free your stuff Luxembourg“, „He sells his mess!“, „She sells her accessoires!“ – durch Facebook Zuhause Ordnung schaffen und dabei Geld verdienen! Mit wenigen Klicks können Anzeigen online gepostet werden. Vorausgesetzt man verfügt über ein Facebook-Konto und tritt der jeweiligen Gruppe bei. www.facebook.com

Ebay

Drei, zwei, eins… meins! Ebay gilt als der online Gebrauchtwaren- und Aktionsmarkt schlechthin. Die Anmeldung ist kostenlos und Angebotsgebühren fallen erst an, wenn die Zahl von 20 zu verkaufenden Artikeln pro Monat überschritten wird. Für jede weitere Anzeige fallen 50 Cent Gebühr an. Preis und Versandkosten werden selbst fest-gelegt. Bei erfolgreichem Verkauf winkt eine Provision. Diese beträgt in der Regel zehn Prozent des Preises und soll die zusätzlichen Kosten des Verkäufers, durch Verpackung und Versand decken. www.ebay.de oder www.ebay.fr

Flohmarkt

Wer das Ganze klassisch angehen will, kann seine Wertgegenstände auf dem Flohmarkt verkaufen. Secondhand ist so beliebt, dass die Plätze meist binnen wenige Wochen ausgebucht sind. Das ist auch in Arlon beim traditionellen „marché aux puces“ der Fall. Wer kommende Saison als Verkäufer teilnehmen und mit den Kunden in Luxemburg feilschen möchte, kann sich ab jetzt beim „Service des Fêtes et Marchés“ anmelden. Eine Standgebühr von fünf Euro wird pro 2,5 x 2,5 m Fläche, auf der Place Guillaume II, erhoben. Klapptische stehen kostenlos zur Verfügung. In Arlon kann man sich ebenfalls jetzt bewerben. Eine erste Gelegenheit gibt es am 1. März. www.vdl.lu, www.arlonbrocante.be

Sell’n Buy

Durch mieten Geld verdienen? Der Shop in Bartringen ermöglicht es Privatpersonen verschiedene Ausstellungsräume, schon ab ein Euro wöchentlich, zu mieten. Die Privatverkäufer bestimmen den Preis und können ihre Entscheidung nach Lust und Laune verändern. Wird ein Artikel verkauft, kann man den Erlös zu jedem Zeitpunkt anfordern oder abholen. Beratung und Schätzung des Wertes sind kostenlos. Der Transportservice für größere Produkte wird ab 20 Euro angeboten. Kosten, die als Verkäufer anfallen, sind Artikelgebühren von 15 Prozent bei jedem Erlös. www.sellnbuy.lu

Troc

In den zwei Troc-Filialen gehören Beratung, Versicherung und Vertrieb zum Service. Die Gebrauchtwaren werden nicht nur im Laden, sondern ebenfalls auf der Website ausgestellt. Die Preise können nicht selbst bestimmt werden. Sie werden gemeinsam fixiert und vertraglich festgehalten. Beim Verkauf erhält der Privatkäufer 55 bis 62 Prozent des Gesamtpreises. Werden die Produkte nicht abgesetzt, kann der Besitzer sie nach zwei Monaten vom Verkauf zurückziehen oder günstiger anbieten. Für größere Objekte wird ein Transportservice angeboten. Die Lieferkosten variieren. Ein Kostenvoranschlag kann per Mail, Anruf oder vor Ort angefragt werden.
www.troc.com

Luxbazar

Der Luxbazar hat sich seit 1991 auf dem luxemburgischen Gebrauchtwarenmarkt etabliert. Anmeldung und die Erstellung einer Anzeige sind für Privatpersonen kostenlos. Die Annoncen werden online und in gedruckter Form publiziert. Sie können im Internet, per SMS, Anruf, Fax, Post oder vor Ort bei der Agentur aufgeben werden. www.luxbazar.lu

Yourshop.lu

Recycling, Handarbeit, Secondhand – die Online-Börse Yourshop.lu bietet lokalen Künstlern zahlreiche Möglichkeiten. Vermeintlicher Abfall wird wiederverwertet, umgewandelt und verkauft. Eigene Kreationen und „gewöhnliche“ Secondhandprodukte werden angeboten. Die Plattform beschränkt sich nicht aufs Verkaufen. Artikel werden auch gerne verschenkt. Jeder kann sich kostenlos registrieren und ganz nach Belieben seinen eigenen „Shop“ eröffnen. www.yourshop.lu

Foto: Ute Metzger

Foto: Ute Metzger

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Philippe Reuter

Login

Lost your password?