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Ausgerechnet Nero

Gleich drei Trierer Museen widmen sich in einer gemeinsamen Ausstellung dem als machtgierig bekannten römischen Kaiser. Und wollen mit zweitausend Jahre alten Vorurteilen aufräumen.

Fotos: GDKE – Rheinisches Landesmuseum Trier, Th. Zühmer (4), Simon Kürten, Scholastic Inc./The Sam Glankoff Collection, LLC

Nero, der Brandstifter. Der Christenverfolger, der Mörder, der Verschwender. Das Muttersöhnchen und machthungrige Scheusal. So kennt man ihn. Auch zweitausend Jahre nach seinem Tod ist der einstige römische Kaiser nicht vergessen. Er bleibt ein Faszinosum, etliche Bücher und Filme zeugen davon. Doch ist das, was wir über ihn zu wissen meinen, wirklich die Wahrheit? Oder liegen wir einer jahrhundertealten Mär über einen Menschen auf, der im Grunde seines Herzens mehr friedliebender Künstler als skrupelloser Politiker war?

Dieser und anderer Fragen will die Trierer Ausstellung „Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann“ auf den Grund gehen. Nach der eindrucksvollen „Konstantin“-Ausstellung, die 2007 im Programm des Kulturhauptstadtjahres von Luxemburg und der Großregion lief, jetzt also das nächste kulturhistorische Großevent in der Römerstadt.

Und weil das Thema so schwierig und komplex ist, braucht es schon drei Museen, die sich gleichzeitig mit ihm auseinandersetzen: das Rheinische Landesmuseum, das Museum am Dom und das Stadtmuseum Simeonstift. Mehr als 700 Exponate auf über 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche präsentieren unterschiedliche Facetten des berühmt-berüchtigten Herrschers: Das Landesmuseum nähert sich der Person und Biografie Neros, im Museum am Dom geht es um „Nero und die Christen“, und das Stadtmuseum zeigt, wie der „Mythos Nero in der Kunst“ verarbeitet wurde.

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Dabei hat Nero mit Trier herzlich wenig zu tun gehabt, doch immerhin war die älteste Stadt Deutschlands zu Neros Zeiten als „Augusta Treverorum“ die größte Stadt nördlich der Alpen und daher auch für den römischen Kaiser von gewisser Bedeutung. Auswirkungen hatte lediglich sein vom Senat erzwungener Suizid auf die Stadtbewohner, die im Jahre 69 gemeinsam mit den Batavern zum Aufstand antraten, was ihnen zwar eine Niederlage, aber der Region anschließend eine lange Friedensperiode einbrachte.

Nero war ein umstrittener Kaiser, vielleicht gar der umstrittenste.

Falsches Bild: Die Ausstellung will vor allem mit den Vorurteilen über Kaiser Nero aufräumen.

Falsches Bild: Die Ausstellung will vor allem mit den Vorurteilen über Kaiser Nero aufräumen.

Nero war ein umstrittener Kaiser, vielleicht gar der umstrittenste. Doch die Ausstellung zeigt, dass es unter seiner Regentschaft durchaus gute Zeiten gegeben hat. Vor allem in den ersten Jahren machte er sich durch die Senkung der Getreidepreise und der Veranstaltung zahlreicher Spiele und Feste beim Volk beliebt. Auch für seine maßvolle Rechtsprechung erhielt er viel Lob. Denn Nero war kein ausgemachter Tyrann, sondern viel mehr – vor allem zu Beginn seiner Regentschaft – ein wohl überlegter Mann, der viel lieber Künstler geworden wäre, hätte nicht seine Mutter Agrippina das ehrgeizige Ziel verfolgt, ihn auf den Thron zu setzen. Dafür soll sie sogar ihren Ehemann und Neros Stiefvater Kaiser Claudius vergiftet haben. Und so wird Nero mit 17 Jahren zum jungen Kaiser. An seiner Seite seine drei Jahre jüngere Frau Octavie, eine Tochter des Claudius, sowie sein persönlicher Lehrer, der Philosoph und Schriftsteller Seneca.

NERO_GoldmuenzeDer größte Vorwurf, der Nero über Jahrhunderte hinweg gemacht wurde, war der, er hätte selbst das Feuer gelegt, das im Jahre 64 einen Teil von Rom zerstörte. Seit einigen Jahren sind sich Wissenschaftler aber sicher, dass Nero zu diesem Zeitpunkt gar nicht in Rom, sondern in seiner 50 Kilometer entfernten Sommerresidenz weilte. Er selbst verlor bei dem verheerenden Brand den Palast mitsamt seiner Kunstsammlung. Und als es an den Wiederaufbau der zerstörten Stadtviertel ging, sorgte er aus Brandschutzgründen für breitere Straßen und niedrigere Häuser – Belege dafür kann man im Landesmuseum sehen.

Doch auch sein Hang zu kostspieligen Bauwerken ist belegt. Nach dem Brand ließ er sich mit der „Domus Aurea“ einen Palast errichten, der seinesgleichen sucht: Auf rund 80 Hektar Fläche verteilen sich Weinberge, Gärten, künstliche Seen und Villen, deren Innern teilweise vergoldet oder mit aufwendigen Wand- und Deckenmalereien geschmückt sind. Auch ein Teil dieses Palastes ist in der Ausstellung des Landesmuseums zu sehen: ein Nachbau des Himmelsgewölbes, gespickt mit einigen Originalstücken.

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Dass mit Nero die Verfolgung der Christen ihren Anfang nahm, davon kann man sich im Museum am Dom überzeugen. Dabei soll es ihm aber nicht um echte religiöse Gründe gegangen sein, wie lange vermutet wurde, sondern vielmehr um die günstige Gelegenheit, mit der kleinen Minderheit einen Sündenbock zu präsentieren, den er für den Brand verantwortlich machen und bestrafen konnte. Zwar waren die Strafen brutal und unmenschlich, nach Meinung von Historikern jedoch für die damalige Zeit durchaus üblich. Genau wie die Angewohnheit, politische Gegner ermorden zu lassen oder sie zu einem Suizid zu zwingen. Schicksale, denen auch engste Vertraute nicht entgehen konnten: Nero ließ seine Mutter töten und forderte seinen Lehrer Seneca auf, selbst Hand an sich zu legen.

Infos

Im Rahmen der Ausstellung gibt es ein üppiges Begleitprogramm mit thematischen und allgemeinen Führungen, Vorträgen, Workshops und speziellen Angeboten für Kinder und Jugendliche, auch in den Ferien. Ein Teil der Führungen und Veranstaltungen war bereits zwei Wochen vor Ausstellungseröffnung am 14. Mai verkauft. Frühzeitige Reservierungen sind deshalb zu empfehlen. Die Ausstellung dauert bis zum 16. Oktober, geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 18 Euro, ermäßigt 16 Euro für ein Kombiticket, Kinder unter 6 Jahren sind frei. Das Kombiticket gilt für alle drei Museen und muss nicht an einem Tag benutzt werden. Einzeltickets sind in den Museen ebenfalls erhältlich. www.nero-ausstellung.de

Adressen
Rheinisches Landesmuseum
Weimarer Allee 1
54290 Trier
www.landesmuseum-trier.de

Museum am Dom
Bischof-Stein-Platz 1
54290 Trier
www.museum-am-dom-trier.de

Stadtmuseum Simeonstift
Simeonstraße 60
54290 Trier
www.museum-trier.de

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Drei Jahre dauerte die Vorbereitung des Trierer Mammutprojektes. Herausgekommen ist eine einzigartige Schau, die Stücke aus ganz Europa zusammenbringt und zeigt, wie sich die Mythen rund um Nero über die Jahrhunderte hinweg gebildet und gefestigt haben, obwohl sie zumindest zum Teil nur Mythen sind. Der alte Kaiser bleibt auch nach zweitausend Jahren faszinierend, auch wenn wir unsere Meinung über Nero nach dem Besuch der Ausstellung vielleicht ändern müssen.

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Heike Bucher

Journalistin

Ressort: Wissen

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Author: Philippe Reuter

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