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Badeland Luxemburg

Die Wasserqualität in den luxemburgischen Badegewässern und Freibädern ist gut, sie wird regelmäßig gemessen. Anders sieht es mit dem Müll auf den Wiesen und Stränden aus, doch dieser wird von den Badegästen selbst mitgebracht.

Es waren Bilder, die Bände sprechen, die von der Gemeinde Esch-Sauer Anfang des Monats auf den sozialen Medien hochgeladen wurden: Tüten voller Abfall, leere, zusammengequetschte Getränkedosen, ausgebrannte Einmal-Grills und haufenweise Verpackungsmaterial lagen auf den Wiesen, Wegen und neben Müllcontainern am Ufer des Stausees herum. Liegengelassen von sonnenhungrigen und schwimmwütigen Menschen, die Ende Juni das heiße Wochenende nutzten, um Zeit am Wasser zu verbringen.

Menschen sind Schweine, könnte man denken. Und teilweise stimmt das wahrscheinlich. Ein Blick aus dem Autofenster beim Be- und Abfahren der Autobahnen reicht schon aus, um festzustellen, dass einzelnen Zeitgenossen egal zu sein scheint, wie ihre Umwelt aussieht. Hauptsache, ihr eigenes Auto wird nicht zugemüllt. Da müssen dann schon mal Getränkedosen und zahlreiche Verpackungen schnell aus dem Fenster entsorgt werden. Genau wie die Zigaretten. Egal, ob hinter einem ein Cabrio oder Motorradfahrer fährt. Oder eine Kippe einen ganzen Eimer voll Grundwasser kontaminiert.

Das Fuussefeld am Stausee ist kein Einzelfall, auch an anderen Badestellen des Landes kennt man das Problem. Selbst in Freibädern, für die Eintritt bezahlt werden muss, gibt es Tage, an denen der Müll der Besucher zur echten Plage wird. „Das sind vor allem die Tage, an denen das Wetter gut und viel los ist“, sagt Véronique Alves, Direktorin des Aquasuds in Differdingen. „Es gibt Leute, die alles liegen lassen. Auf Facebook wird dann hinterher behauptet, es wäre bei uns schmutzig und wir hätten nicht genügend Personal. Aber es ist ein kulturelles Problem. Jeder muss dazu beitragen, dass seine Umgebung nicht vermüllt. Dann muss man eben mal aufstehen und den Müll selbst in die Tonne bringen, es stehen ja genügend herum, über 30, um genau zu sein.“

Ernstzunehmende Störungen hat es in den fünf Jahren seit seiner Eröffnung im Aquasud bislang nicht gegeben.

Doch scheinbar gibt es Menschen, die der Meinung sind, dass andere ihren Dreck wegräumen. Sogar Windeln werden auf den Wickeltischen liegengelassen oder auf den Boden geschmissen, obwohl ein Mülleimer daneben steht, erzählt Alves. Dabei hat das Personal eigentlich genug zu tun. Es muss sich nämlich um viel mehr kümmern als um den liegengelassenen Müll. In öffentlichen Frei- und Schwimmbädern stehen zwei Sachen an oberster Stelle: Sicherheit und Hygiene. Und beides ist aufwändig. Vom Gesetz her sind alle Schwimmbadbetreiber dazu verpflichtet, die Qualität des Beckenwassers jeden Tag zu kontrollieren.

Im Aquasud finden diese Kontrollen zweimal am Tag statt, vor Öffnung des Bades und im Laufe des Nachmittags. Dabei werden Chlorgehalt und PH-Wert gemessen, wobei die Sollwerte variieren, je nachdem, ob das Schwimmbecken im Außen- oder im Innenbereich liegt. In Außenbecken wird generell mehr Chlor benötigt als in den Innenbecken, weil die Sonne das Wasser aufheizt und die Badegäste draußen mehr Schmutz und auch Sonnencreme mit ins Wasser bringen. Alle zwei Monate bestellt das Schwimmbad Fachleute von Luxcontrol, die das Wasser zudem auf Bakterien und Legionellen untersuchen.

Ein- bis zweimal im Jahr werden alle öffentlichen Schwimm- und Freibäder einer Kontrolle seitens der Inspection sanitaire unterzogen, die immer unangemeldet erfolgt. „Bei dieser Inspektion werden die Hygienehilfsparameter vor Ort bestimmt, sowie Proben für weitere Untersuchungen im Labor gezogen“, schreibt das Gesundheitsministerium auf Anfrage der revue. „Diese Kontrollen erfolgen gemäß der deutschen Norm DIN19643 (Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser), welche beschreibt, wie die Aufbereitung des Beckenwassers erfolgen muss sowie die Parameter des Beckenwassers sein müssen. Bei diesen Kontrollen werden sowohl die allgemeine Hygiene, der Hygieneplan, die technische Anlage zur Wasseraufbereitung sowie eventuelle bauliche Mängel geprüft.“

Auch in Remerschen kennt man die Probleme mit dem nicht entsorgten Müll der Badegäste.

Klingt gut und vertrauenerweckend. Wer schwimmen geht, will dabei auch sicher sein und sich nichts wegholen. Ernstzunehmende Störungen hat es in den fünf Jahren seit seiner Eröffnung im Aquasud auch nicht gegeben, ein einziges Mal waren die Werte in einem der Becken unter das Soll gefallen, was sofort zu einer mehrstündigen Sperrung führte, bis die Mischung wieder im Lot war. Alle übrigen Beckenschließungen hatten ausschließlich mit Hinterlassenschaften von Badegästen zu tun, am häufigsten betroffen das Planschbecken für Kleinkinder. Um Kleinstmengen an Unrat aus dem Wasser zu filtern, werden im Bad jede Nacht Tauchroboter eingesetzt. Sie holen das Gröbste heraus und bringen manchmal Erstaunliches hervor: Haare, Kaugummis, Pflaster oder Schmuck. Wer Glück hat, kann so seine verloren geglaubten Ohrringe zurückerhalten.

Derartigen Service kann das Freibad an den Baggerweihern in Remerschen nicht bieten. Geht hier ein Ohrring verloren, bleibt er es für immer. Doch während der Badesaison wird anderes aus den Tiefen des Weihers hervorgeholt: Algen. Dafür fährt ein spezielles Algenschneideboot unermüdlich über den See. Mit seinen Messern kann es Algen bis zu einer Wassertiefe von 1,60 Meter abschneiden und so vielleicht mithelfen, ähnliche Tragödien wie die vom letzten Jahr zu verhindern, als innerhalb weniger Wochen zwei Männer beim Schwimmen ertranken.

Vollkommen ausschließen lassen sich solche Unfälle nicht, dafür ist der Weiher zu groß und unübersichtlich. Doch Cédric Neu, der das neu eingestellte Personal in dieser Saison leitet, hat sich etwas einfallen lassen: Er bittet alle Schwimmer zu ihrer eigenen Sicherheit, ausschließlich mit Schwimmbojen, wie Rettungsschwimmer sie haben, ins Wasser zu gehen. Diese sind auffällig und als Schwimmer kann man sich in Notsituation daran festhalten, zudem stören sie kaum beim Schwimmen, weil sie vom Schwimmer an einer langen Leine hinterhergezogen werden. Leider haben die meisten Badegäste solch eine Boje nicht. „Es wäre schön, wenn wir welche verkaufen könnten, das geht aber leider nicht“, sagt Neu.

Auch in Remerschen kennt man die Probleme mit dem nicht entsorgten Müll der Badegäste. Wirklich zu verstehen, warum Leute ihren Abfall an so einem Ort liegen lassen, ist es nicht. Jeder Kronkorken und jede Eisverpackung zerstören die Idylle. Zudem liegen die Baggerweiher in einem Naturschutzgebiet. Jeder, der hier gerne hinkommt, müsste sich doch genauso gerne darum kümmern, dass der Ort so schön wie möglich bleibt. Ist aber nicht so, sagt Cédric Neu, und kann das ebenso wenig verstehen. Ein Teil seines Teams ist jeden Tag über Stunden damit beschäftigt, den Abfall einzusammeln. Hinzu kommt noch der biologische Unrat, den zurzeit die Wildgänse in Form ihres Kots allzu gerne am Strand liegenlassen. Den hat kein Badegast gerne und muss ebenfalls Häufchen für Häufchen aufgefegt werden.

Da das Freibad in der Nacht nicht verschlossen ist, ist in einigen lauen Sommernächten viel los. Prinzipiell hat die Gemeinde damit kein Problem, deshalb lässt sie die Tore schließlich offen. Doch etliche Feuerstellen am Strand und auf den Wiesen zeugen davon, dass hier bestimmte Regeln nicht respektiert werden. Zahlreiche Schilder weisen darauf hin, dass das Grillen in mitgebrachten Grills zwar erlaubt, das Feuermachen auf dem Boden jedoch nicht erwünscht ist. Mehr als immer wieder die übriggebliebenen Feuerstellen zu entfernen, können aber auch die Mitarbeiter des Freibads nicht tun.

Neben den Baggerweihern in Remerschen, gelten noch der See in Weiswampach sowie der Stausee als offizielle Badegewässer. In allen dreien wird, genau wie in den Schwimm- und Freibädern, regelmäßig die Wasserqualität durch die Administration de la Gestion de l’Eau überprüft. In allen anderen Seen und Fließgewässern, unter anderem auch der Mosel, finden diese regelmäßigen hygienischen Untersuchungen nicht unbedingt statt. Denn gebadet werden darf in denen ohnehin nicht.

Fotos: Editpress-Archiv, Philippe Reuter

Heike Bucher

Journalistin

Ressort: Wissen

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Author: Philippe Reuter

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