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Beccas neues Baby

Swift Hesperingen spielt ab der kommenden Saison in der BGL-Ligue und hat mit Mäzen Flavio Becca jemanden an seiner Seite, der weiß, wie man dort erfolgreich arbeitet. Doch wo liegen die Herausforderungen und was sind die Ziele dieses etwas anderen Aufsteigers?

Swift Hesperingen ist ein Aufsteiger. Normalerweise versuchen Aufsteiger in der ersten Spielzeit ihre Daseinsberichtigung für die neue Spielklasse abzuliefern. Doch Hesperingen ist eben kein normaler Aufsteiger. Die Mannschaft vom „Holleschbierg“ hat nämlich ein millionenschweres Ass namens Flavio Becca im Ärmel. Und wer den Geldgeber Flavio Becca kennt, der weiß, dass er seine Vereine nur ungerne in den Tiefen einer Tabelle herumirren sieht. Dementsprechend hoch sind auch die Erwartung an sein jüngstes Baby aus Hesperingen. Aber schauen wir doch nochmal auf das Ende der vergangenen Saison und erzählen die Geschichte von vorn!

Nach 15 Spieltagen beendet die Corona-Pandemie den Spielbetrieb in sämtlichen Luxemburger Fußballligen. Zu diesem Zeitpunkt führen die Jungs aus Hesper die Tabelle der Ehrenpromotion mit 32 Punkten an. Ihre Ambitionen waren ganz klar: der Aufstieg in die BGL-Ligue. Und so kam es dann auch. Trainer Dan Theis, Stammtorwart Enzo Esposito und Offensivwaffe Omar Er Rafik tragen alle einen großen Teil zum Aufstieg bei.

Der Coach will sich nicht zu einer Prognose oder Zielsetzung für die aktuelle Saison verleiten lassen.

Nun, wenige Monate später und kurz vor dem Beginn der neuen Saison spielt Esposito in Düdelingen, Er Rafik beim FC Belvaux, und Dan Theis trainiert zurzeit niemanden. Es gab viele Veränderungen bei einem Verein, welcher bereits mit dem Vorjahreskader in der BGL-Ligue hätte mithalten können. Doch beim Swift geht es eben nicht nur ums Mithalten – und das zeigen nicht zuletzt die Neuzugänge. So schlugen in diesem Sommer viele große Namen der nationalen Fußballszene ihre Zelte in Hesper auf.

Swift-Hesper-20---010-KopieSo auch Jonathan Joubert und Tom Schnell: Es gab in den vergangenen Jahren wohl keine Spieler, welche mehr für den F91 und dessen Erfolg standen als diese beiden. Dass beide nochmal für einen anderen Klub auflaufen würden? Für viele undenkbar! Und dennoch passierte genau das in diesem Sommer. Und damit noch nicht genug. Mit Dominik Stolz, Dave Turpel, Kevin Malget, Mickäel Garos und Jerry Prempeh folgten fünf weitere Spieler mit Düdelinger Vergangenheit. Jede einzelne Neuverpflichtung unterstrich auf ein Neues, dass man in Hesper nicht vorhat, kleine Brötchen zu backen. Doch nicht nur auf dem Platz wusste der Swift namenhaft zu rekrutieren, auch die Besetzung an dessen Seitenlinie ist mit Jeff Strasser ein echter Coup!

Der langjährige Erfolgscoach der Escher Fola hat sich für den Aufsteiger aus Hesper entschieden und steht nun vor einer ganz neuen Challenge. „Es war eine ungewohnte Vorbereitung. Die Pandemie hat vieles verändert“, blickt Jeff Strasser auf die aktuelle Saisonvorbereitung zurück. Eine der größten Herausforderungen sei dabei gewesen, diesen Kader aus dermaßen vielen neuen Spielern zusammenzubringen und eine Mannschaft zu formen: „Das war nicht nur eine Challenge, es bleibt auch weiterhin eine solche.“ Ein kleiner Vorteil bei dieser Aufgabe sei dann doch, dass einige der neuen Spieler sich bereits aus gemeinsamen Partien kennen und über mehrere Jahre in einer Mannschaft gespielt haben. „Natürlich hilft es, dass einige Spieler schon öfter zusammen auf dem Platz standen, aber alleine dadurch ist das Problem natürlich nicht gelöst.“ Ganz egal, wieviel Qualität auf dem Platz steht, eine dermaßen neu-formierte Mannschaft braucht Zeit.

„Wir sind eine Mannschaft, die das Spiel bestimmen möchte.“ Swift-Trainer Jeff Strasser

Swift-Hesper-20---019-KopieEbenfalls aufgefallen ist Strasser die erhöhte Verletzungsgefahr in der aktuellen Situation: „Ich denke, dass die Pandemie die Menge der Verletzungen negativ beeinflussen wird.“ Die lange Pause in Kombination mit einer Vorbereitung der anderen Art könnten hierbei ein Grund für die häufigeren körperlichen Versagen einiger Spieler sein. Eine Verletzung der schweren Sorte hat man beim Swift derweil bereits zu beklagen. Top-Stürmer Dave Turpel hat sich den Meniskus gerissen und musste operiert werden, er wird der Mannschaft über einen längeren Zeitraum fehlen.

Unabhängig von verletzten Spielern will Jeff Strasser seinen Fußball spielen lassen und verfolgt hierzu eine klare Philosophie. „Wir sind eine Mannschaft, die das Spiel bestimmen möchte“, leitet Strasser die Erklärung dieser ein. Man wolle das Spiel in die eigene Hand nehmen und über Ballbesitz die eigenen Stärken zum Tragen bringen. „Natürlich spielt dabei auch der Gegner eine Rolle. Wir werden unser System nicht für einen Gegner komplett umstellen, aber in der Vorbereitung auf die Spiele werden mein Team und ich versuchen die Schwächen von diesem herauszuarbeiten. Darauf aufbauend werden wir dann unsere Spielweise so anpassen, dass wir deren Schwachstellen möglichst gut ausnutzen können.“ Die Gegner des Swift dürfen sich also auf dominanten Fußball einstellen. Wie erfolgreich dieser ist, wird sich erst im Laufe der Saison herausstellen.

Und gerade auch, weil sich Erfolg selten wirklich voraussagen lässt, will sich Strasser nicht zu einer Prognose oder Zielsetzung für die aktuelle Saison verleiten lassen. „Das überlasse ich den anderen. Ich für meinen Teil versuche von Spiel zu Spiel zu schauen und werde alles daran setzen in jedem Spiel zu gewinnen. Das Endresultat wird sich dann zeigen.“ Den Part der Prognose übernimmt deswegen Sportjournalist und Fußballexperte des Tageblattes Dan Elvinger: „Wenn Hesperingen direkt als Kollektiv zusammenfindet, ist es durchaus möglich, dass sie Meister werden. In Tor, Abwehr und Sturm sind sie außergewöhnlich gut besetzt. Das Mittelfeld ist gut besetzt, aber vielleicht der einzige Schwachpunkt. Dazu ist Jeff Strasser ein Perfektionist und wird sich nicht mit dem zweiten Platz zufriedengeben. Aber er hatte auch noch nie eine Mannschaft zu leiten, bei der er Spieler auf die Tribüne wird setzen müssen, welche in jedem anderen Verein Führungsspieler wären.“

Klar ist also: Die Aufgabe ist schwer. Aber genauso wissen wir: Sie ist anders als die eines normalen Aufsteigers. Nach oben scheint der Mannschaft von Jeff Strasser kaum Grenzen gesetzt. Dennoch wird keiner der bereits etablierten BGL-Ligue Topklubs die Meisterschaft einfach so verschenken, eine interessante Spielzeit inklusive eines sehr ambitionierten Aufsteigers ist also vorprogrammiert.

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Text: Daniel Baltes / Fotos: Georges Noesen

Author: Martine Decker

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