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Begrabt mein Herz an der Biegung des Staus

Es gibt den neuen Jeep Cherokee in den Versionen Sport, Longitude, Limited und Overland. Letztere, die einstweilige Topversion, durften wir zur Probe fahren. Drei Motorisierungen – die dritte, ein 2-Liter-Benziner mit angedachten 268 PS kommt erst noch – und drei Allradsysteme stehen zur Wahl.

Fotos: Jeep

Die aggressive Front mit den jetzt schmaleren, regelrecht zugekniffenen Scheinwerfern wurde neu gestaltet und reiht sich nahtloser als bisher in die Designsprache der Marke ein. Der Cherokee Overland rollt auf hochglanzpolierten 19-Zöllern daher, versucht mit einem großen Panoramadach, modernisiertem Infotainment, komfortablen und selbst einer schicken Limousine nicht unwürdigen Ledersitzen sowie einer für einen Waldarbeiter ungewöhnlich potenten Stereoanlage Eindruck zu schinden. Es ist klar, das bevorzugte Einsatzgebiet ist nicht mehr die Staubpiste in der Sonora-Wüste, sondern vielmehr die zementierte Einöde des Ban de Gasperich, aber der Italo-Amerikaner kann immer noch querfeldein, sollte es denn jemals von ihm verlangt werden.

LED-Frontscheinwerfer sind Standard, im Innern funkeln Pianolack und Chromleisten um die Wette. Im Gegensatz zum permanenten Allradsystem Jeep Active Drive II bot das in unserem Cherokee installierte Active Drive I keine zuschaltbare Geländeuntersetzung – und somit auch keine Bergabfahrhilfe. Auch die Differenzialsperre Jeep Active Drive Lock wird dem Cherokee Trailhawk vorbehalten sein. Wir konnten es verschmerzen.

Die Fahrstufen der Systeme AD I & II bestehen aus den vier klassischen Selec-Terrain-Programmen Auto, Snow, Sport und Sand/Mud. Der Trailhawk, dieser Cherokee auf dem Kriegspfad, wird dann zusätzlich noch einen Rock-Modus bekommen. Der Basispreis lag bei 50.764 € plus eine einzige Option in Form einer Dreischichtenlackierung in Perlweiß für 1.257 €, macht 52.021 €. Dafür bekommt der Kunde eine 9-Stufen-Automatik und einen Euro 6d-Temp-zertifizierten  Dieselmotor- Das Leergewicht liegt bei 1.952/2.106 kg, je nach Rechnungsschlüssel, die Anhängelast beträgt gebremst 2.494 kg mit gebremstem Anhänger, 450 kg mit ungebremstem Trailer. Der Cherokee hat abgespeckt und man merkt es ihm an.

Zur Standardausstattung gehören getönte Fenster, ein automatisch abblendender Innenspiegel, ein Panoramadach, eine Zwei-Tonen-Klimaanlage, ein 7-Zoll-TFT-Bildschirm fürs Infotainment, LED-Lichter im Heck und LED bei den Tagfahrlichtern, eine Stereoanlage mit neun Lautsprechern, ein Lederlenkrad mit Holzanteil im oberen Teil, das UConnect mit Navigationssystem, 19-Zoll-Alufelgen und eine Kamera im Heck, die beim Einparken hilft. Das UConnect der vierten Generation arbeitet wahlweise via 7,0 bis 8,4 Zoll große Bildschirme mit Apple CarPlay oder Android Auto.

Die zwei MultiJet II-Motorisierungen liefern 150 oder 190 PS. Wir fuhren die 190-PS-Version und können daraus bereits zweifelsfrei schlussfolgern, dass die 150 PS nicht ausreichen dürften.

Auf Reifen der Dimensionen 235/50 R19 stehend, verfügt der Cherokee über fünf Sitzplätze, ein Gepäckraum-Volumen von 448-1.555 Liter und einen 60-Liter-Tank. Der Wendekreis beträgt 11,6 m, die Bodenfreiheit 20,1 cm. Die Böschungswinkel (vorne/hinten) 18,9°/25,0°, der Rampenwinkel 19,5°. Dem bekennenden Salonschleicher bedeutet es nicht viel, aber Outdoor-Enthusiasten wissen etwas mit diesen Zahlen anzufangen. Die Vielfalt der von Jeep angebotenen 4×4-Fomeln kann etwas verwirren, deshalb genügt es zu wissen, dass „All Terrain“ einen Allradantrieb bezeichnet, der ohne zusätzliche Hebel und Sperren den Antrieb auf die vier Räder einfach zu jedem Moment anbietet und euch größtenteils autonom (ohne das Zutun des Fahrers) verwaltet. Über das Selec-Terrain-Rad auf dem Mitteltunnel kann der Fahrer dann ein Grundprogramm wie Sand oder Schnee vorwählen, und der Jeep macht danach den Rest, verteilt das Drehmoment dahin, wo es gebraucht wird und fordert den Fahrer nicht mehr auf unnötige Weise, alles nach dem Prinzip „Daddy knows best“.

Zur gesteigerten Effizienz kann der Jeep die Hinterachse vom Antriebsstrang trennen und so auf Asphalt mit Frontantrieb entspannt dahinrollen. Zumindest in der Theorie, dann so ganz entspannt ist der Diesel zu keinem Moment. Erstens ist der Motor in dieser Leistungsstufe etwas knapp bemessen in Sachen Kraftreserven und zweitens ist die Neungangautomatik nicht die schnellste (um es einmal höflich auszudrücken), was im Gelände vielleicht keinen Unterschied macht, auf der Straße aber die souveräne Elastizität des Konzernbruders Alfa Romeo Stelvio, mit dem Zehnganggetriebe von ZF, vermissen lässt.

+ Waschechte Offroad-Qualitäten
+ Aufgewertetes Interieur, Ergonomie stimmt
+ Komfortable Sitze in Nappaleder
+ Rücksitze können verschoben werden
+ Das Exterieur ist jetzt weniger polarisierend
+ Zahlreiche Ablagen und Fächer
+ Einfach zu bedienendes Infotainment

Stinkfaules Automatikgetriebe
Kofferraumvolumen wenig beeindruckend
Rückenlehne der Sitze im Fond steht fast vertikal
Keineswegs so sparsam wie auf dem Papier

Cherokee Overland Active Drive I 2.2 MultiJet II A9 195 4×4

50.764 €
6,6 l/00 km
175 g/km

2.184 cm3
143 kW/195 PS @ ? U/min
450 Nm @ 2.000 U/min
8,8 s 0-100 km/h
202 km/h

Eric Netgen

Chefredakteur autorevue

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Author: Eric Netgen

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