Home » Entertainment » Bereit für die Zukunft

Bereit für die Zukunft

Spiele programmieren, Daten analysieren oder Bilder mit Künstlicher Intelligenz herstellen: In der „Luxembourg Tech School“ dreht sich alles rund um die Welt der digitalen Technologien.

Nora Dieschbourg, Pierre Roth und Barbara Hougardy sind an diesem Freitagnachmittag konzentriert. Die drei Schüler, es sind insgesamt 20 in diesem Modul angemeldet, sitzen zu Hause vor ihren Bildschirmen, sind eingeloggt bei Teams – und folgen den Erklärungen, unter anderem zu „Generative Adversaorial Networks“, „Recurrent Neural Networks“ und „A.I powered Doodle“, ihres „Lead Coaches“ von der „Luxembourg Tech School“.

Dann setzen die Teilnehmer die Erläuterungen um, im Chat teilen sie ihre Resultate, etwa Bilder, die sie mittels unterschiedlicher Plattformen selbst erzeugt haben. „AI Creativity & Arts“ heißt dieses Modul, das im Rahmen eines Aufbaumoduls, des „Level Up“, erfolgt. Das Modul, welches aufgrund der Covid-19 Krise derzeit online abgehalten wird, bietet Schülern und Schülerinnen aus unterschiedlichen Lyzeen die Möglichkeit, sich mit dem kreativen Nutzen der Künstlichen Intelligenz zu befassen. Die Kurse sind auf Englisch und die Erklärungen, zumindest für Laien, ziemlich abstrakt.

„Es geht uns in erster Linie darum, Technologien ganz konkret anzuwenden.“ Sara Kaiser

Für Nora, Pierre und Barbara ist das aber kein Problem. Alle drei haben bereits am Grundlagenkurs der „Luxembourg Tech School“ teilgenommen und sind nun im zweiten Jahr dabei. „Im ersten Jahr sind die Erklärungen konkreter, da haben wir zum Beispiel ein Spiel programmiert. Erst danach wurden die Projekte abstrakter, man gewöhnt sich aber daran“, erklärt etwa Nora, die eine 2ème im Lycée Michel Rodange (LMRL) besucht. Barbara, ebenfalls auf einer 2ème im LMRL, bestätigt dies: „Im ersten Jahr war ich wegen der neuen Eindrücke überrumpelt. Ich tauchte in eine für mich ganz neue Welt ein, aber nach etwa drei Kursen hatte ich den Durchblick.“ Pierre, der eine 3ème im LMLR besucht, kommt gut zurecht. Wenn ihm etwas unklar sei, so sagt er, könne er nachfragen und gegebenenfalls recherchieren.“

Zum Konzept: Wer sich einschreibt, absolviert zunächst den Grundlagenkurs namens „Level One“. Hier befassen sich die Teilnehmer mit Themen wie Big Data, Game Development und FinTech, jedes der Module dauert drei Monate, insgesamt läuft der Kurs über ein Schuljahr. Danach können die Teilnehmer am „Level Up“, einem einjährigen Aufbaukurs, teilnehmen. Die wöchentlichen Lektionen von je 90 bis 100 Minuten werden mit Projekten, die die Schüler selbst erarbeiten, abgerundet.

International-School---009-Kopie

Bei den Kursen, die noch bis zu den Sommerferien online abgehalten werden, geht es aber um mehr als nur ums Erlernen und Umsetzung digitaler Kompetenzen, wie Sara Kaiser verrät: „Es geht uns in erster Linie darum, Technologien ganz konkret anzuwenden. Es geht um das Finden von Ideen, um die Lösung von Problemen, aber auch darum einen Geschäftssinn zu entwickeln. Die Schüler sollen lernen, wie man eine Idee bis zum fertigen Produkt entwickelt und kreiert. Die Technologien sind dabei eigentlich nur Mittel zum Zweck.“ Es reiche, so Sara Kaiser, heutzutage nicht, an etwas Tollem zu arbeiten, man müsse das Endresultat auch an andere vermitteln können.

Spaß an Digitalem ist der wichtigste Motivationsfaktor.

Doch was müssen die Schüler mitbringen? „Neugier und Grundinteresse an Digitalem. Wir setzen keine Programmierkenntnisse voraus. Wir bauen die Kurse auf, führen die jungen Menschen an die verschiedenen Technologien heran und sie lernen, selbstständig mit den Tools zu arbeiten“, wie die Programmdirektorin weiter erläutert.

Grundinteresse an Digitalem haben Nora, Barbara und Pierre. Alle drei finden es wichtig, digitale Skills zu erwerben, da diese doch, so sagen sie, im späteren Berufsleben von Vorteil sein können. Darüber hinaus sehen sie weitere Vorteile in den Kursen. „Ich habe mich im Projektmanagement und im Teamwork sehr verbessert. Wir müssen zudem unsere Projekte regelmäßig vorstellen, was die Angst vor Vorträgen vermindert und Selbstvertrauen fördert“, erklärt Nora. Barbara sieht vor allem im Teamwork viel Gutes: „Ich habe gelernt in einem Team zu arbeiten und die verschiedenen Aufgaben im Team so aufzuteilen, dass jeder seine Stärken einsetzen kann.“ Pierre bestätigt dies: „In meinem ersten Jahr habe ich sehr viel über Teamwork gelernt und erfahren wie schwer es sein kann, die Arbeit effizient aufzuteilen.“

International-School---001-Kopie

Die Projektarbeiten werden – wenn die Teilnahmen im Rahmen eines Optionskurses oder als Teil des regulären Schulunterrichts erfolgen – zudem in Absprache mit den Coaches von den Lehrern benotet. Schüler, die sich außerhalb ihres Schulunterrichts anmelden, erhalten indes ein Zertifikat der Luxembourg Tech School.

Den Spaß an Digitalem zu fördern, ist und bleibt aber der wichtigste Faktor. „In unseren Lektionen wird viel gelacht. Es geht darum, in jungen Jahren etwas ausprobieren zu dürfen und Spaß am eigenen Gestalten zu haben“, wie Sara Kaiser sagt. Das merkt man auch an diesem Freitagnachmittag. Es herrscht eine lockere Stimmung, die Schüler haben sichtlich Freude an dem, was sie tun. Das Hauptziel der Macher, eine ganze Generation von jungen Menschen auf eine neue, digitale Welt vorzubereiten, das wird so wohl auch funktionieren. 

Text: Cheryl Cadamuro / Fotos: Georges Noesen (3), Luxembourg Tech School

Luxembourg Tech School

Die „Luxembourg Tech School“ ist in enger Zusammenarbeit mit vier Partnerschulen, dem Lycée Michel Rodange, dem Athenée Luxembourg, der International School Luxembourg sowie dem Lycée Aline Mayrisch entstanden. Am Lycée de Garçons in Esch sowie am Lycée Josy Barthel in Mamer werden die Kurse als Option angeboten und im Lycée Edward Steichen in Clervaux laufen die Kurse als Bestandteil des Schulunterrichtes. Aber auch Schüler aus anderen Lyzeen können an den Kursen teilnehmen. Zur Zeit arbeiten die Verantwortlichen an weiteren Projekten, etwa einem zusätzlichen Einstiegslevel für Schüler ab zwölf Jahren sowie an einem Pilotprojekt, dessen Schwerpunkt spielerisches und praktisches Heranführen an „Creative Coding“ (Kreatives Programmieren) und „Computational Thinking“ (Informatisches Denken) sein wird. Unterstützt wird die Luxembourg Tech School unter anderem vom Ministère de l´Education und von Digital Luxembourg. www.techschool.lu

ltscybersecurity-2-Kopie

Author: Martine Decker

Login

Lost your password?