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Chronik der Woche 46 – Berg- und Talfahrt

Was für eine Woche! Erst findet der deutsche Bundespräsident freundliche und versöhnliche Worte, dann wird das kleine Luxemburg wegen seiner Steuerpolitik zum Dauerbrenner in den ausländischen Medien. Da geht alles andere fast unter.

FALSCHE WORTE – Weniger ist mehr

08_Revue_1112Eigentlich ist die ganze Sache schon über einen Monat her, doch erst jetzt kocht sie richtig hoch. Auf die Meldung, dass ein Lehrer seinen Schülern verbot, im Klassenraum Portugiesisch zu sprechen, kommentierte Familienministerin Corinne Cahen auf Facebook: „Richtig Décisioun vum Régent“. Solche Sprüche

sind gefährlich, vor allem für eine Ministerin. Denn auch, wenn sie damit nur begrüßen wollte, dass die luxemburgische Sprache gefördert wird, können ihre Worte problemlos feindselig interpretiert werden. So zumindest sehen es die Medien in Portugal, bei denen sich Frau Cahen jetzt unbeliebt gemacht hat. Der Facebook-Eintrag ist übrigens längst gelöscht.

Zahl der Woche: 0,4

Prozent mehr als im Jahr zuvor gab der Staat im Jahre 2012 für das Schulwesen aus. Das geht aus einer Statec-Studie hervor.

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HOHER BESUCH – Frieden und Freiheit

08_RevuehenriKurz vor den Feierlichkeiten zum 25. Jahrestages des Berliner Mauerfalls stattet der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck dem Großherzogtum einen dreitägigen Besuch ab. Die Abtei Neumünster, das Viandener Schloss und das Schengen-Lyzeum standen unter anderem auf dem Programm. Lobende Worte fand Gauck für Luxemburg, erinnerte aber auch daran, „was andere Deutsche an Tod und Schmerzen über Ihr Land gebracht haben.“ Er plädierte für „Menschlichkeit, Frieden und Freiheit“. Große Worte, die ein Mensch wie Gauck wohl ehrlich meint. Er ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Das Foto zeigt, wie Großherzog Henri den hohen Besuch verabschiedet.

TRINKWASSER – Ausreichend, aber nicht gut

09_Revue_1112Nachdem vor wenigen Wochen der Stausee durch Chemikalien verunreinigt wurde, scheint die Wasserqualität wieder im Normalbereich zu sein. Das geht aus einer Pressekonferenz des Umweltministeriums und des Wasserwirtschaftsamtes hervor. Dass aber ein Drittel aller heimischen Trinkwasserquellen mit Pestiziden belastet ist, wird dabei auch nicht verschwiegen. Zwar gäbe es für die meisten dieser Quellen zeitlich begrenzte Ausnahmeregelungen, da ihr Pestizidgehalt nicht die Höchstgrenze übersch reite, trotzdem wurden neun Quellen des Landes vom Netz genommen. Ob Höchstwerte oder nicht – der Gedanke an Pestizide im Wasser lässt einen schaudern. Auch wenn er rechnerisch noch so gut erklärt wird.

Zitat der Woche

Was gesetzlich legal ist, muss nicht automatisch ethisch fundiert sein. Paul Kremer, Präsident der Ethikkommission, im Tageblatt am 7. November 2014

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TODESURSACHE SUIZID – Aktionsplan steht fest

Es klingt erschreckend: 80 Menschen haben sich im vergangenen Jahr in Luxemburg das Leben genommen, und doch bekommt kaum einer etwas davon mit. Das soll jetzt geändert werden. Es geht vor allem um Aufklärung und Sensibilisierung, damit Ärzte, Lehrer, Kollegen und Angehörige eine mögliche Suizidgefahr erkennen und präventiv eingreifen können.

PERSONALIEN – Bäumchen, wechsle dich

09_Revue_1112bodry09_Revue_1112commWährend Alex Bodry (l.) nach zehn Jahren seinen Dienst als Bürgermeister der Stadt Düdelingen zur Verfügung stellt, gibt die Armee mit Romain Mancinelli (r.) ihren neuen Generalsstabschef bekannt. Beide Personalentscheidungen haben zwar überhaupt nichts miteinander zu tun, fallen aber auf denselben Tag. Der LSAP-Politiker Bodry hatte seine Entscheidung bereits vor einem Jahr, nachdem er den Fraktionsvorsitz
im Parlament übernommen hatte, durchblicken lassen.

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MILITÄRMUSIK – Ausgeblasen

Unregelmäßige Abrechnungen, verschwundene Musikinstrumente und abgerechnete Überstunden, die nie gemacht worden sind: So lauten die Vor- würfe gegen die Militärmusik. Seit Januar wird ermittelt. Am 6. November dann eine Razzia. Was dabei genau gesucht wurde, ist nicht bekannt.

BANKGEHEIMNIS – Weg damit!

Eigentlich war es nur noch reine Formsache, doch jetzt ist es amtlich: Ab dem 1. Januar 2015 wird der automatische Informationsaustausch eingeführt. Das bedeutet, dass Luxemburg dann alle Informationen über Kapitaleinkünfte, die von Nichtansässigen innerhalb des Großherzogtums erworben werden, an die Steuerbehörden der jeweiligen Wohnorte weiterleitet. Ein entsprechendes Gesetz wird am Dienstag im Parlament gestimmt, drei Wochen, nachdem die eurpoäischen Finanzminister den gleichen EU-weiten Beschluss gefällt hatten.

SCHOBERMESSE – Keine Selfies mehr?

10_RevueselDer Schöffenrat der Stadt Luxemburg überlegt, ein Verbot von Selfies auf der Schobermesse einzuführen. Grund dafür ist die Gefahr von herunterfallen- den Telefonen, deren Besitzer sich während der Fahrt selbst fotografieren. Klingt so, als hätte es reihenweise Handys vom Himmel geregnet…

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GEMEINDEFUSIONEN – Nommern und Fischbach bleiben autark, Hobscheid und Eischen nicht

„Meesebuerg“ sollte die neue Gemeinde heißen. Geben wird es sie jedoch vorerst nicht. Denn die Bewohner von Nommern und Fischbach konnten sich nicht dazu durchringen, beim Referendum am Sonntag für eine Gemeindefusion zu stimmen. In Fischbach stimmten 76 Prozent, in Nommern 70 Prozent dagegen. Nur die Einwohner von Larochette sprachen sich mit 66 Prozent für die Fusion aus. Anders dagegen in Hobscheid und Eischen: Knappe sechzig Prozent stimmten für eine Fusion mit Simmern. Ab dem 1. Januar 2018 wird es sie dann also offiziell geben, die „Gemeng Habscht“.

Heike Bucher

Journalistin

Ressort: Wissen

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Author: Georges Noesen

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