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Besser essen aus der Box

Wenig Zeit und Ideenmangel sorgen in vielen Küchen für triste und ungesunde Mahlzeiten. Kristina Rasmussen will mit ihren Foodboxen ausgewogene Ernährung erleichtern und das Bewusstsein für gesunde Lebensführung fördern.

Es passiert an so ziemlich jedem Wochentag: Geschlaucht von der Arbeit, habe ich abends weder die Energie noch die Lust zum Einkaufen und erst recht keinen Schimmer, was ich kochen soll. So landet allzu oft nur ein Käsebrot auf dem Teller – mit eingelegter Gurke als Alibi-Gemüse. Mir ist bewusst, dass das auf die Dauer ungesund ist, doch für gezieltes Einkaufen und Menüplanung fehlen mir einfach die Zeit und die Ideen. Eine praktische Lösung für dieses Problem verspricht Kristina Rasmussen.
Die Jungunternehmerin mit dänischen Wurzeln hat Anfang dieses Jahres in Niederanven eine Geschäftsidee in die Tat umgesetzt, die es Singles, berufstätigen Paaren und gestressten Familien erlaubt, sich trotz Zeitmangels gesund und schmackhaft zu ernähren. Ihre Firma mit dem appetitlichen Namen „Avocado“ liefert einmal pro Woche Foodboxen aus, mit denen der Bedarf für mehrere Mahlzeiten gedeckt werden kann. Der Clou dabei: Die Lebensmittel kommen mit praktischen Rezepten ins Haus. So muss nicht gerätselt werden, was mit den Zutaten anzustellen ist. Vier Themen stehen derzeit zur Auswahl: „Vegetarisch“ und „Vegan“ sowie „Gluten- und Kuhmilchfrei“ und „Family“, die auch Fleisch und Fisch enthalten. Die Boxen gibt es für drei oder fünf Mahlzeiten, für zwei oder vier Personen. Bestellt wird ausschließlich auf der hauseigenen Internetseite www.avocado.lu.

Gemüse, Obst, Fleisch, Getreide, Milchprodukte – alles stammt aus biologischer Landwirtschaft. Nur in wenigen Fällen wird auf herkömmliche Produkte zurückgegriffen. „Wir arbeiten in erster Linie mit colabor, Biogros und dem Label Biomaufel zusammen, d.h. das Meiste stammt von Luxemburger Produzenten. Wir beschränken uns aber nicht auf ein rein europäisches Angebot. Obst, das es hier nicht gibt, importieren wir aus anderen Ländern“, erklärt Kristina Rasmussen.

Bald reifte in ihr die Idee, nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kochvorschläge zu liefern

Zielgruppe waren ursprünglich Familien, in denen beide Eltern berufstätig sind. Doch Kristina ist erstaunt, wie viele junge und kinderlose Paare inzwischen bestellen. Etwas schwerer tut sich die Generation 50+, auch wenn bereits mehrere Senioren zum festen Kundenstamm gehören. „Oft verhindern festgefahrene Essgewohnheiten das Ausprobieren von etwas Anderem“, bedauert Kristina Rasmussen. Generell sei das Feedback jedoch positiv: „Bei vielen werden nun Lebensmittel gegessen, die sie früher nie gekauft hätten. Vor allem Männer, die am Anfang eher Skepsis zeigten, sind jetzt offener für Veränderungen.“ Auch bei Kindern macht die Umstellung keine Probleme, obwohl es schon mal vorkommt, dass das eine oder andere Rezept ihnen nicht zusagt. Kristina macht diese Erfahrung auch heute noch: „Bei uns gibt es diese Woche Salat mit Rote-Bete-Carpacchio. Ich weiß jetzt schon, dass ich noch etwas anderes auf den Tisch bringen muss, um meine Kinder zu überzeugen. Aber meistens finden sie das Essen super.“

Kristina Rasmussen hat mit „Avocado“ eine Lösung gefunden, um ihre Leidenschaften zu kombinieren. Nach ihrem Englischstudium hatte sie sich zur Heilpraktikerin ausbilden lassen, dann aber festgestellt, dass sie die Arbeit mit kranken Menschen nicht verkraftet. „Ich habe mir daher überlegt, wie ich mein Wissen über Gesundheit und meine Passion für Kochen und Essen beruflich verbinden kann.“ Das Foodbox-Konzept hatte sie im Ausland kennengelernt. Bald reifte in ihr die Idee, nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kochvorschläge zu liefern und so das Bewusstsein für gesunde Ernährung zu fördern. „Ich lege sehr viel Wert auf die Ausgewogenheit der Gerichte. Dazu gehört viel Gemüse und eine reduzierte Kohlenhydratmenge – auch bei den Fleischmahlzeiten. So wollen wir einen gesünderen Lebensstil zu den Kunden bringen.“

Wenn Kristina von „wir“ spricht, meint sie damit sich und ihre einzige Mitarbeiterin, Jette Kaiser. Von der Annahme der Bestellungen über das Verpacken der Lebensmittel bis zur Aktualisierung der Internetseite: Alles erledigen die beiden jungen Frauen im Alleingang. Nur die landesweite Auslieferung der wiederverwendbaren Boxen aus EPP-Spezialkunststoff übernimmt eine externe Transportfirma. Jette ist zudem verantwortlich für die Ausarbeitung der Rezepte und wälzt dafür Unmengen an Kochbüchern, stöbert in Foodblogs und steuert eigene Ideen hinzu.

Gesundheit und Kochen: Kristina Rasmussen hat gleich zwei Leidenschaften zu ihrem Beruf gemacht.

Gesundheit und Kochen: Kristina Rasmussen hat gleich zwei Leidenschaften zu ihrem Beruf gemacht.

Mit Rücksicht auf den Zeitmangel der Kunden dauert die Zubereitung der Gerichte nicht länger als 45 Minuten und ist in höchstens sechs Arbeitsschritten erledigt. Die Rezepte gibt es wahlweise auf Deutsch oder Englisch, die Internetseite allerdings nur in englischer Sprache. „Es war anders geplant,doch wir haben einfach keine Zeit für zweisprachige Aktualisierungen“, bekennt Kristina. „Erstaunlicherweise haben aber nur sehr wenige Kunden ein Problem damit“.

Was die Zukunft betrifft, sprüht sie dennoch vor neuen Ideen: „Zunächst möchte ich das Boxen-Sortiment erweitern. Ich denke dabei an Obst, an Snacks für Schule und Büro, an saisonale Boxen z.B. zu Weihnachten. Das glutenfreie werden wir wohl gegen Paleo-Essen austauschen. Dazu möchte ich Seminare über Ernährung und gesunde Lebensführung anbieten. Es gibt so vieles, was man machen kann. Doch wir werden uns entscheiden müssen, denn man kann nicht in alle Richtungen gleichzeitig gehen. Wir wollen eine klare Linie behalten.”

Fotos: Ute Metzger, Avocado/Raoul Somers

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Author: Philippe Reuter

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