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Bitter macht lustig

Mit seiner Eigenkreation „Battor – The Better Bitter” bringt Carlo Wampach das erste luxemburgische „Amer“ auf den Markt.

Fotos: Philippe Reuter

Rockmusik hallt durch die engen Gassen. Der Himmel erstrahlt in sattem Blau. An einem frühlingshaften Tag im Winzerdorf Ahn wartet Carlo Wampach gespannt vor der Tür seiner vermeintlichen Kellerei. Er erwartet uns. Im Innern der Gemäuer befinden sich seltsamerweise keine Weinflaschen. Tanks, Osmose-Maschine und Obstkisten verraten allerdings, dass er dennoch in der Getränkebranche tätig ist. Wampach ist erst vor kurzem hier eingezogen. Geschäftlich versteht sich. In den vier Wänden mischt er seine neue Kreation „Battor“, ein Bitterlikör. Dabei handelt es sich um einen sogenannten „Amer Africain“ – einen Bitter, der vorrangig aus Orangen, dessen Schalen, Chinarinde und Enzian gewonnen wird. Wie die Bezeichnung es vermuten lässt, verfügt das Getränk über einen afrikanischen Ursprung und wurde vor Jahrhunderten, wie Magenbitter in Europa, gegen Bauchschmerzen, Völlegefühl oder Verdauungsprobleme eingesetzt. Seine Erfindung wird jedoch gerne Gaétan Picon zugeschrieben, der die Rezeptur 1837, nach seiner Militärdienstpflicht in Algerien, mit nach Frankreich nahm.

„Pomeranzen unterscheiden sich durch den Geschmack und die dicke Schale von herkömmlichen Orangen.“ Carlo Wampach

Zweihundert Jahre später wird das dunkle Bitterlikör immer noch gerne getrunken, wenn auch als Mischgetränk mit Bier oder Weißwein. Ein Umstand, der Wampach, welcher zehn Jahre lang ein Café führte, nicht entging. Die eigene Herstellung reizte ihn. Durch einen Freund ist er zum ersten Mal auf Bitterorangen – den Hauptbestandteil des Likörs – aufmerksam geworden und bestellte kurzerhand eine Ladung. „Sie unterscheiden sich durch den (bitteren) Geschmack und die dicke Schale von herkömmlichen Orangen“, erklärt der 33-Jährige. „Ohne (Weiter-)Verarbeitung sind die Pomeranzen durch ihre Säure fast ungenießbar, weshalb sie ebenfalls für die Herstellung von Parfumessenzen verwendet werden.“

Eine Tonne Bitterorangen waren schnell bestellt. Bekannte hielten den ehemaligen Kneipenbesitzer für verrückt. Rund zwei Jahre experimentierte er an seiner Rezeptur, legte die Orangen in Alkohol ein, ließ sie jeweils acht Wochen ruhen, fügte die nötigen Gewürze und Süße hinzu. Die Pomeranzen stammen zwar aus Sizilien und Spanien, dafür reicherte er sein Likör jedoch mit einer anderen, hiesigen Zutat an: mit Apfelsaft. „Das verleiht dem Bitter eine gewisse Fruchtigkeit, und eine persönliche Note.“ Auf künstliche Zusatzstoffe verzichtet Wampach, weshalb sein Produkt – anders als sein industrielles Pendant – über eine trübere Farbe verfügt.

Mit seiner Entscheidung, den Bitter nun hauptberuflich zu produzieren, beweist der frisch gebackene Papa Mut. „In der Wein-, Gin- und Craft-Bier-Szene tut sich viel. Beim ‚Amer‘ vermisse ich aber immer noch die Vielfalt.“ Den Verkauf seiner Bitter-Variante hat er im Januar lanciert. Seitdem füllt er ein, etikettiert, verkauft, liefert aus und knüpft fleißig neue Kontakte. „Es ist eine entscheidende Phase“, weiß der 33-Jährige. Aber die Resonanz auf „Battor“ ist positiv. Und selbst diejenigen, die Carlo Wampach noch vor wenigen Monaten für verrückt erklärten, revidierten mittlerweile ihre Meinung.

Françoise Stoll

Journalistin

Ressorts: Lifestyle, Multimedia

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Author: Martine Decker

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