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Botschafterin des Weins

Sie arbeitet und lebt in einer Welt, in der Wein nicht einfach ein Getränk, sondern Poesie ist. Dominique Rizzi, eine der wenigen weiblichen Sommeliers in Luxemburg, ist nicht nur hierzulande, sondern auch auf internationalem Parkett eine gefragte Spezialistin.

Man merkt sofort, dass Dominique Rizzi gewohnt ist, mit Worten umzugehen – eine Eigenschaft, die jeder guter Sommelier haben muss. Ihre Antworten sind präzise, sie weiß, wovon sie spricht. Vor allem, wenn die großgewachsene, schlanke Französin in fließendem Luxemburgisch über ihre Leidenschaft für ihren Beruf spricht: „Oft werden Sommelier und Önologe verwechselt oder für ein und dasselbe gehalten. Dabei ist der Önologe der Ingenieur, und der Sommelier der Poet des Weines“. Tatsächlich beschäftigt sich der Önologe in erster Linie mit der Chemie und der Herstellung des Produktes. Der Sommelier hingegen verleiht dem Wein seine Seele, indem er dessen Eigenschaften erkennt und benennt. „Als Sommelier bin ich der Botschafter des Restaurants und des Weins. Indem ich den Wein empfehle, der am besten mit dem Essen, aber auch mit dem Wesen des Gastes harmoniert, verhelfe ich dem Gaumen zum höchstmöglichen Genuss.“
Dominique Rizzi ist seit jeher wissbegierig. Daher hat sie sich auch mit ihrer Ausbildung zur Sommelière nicht zufriedengegeben. Sie wollte noch mehr über Wein erfahren, die Sprache der Winzer verstehen, und hat deshalb in Bordeaux einen Studiengang in Önologie absolviert. Die Sommelier-Lehre beginnt mit der klassischen Grundausbildung in einer Hotelfachschule, dann folgen zwei bis vier Jahre Fachstudium, das mit einem staatlich anerkannten Diplom abgeschlossen wird. Doch für Profis ist danach mit dem Lernen nicht Schluss. „Ein guter Sommelier lernt sein Leben lang“, betont Dominique Rizzi. „Neue Weine kommen auf den Markt, jeder Jahrgang hat andere Eigenschaften. Man muss das Neue kennenlernen, um die Wünsche der Gäste erfüllen zu können. Das erfordert zahlreiche Reisen zu Weinmessen und auf Weingüter, Fachgespräche mit den Winzern sowie viel Zeit und Leidenschaft.“
Leidenschaft war und ist für die 48-jährige Weinexpertin der Motor, der sie antreibt und sie die Strapazen ihres Berufs meistern lässt. Denn seit sie 1992 im jungen Alter von nur 26 Jahren zum „Meilleur Sommelier du Luxembourg“ ausgezeichnet wurde, überschlagen sich die Ereignisse in ihrem Leben. „Plötzlich waren alle daran interessiert, mich zu Konferenzen und Fernsehauftritten einzuladen“, erinnert sich Rizzi. „Ende der 90er Jahre wurde ich zwei Mal zu Paul Germains TV-Gesprächsrunde ‚Ecran témoin‘ bei RTBF1 eingeladen, danach folgten zahlreiche Konferenzen in Gembloux, Mons oder Liège. Es ist erstaunlich, aber viele belgische Gäste sprechen mich sogar heute noch darauf an.“

Foto: Cristof Echard

Foto: Cristof Echard

Die Flut der öffentlichen Auftritte hat seitdem nicht aufgehört. Ob im Radio, im Fernsehen, auf Konferenzen oder bei internationalen Wettbewerben: Ihr Expertenrat ist in vielen Ländern gefragt. Sie gibt Konferenzen in mehreren Sprachen, sitzt unter anderem beim „Concours Mondial de Bruxelles“ und alle zwei Jahre bei den südafrikanischen „Michelangelo International Wine Awards“ in der Jury. Das liegt zum größten Teil an ihrem hervorragenden Fachwissen, aber ein klein wenig auch daran, dass sie eine der wenigen weiblichen Vertreter ihrer Berufssparte ist. Da stellt sich gleich die Frage, warum sich so wenige Frauen für diesen Weg entscheiden, obwohl der weibliche Geruchs- und Geschmackssinn oft besser entwickelt ist als der männliche. Dominique Rizzi hat darauf eine ernüchternde Antwort: „Die meisten Frauen wünschen sich irgendwann im Leben eine Familie und Kinder, aber das ist in diesem Beruf kaum möglich. Das Privatleben eines Sommeliers ist dafür viel zu knapp bemessen. Die Arbeitstage sind 12 bis 14 Stunden lang, dazu kommen Wettbewerbe und Messen im Ausland. Eine Beziehung funktioniert, wenn man einen verständnisvollen Partner hat, der einem den Erfolg nicht neidet. Aber für Kinder bleibt leider keine Zeit.“

„ Der Önologe ist der Ingenieur, der Sommelier der Poet des Weines“ Dominique Rizzi

Dominique Rizzi hat sich nach langem und gründlichem Überlegen gegen ein traditionelles Familienleben und für ihren Traumberuf entschieden. Und sieht nach 30 Jahren Berufserfahrung immer noch weitere
Möglichkeiten, sich zu entfalten. „Mein größter Wunsch ist es, zu unterrichten, mein ganzes Wissen weiterzugeben“, schwärmt sie. Die Möglichkeit dafür bietet ihr unter anderem die „Association luxembourgeoise des Sommeliers“ (ALS), in der sie Mitglied des technischen Komitees ist. Die Vereinigung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Aufklärung über den Beruf des Sommeliers zu betreiben und ihr Wissen über die Welt des Weines an andere weiterzugeben. So bereitet Rizzi zurzeit die luxemburgische Kandidatin für den internationalen Wettbewerb EuroSkills vor, der dieses Jahr im Oktober in Lille (F) ausgerichtet wird. Sehr schöne Erinnerungen hat Dominique Rizzi auch an einen Lehrgang in Taiwan. An der Hotelfachschule in Kaohsiung hat sie den jungen Schülerinnen und Schülern „L’art du service et du vin à la française“ beigebracht. „Das Interesse an gutem Wein und seiner Kultur ist in den asiatischen Ländern außerordentlich gestiegen, vor allem in China“, bemerkt Dominique Rizzi. Dem Drang zum Unterrichten wird sie auch ab Oktober nachgehen können. Mit einem weiteren passionierten Weinkenner und guten Freund, dem Unternehmer Eric Bonafini, hat sie das Projekt „Wine School“ ins Leben gerufen, das im Oktober an den Start geht und für jeden zugängliche Sommelierkurse anbieten wird. Unterstützung erhalten sie von mehreren ALS-Mitgliedern, die sich bereits als Kursleiter angeboten haben. Eine weitere „success story“ scheint sich anzubahnen. „Offiziell hat die ‚Wine School‘ noch nicht begonnen, doch wir haben jetzt schon viele Einschreibungen“, freut sich die Weinexpertin.

Als Sommelier muss man mit beiden Füßen auf der Erde bleiben

Dominique Rizzi hat allen Grund, stolz auf ihre internationale Karriere zu sein. Doch sie hebt deswegen nicht ab. „Ein wichtiger Wesenszug für einen Sommelier ist die Bescheidenheit. Selbst wenn man beruflich sehr erfolgreich ist, muss man mit beiden Füßen auf der Erde bleiben. Hochmut ist gegenüber dem Gast fehl am Platz.“ Weise Worte einer selbstbewussten Frau ohne Starallüren, die ihre Wurzeln nicht vergessen hat und die letzten 30 Jahre so resümiert: „Ich habe Glück gehabt.“

Dominique Rizzi

Sommelière

Die preisgekrönte Sommelière wurde 1965 in Hayange (F) geboren. Ihre Ausbildung schloss sie im Lycée Hôtelier Raymond Mondon in Metz ab und hat anschließend im Institut de la Vigne et du Vin der Universität Bordeaux Önologie studiert. Seit 1991 ist sie Maître Sommelier im Restaurant De Jangeli in Bad Mondorf. Neben ihrer Muttersprache beherrscht die Französin fließend Deutsch, Englisch, Italienisch und Luxemburgisch. Zurzeit gibt sie jeden Abend um 19.10 Uhr in ihrer Rubrik „Un verre d’été“ auf Air TV Expertentipps zum Thema Wein.

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Author: Philippe Reuter

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