Home » Autorevue » Chevrolet Corvette C7 Stingray Coupé

Chevrolet Corvette C7 Stingray Coupé

Scarlett kann warten – Falls Sie vor ein paar Wochen in der Eifel von einer Lawine aus Grizzlybären überholt wurden, dann war ich das. Im 2015er Chevrolet Corvette Stingray, nach Scarlett Johansson, die sie zu Hause überfällt, Ihnen den Arm verdreht und Sie zwingt, freihändig ein Vanilleeis aus ihrem Dekolletee zu schlabbern, die andere wundervolle Überraschung des Jahres.

Dem Sprichwort nach lebt es sich ungenierter wenn der Ruf erst einmal ruiniert ist. Das mag für Gigolos, Taschendiebe und Erbschleicher durchaus zutreffen, aber bei Autoherstellern ist die Sache ganz anders gelagert. Ist hier die Reputation erst einmal angekratzt (siehe Opel), dann kommt man nur schwer wieder aus der Talsohle des Generalverdachts heraus, kann ein ordentliches Auto nach dem anderen bauen, doch es nützt dann alles nichts mehr. Womit wir bei den Amerikanern sind, den automobilen. Die genießen – zumindest außerhalb der Vereinigten Staaten selbst – nicht mehr den herausragend guten Ruf, den sie einmal in den 50er und 60er Jahren genossen. Schlechte Verarbeitungsqualität, altmodische Aggregate, schaukelnde Dickschiffe mit Starrachsen, die den Japanern und den Deutschen hinterherkeuchten, so schien Amerika auf den Abgrund hinzusteuern. „Unsafe at any speed“, wie Ralph Nader es seinerzeit formulierte. Doch auch wenn die USA unterhalb der dicken SUV-Formate derzeit nicht allzu viel Atemberaubendes zu bieten haben, so schaffen sie es doch ab und zu, den lang vermissten Aha-Effekt alter Tage wieder herbeizuzaubern. Auftritt: die „Vette“ Stingray, knallgelb und giftig wie eine Klapperschlange mit ADHS.

Knallgelb und giftig wie eine Klapperschlange mit ADHS.

Aber reden wir erst einmal über Geld. Mit 15% Mehrwertsteuer kostet das neue Corvette Stingray Coupé – denn von der geht hier die Rede – in Luxemburg 71.996 Euro, das Cabrio 76.828 Euro Basispreis. Das ist in beiden Fällen ein absolutes Schnäppchen der Sonderklasse, wenn Sie mich fragen, denn selbst wenn Sie für dieses Geld Chrystal Meth kaufen und in einem Rutsch konsumieren würden, wäre der alternative Trip im Vergleich nur bestenfalls eine verregnete Butterfahrt nach Pirmasens.

Unser Testwagen in spektakulärem „Yellow Velocity“ hatte als Optionen so genannte „Competition Seats“ (1.975 €), eine Instrumententafel aus Karbon (802 €), ein schmuckes und überraschend sauber verarbeitetes Interieur aus Nappa-Leder (3.487 €), zwei leicht und schnell abnehmbare Targa-Dachhälften aus Karbon (1.558 €) sowie diverse kleine Extras zu bieten, und belief sich schließlich auf immer noch überschaubare 83.782 Euro. Ein feister kleiner Batzen Geld, ganz sicher, aber dafür bekommt der Kunde ein Auto, dessen Fahrleistungen es in einer Liga antreten lassen, in der bei der Konkurrenz unterhalb der 100.000-Euro-Schwelle nicht viel oder rein gar nichts stattfindet.

Die Lenkung ist ansprechender als je zuvor.

Ob einem der aggressive Look mit den Kühlrippen im Powerdome und den zahlreichen, messerscharfen Sicken und Kanten nicht ein bisschen zu viel des Guten ist oder, ganz im Gegenteil, man gar nicht genug von der fett aufgetragenen Musclecar-Extravaganz in Wellensittich-Gelb bekommen kann, das ist natürlich reine Geschmackssache und Understatement geht definitiv anders, außer Frage steht allerdings, dass die Corvette ein Siebengangmenü vom Allerfeinsten für all jene Kindsköpfe auftischt, die nicht im sterilen Hightech-Allrader wie auf Schienen fahren wollen, sondern erst Glückshormone produzieren, wenn die Heckschleuder aus der Kurve heraus soviel Drehmoment auf die Hinterachse spült, dass diese auszubrechen droht und das Verwinden der Karosserie förmlich durchs Steißbein via Rückenmark bis ins Kleinhirn spürbar wird. Dann johlen die Jungs und es kommt so etwas wie Ehrfurcht auf. Natürlich hat die schön ausbalancierte Corvette unendlich mehr Lateralgrip als die eigenen, bescheidenen Fahrkünste es auszuloten gestatten, aber wie dem auch sei, in diesem fahrerorientierten Cockpit mit den schönen, tiefen Schalensitzen, hinter diesem Lenkrad und der grollenden Langhaubenkulisse wird man den Gedanken einfach nicht los, dass einen die „Vette“ am liebsten in tausend Stücke zerreißen würde.

Technische Details u. Preis

6.200 cm3
343 kW/466 PS @ 6.000 U/min
630 Nm @ 4.600 U/min
4,2 s 0-100 km/h
290 km/h
12 L pro 100 km
280g Co2 pro km

Ab 71.996 Euro erhältlich

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook

466 PS sind heutzutage nicht mehr das ganz obere Ende der Fahnenstange, aber jedes einzelne dieser Pferde tritt einem bei jeder einzelnen Beschleunigung völlig ungeniert in den Allerwertesten. Und außer der erwarteten brachialen Power und dem nicht minder erwarteten V8-Geboller, hält die Corvette Anno 2015 noch die eine oder andere dicke Überraschung parat. Und zwar lässt sie sich im 800 Kilometer langen Straßenmix über die deutsche Autobahn, die Landstraße und den zeitweiligen Stau mit durchschnittlich frugalen 12,8 l/100 km bewegen, ohne jegliche Sparabsichten und obwohl sie ihre Fähigkeit des Segelns mit Zylinderabschaltung (von 8 auf 4) nur sehr selten unter Beweis stellen durfte.

Die Lenkung ist ansprechender als je zuvor, die „Active Rev-Matching“-Funktion erlaubt durch ständiges Zwischengas nahtlos schnelle Gangwechsel und selbst bei Tempo 200 gleitet der Stachelrochen noch ganz entspannt untertourig von dannen. Ein elektronisches Differenzial (Z51) und Magnetic Ride Control sorgen für Fahrspaß am Limit, die Stabilitätskontrolle StabiliTrack bleibt, wie ihr Name es andeutet, der Rennstrecke vorbehalten. Die Vette verfügt über einen richtigen Kofferraum von 425 Liter Fassungsvermögen und das tief in die Haubenmulde versenkbare Head-up-Display ist ob seiner Einstellungsvielfalt und Bedienung, mit drei separaten Knöpfen für Helligkeit, Konstellation und Position, einfach nur das beste seiner Art, das wir je gesehen haben. Der Wendekreis ist ein bisschen groß und die Reifen-Rechnung dürfte gesalzen ausfallen, aber alles in allem ist diese Corvette ein kompromissloses Sportgerät alleroberster Güte. Und ab 6.000 Umdrehungen ist Madame Johansson endgültig abgehakt. Tscho…

Pro/Contra

↑PRO

+ Viel Dampf aus wenig Kohle
+ Klingt wie eine Lawine aus Grizzlybären
+ Überraschend sparsam
+ Ordentliche Verarbeitungsqualität
+ Gute Sitze mit viel Seitenhalt
+ Head-up-Display
+ Verbesserte Lenkung
+ Schub bis der Arzt kommt

↓CONTRA

Mittelmäßiges Navigationsgerät
Träges Touchscreen

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Foto: Chevrolet

Foto: Chevrolet

www.chevrolet.lu

Eric Netgen

Chefredakteur autorevue

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Philippe Reuter

Login

Lost your password?