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Chronik der Woche 04: Lange Durststrecken

Für Rallye-Fahrer war der Trip nach Dakar einst das bedeutendste und prestigeträchtigste Langstreckenrennen der Welt. Seit 2009 wird die Rallye in Südamerika ausgetragen. Derweil bereiste der Großherzog in den vergangenen Tagen den Senegal.

Fotos: François Aussems, Jean-Claude Ernst, Isabella Finzi, Hervé Montaigu (2), Alain Rischard (alle Editpress)

Großherzog besucht Senegal – Henri auf der Sklaveninsel

Drei Tage lang hat Großherzog Henri den Senegal bereist. In seinem Schlepptau waren nicht nur die Minister Carole Dieschbourg (Déi Gréng) und Romain Schneider (LSAP) sowie Staatssekretärin Francine Closener (LSAP), sondern zahlreiche Vertreter von Wirtschaft und Medien. Nach dem offiziellen Empfang von Senegals Staatspräsident besuchten die Gäste mit dem Schiff die „Sklaveninsel“ Gorée, drei Kilometer vom Festland und der Hauptstadt Dakar entfernt und ein Relikt aus der Kolonialzeit. Der heutige Bürgermeister der Insel, Augustin Emmanuel Senghor, steht symbolisch für den Wandel des ehemaligen Umschlagplatzes für den Sklavenhandel: Sein Großvater Léopold Sédar Senghor wurde 1960 erster Präsident nach der Unabhängigkeit des Senegals.

Parlamentswahlen – Viviane Reding prescht vor

Ihre Kandidatur für die CSV bei den kommenden Chamberwahlen im Oktober steht so gut wie fest. Ob die 66-Jährige im Zentrum oder in ihrem ursprünglichen Stammbezirk (sie stammt aus Esch) antreten wird, ließ Viviane Reding noch offen. Die Europaabgeordnete und frühere EU-Kommissarin übte bei einer Pressekonferenz am Montag heftig Kritik an der Regierung und am Parlament.

Neuer Uni-Rektor Pallage – Ziel Weltklasse

Die Misstöne, die es im vergangenen Jahr rund um die hiesige Universität gab, unter anderem wegen der Fehlkalkulationen im Budget, scheinen mit der Präsentation des neuen Rektors zu verklingen. Der Mann im blauen Anzug weiß zu begeistern. Beim Neujahrsempfang im großen Auditorium der Uni Belval gab der seit 1. Januar amtierende Stêphane Pallage die Richtung vor, in der die Hochschule hin soll: zur Weltklasse. Reden kann der 49-Jährige mit belgischem und kanadischen Pass, ein festes Ziel hat er ebenfalls. Schwung hat er auch, denn für den Chefposten auf dem ehemaligen Industriegelände hing er sogar seinen Job als Dekan der „Ecole des sciences de la gestion de l´Université“ in Montréal an den Nagel. Und Unterstützung bekommt er auch: Laut dem frisch unterzeichneten Vierjahresvertrag zwischen Uni und Staat stellt dieser in den nächsten vier Jahren 766 Millionen Euro, 30 Prozent mehr als in den Jahren 2014 bis 2017. Das kann sich sehen lassen.

Bildung – Qualität macht Schule

Bildungsminister Claude Meisch (DP) war alles andere als gut ins Schuljahr gestartet. Zu Beginn hatte er heftige Kritik von den Lehrergewerkschaften einstecken müssen. Seine Ankündigung, dass Schulbücher auch künftig für den Sekundarunterricht gratis sein sollen, bescherte ihm kaum Aufwind. Gegen Jahresende bekam er dann noch schlechte Noten in Umfragen. Nun will der Liberale mit der Schaffung zweier Gremien die Qualität der Schulen verbessern. Das eine soll „Observatoire national de la qualité“ heißen und die Lehrer wissenschaftlich begutachten, um daraus Vorschläge für das Ministerium zu entwickeln. Ebenso Vorschläge soll ein „Nationaler Programmrat“ unterbreiten, wie Unterrichtsinhalte den sozialen Entwicklungen anzupassen sind.

Zahl der Woche: 1,44

Milliarden Euro beträgt die Gesamtsumme, die der Staat den unterschiedlichen Forschungseinrichtungen für die nächsten vier Jahre zur Verfügung stellt.

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Kirchenfabriken – „Factory Outlet“

Die Kirchenfabriken sind abgeschafft. Das Parlament beschloss dies mit den 34 Stimmen der Regierungskoalition sowie Déi Lénk. Die 26 Abgeordneten von CSV und ADR votierten dagegen. Innenminister Dan Kersch (LSAP) hatte den entsprechenden Gesetzentwurf vor zweieinhalb Jahren eingereicht. Die Besitztümer der Kirche, die bisher von den sogenannten Kirchenfabriken verwaltet wurden, gehen in einen Fonds über, der dem Bistum untersteht. Damit müssen die Gemeinden nicht mehr für die Instandhaltung der Gebäude aufkommen, wenn diese zu dem Fonds gehören. Sie können jedoch aufgrund eigener Entscheidung die Kirche auf dem Gebiet der jeweiligen Kommune unterstützen.

Ultimatum an Regierung – Staatsbeamte am Drücker

Die CGFP geht in die Offensive. Ein Dorn im Auge ist der Staatsbeamtengewerkschaft die sogenannte 80/80/90-Regelung mit geringeren Anfangsgehältern: Berufsanwärter bekommen während ihrer drei Jahre dauernden Stage-Zeit, in der sie näher an den Beruf herangeführt werden, keinen hundertprozentigen Lohn. Die CGFP verlangt Nachbesserungen in der Statutenreform. In einem Schreiben an Premierminister Xavier Bettel forderte sie die Regierung auf, „Farbe zu bekennen“. Sollte diese bis 19. Februar keine Stellung beziehen, droht die Gewerkschaft, den Konflikt vor dem Schlichter auszutragen. „Wer glaubt, wir würden einfach so aufgeben, täuscht sich gewaltig“, ließ Romain Wolff wissen.

Zitat der Woche

„Les portes du Fonds de gestion des édifices religieux et autres biens relevants du culte catholique restent grandes ouvertes.“ Generalvikar Leo Wagener zur Abschaffung der Kirchenfabriken am 20. Januar im Quotidien

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Asylbewerber – Noch immer zu lange Prozeduren

Syrische Flüchtlinge stellen die Mehrheit der Menschen, die 2017 hierzulande einen Asylantrag stellten. 15,8 Prozent kamen aus dem vom Krieg zerstörten Land, gefolgt von Eritreern und Marokkanern. Insgesamt waren es vergangenes Jahr 2.322 Antragsteller, etwas mehr als 2016 und leicht weniger als 2015. Diese Zahlen stellte Außen- und Immigrationsminister Jean Asselborn letzte Woche vor. Darin enthalten sind auch jene 557 Menschen, die im Rahmen eines entsprechenen EU-Abkommens aus den Flüchtlingslagern in Italien und Griechenland aufgenommen wurden. Während 1.152 Antragstellern Asyl gewährt wurde, wurden 526 Anträge abgelehnt. Durchschnittlich dauert es von Antragstellung bis Entscheidung siebeneinhalb Monate. Laut dem neuen Asylgesetz sollen die Prozeduren höchstens sechs Monate dauern.

Royal-Hamilius – Galeries Lafayette Favorit

Während die Arbeiten an der Großbaustelle Royal Hamilius voranschreiten, ist noch nicht geklärt, wer die Hauptladenfläche mietet. Die französische Warenhauskette Galeries Lafayette gilt als erster Kandidat, nachdem die belgische Kette Galeria Inno im vergangenen Jahr einen Rückzieher gemacht hatte. Es sei allerdings noch nichts unterschrieben, gab die Promotorengesellschaft Codic bekannt. Bürgermeisterin Lydie Polfer wollte sich zu dem Projekt noch nicht äußern. Außerdem werden die französische Kette Fnac und ein Delhaize-Supermarkt einziehen. Wann das Kaufhaus einzieht, steht aber noch nicht fest.

Stefan Kunzmann

Journalist

Chefredakteur
Ressorts: Politik & Wirtschaft

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Author: Martine Decker

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