Home » Home » Chronik der Woche 13: Rosig ist anders

Chronik der Woche 13: Rosig ist anders

Als „chaotische Zeiten“ bezeichnet Außenminister Asselborn die weltweite Entwicklung. Schön, dass sich bei so viel Pessimismus wenigstens das Wetter von der besten Seite zeigt und uns einen schönen Frühlingsanfang beschert.

Fotos: Isabella Finzi (2), Alain Rischard (2), Julie Garroy, Jean-Claude Ernst (alle Editpress), Editpress-Archiv, Ligamenta (pixelio.de)

Ombudsfrau – Frischer Wind

Die 45-jährige Rechtsanwältin Claudia Monti wird neue Ombudsfrau und tritt am 23. April die Nachfolge von Lydie Err an, die den Posten räumt, weil sie das Pensionsalter erreicht hat. Wichtigstes Ziel der neuen Ombudsfrau ist es, die Öffentlichkeit besser über die Aufgaben ihres Amtes auzuklären, sagte sie in einer ersten Erklärung. Die Kenntnisse darüber, was eine Ombudsfrau überhaupt mache, seien noch zu gering. Monti hat in Straßburg studiert und ist auf Familien-, Kinder- und Strafrecht spezialisiert.

Analyse – Der deprimierte Minister

Von einer „chaotischen Welt“ spricht Außenminister Jean Asselborn am Dienstag in seiner diesjährigen außenpolitischen Erklärung vor dem Parlament. Ob es um die nicht abreißenden Flüchtlingsströme geht, den Brexit, die Krise zwischen Russland und der Ukraine, die angespannten Beziehungen zwischen der Türkei und der EU, den neuen US-Präsidenten oder den weltweiten Trend zu Populismus und Nationalismus – der sonst stets optimistisch eingestellte LSAP-Politiker Asselborn klingt deprimiert, weil es im ganzen Gebälk zu knirschen und zu knacken scheint. Deshalb sei es gerade jetzt für Politiker besonders wichtig, sich auf politische Grundelemente zu besinnen und Solidarität und Bürgernähe zu zeigen.

Zahl der Woche: 499

unbegleitete Minderjährige haben im vergangenen Jahr Zuflucht in Luxemburg gesucht. Das sind ein Drittel weniger als im Jahr davor, aber fast doppelt so viel wie 2014.

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook

Zugunglück – Erste Erkenntnisse

Am 14. Februar rasten bei Bettemburg ein CFL-Personenzug und ein französischer Güterzug ineinander. Der luxemburgische Lokführer starb, sein französischer Kollege wurde schwer verletzt. Nun hat die Staatsanwaltschaft einen Vorbericht über die Kollision veröffentlicht. Demzufolge sei das Sicherheitssystem ausgefallen, weil es bei der Kontaktübertragung von Gleis auf Zug Probleme gegeben habe. So wurde der Hinweis auf ein Stopp-Signal nicht erkannt. Zudem habe der luxemburgische Lokführer ein Vorsignal übersehen, das ihn auf das bevorstehende Haltesignal aufmerksam machen sollte. Erst als der Zug das Haltesignal passierte, leitete der Lokführer eine Notbremsung ein. Warum der Lokführer das Vorsignal übersah, konnten die Ermittler noch nicht sagen. Spekulationen darüber, dass der Lokführer die Kollision absichtlich herbeigeführt und das Sicherheitssystem abgeschaltet hätte, wie es kurz nach dem Unglück in diversen Medien zu lesen war, sind also widerlegt.

„Es kommen jeden Tag 90.000 Grenzgänger aus Frankreich nach Luxemburg – und die wählen zu einem großen Teil Front national. Das hat mich noch bei jedem Wahlgang erschüttert.“ EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker über die vergangenen Wahlerfolge von Marine Le Pen in Lothringen am 27. März 2017 im Tageblatt

Terroranschlag – Bettel sagt Reise ab

Vier Menschen sterben bei einem Terroranschlag im Herzen Londons, als ein Attentäter auf der Westminster Bridge mit dem Auto Fußgänger überfährt und anschließend mit einem Messer vor dem Parlamentsgebäude auf einen Polizisten einsticht. Genau ein Jahr nach den Anschlägen in Brüssel. Premier Xavier Bettel sagt einen für den gleichen Tag geplanten Besuch bei Premierministerin Theresa May ab, bei dem über die Beziehungen zwischen Luxemburg und Großbritannien gesprochen werden sollte.

Parteigründung – Joe Thein bleibt aktiv

Knapp zwei Wochen nach seinem Rauswurf aus der ADR hat Joe Thein eine eigene Partei gegründet: „Déi Konservativ“. Laut Statut wurde die Partei im Interesse des Landes und seiner Bürger gegründet. Richtig ist wohl, dass es vielmehr um das eigene Interesse des Parteigründers geht. Jetzt kann ihn niemand mehr rausschmeißen.

Dossier Kirchenfabriken – Wer ist hier der Boss?

Im Editorial von letzter Woche stand, dass das Dossier Kirchenfabriken zur Chefsache würde. Innenminister Dan Kersch hat uns darauf hingewiesen, dass es in der Regierung keinen Chef geben und er sich nicht in seine Dossiers reinreden lassen würde. Allerdings ist es so, dass letzte Woche Staatsminister und Regierungschef Xavier Bettel sich wohl – wenn auch, um nicht wieder Interpretationsdivergenzen heraufzubeschwören auch nur indirekt – ins Dossier einschaltete. Oder wieso gab es sonst das Bedürfnis des Staatsministeriums, per Pressemitteilung klarzustellen, dass Regierung und Bistum nach wie vor zur Konvention von Januar 2015 stehen würden (und damit indirekt zum Abschaffen der Kirchenfabriken)? Hubert Morang, stellv. Chefredakteur

Studium – Medizin kommt

Ab 2020 wird an der Uni Luxemburg ein Bachelor-Studiengang in Medizin eingerichtet. Zudem sollen Spezialisierungen in Onkologie und Neurologie möglich werden. Die Regierung reagiert damit auf die Tatsache, dass es für Studierende aus Luxemburg immer schwieriger wird, an ausländischen Unis einen Studienplatz in Medizin zu bekommen.

Ein Land voller Baustellen – Manchmal rollt es, manchmal rollt es (noch) nicht

Für Autofahrer ist es in Luxemburg momentan nicht so einfach: Auf den Autobahnen werden ohne Vorwarnungen Tunnel und Ausfahrten restauriert, und in den Städten machen Umleitungen und Baustellen jede noch so kleine Fahrt zu einer Belastungsprobe. Schön, dass es dann doch hin und wieder ein paar gute Nachrichten in Sachen Verkehr gibt: Die „Nei Bréck“, die drei Jahre lang für den Verkehr gesperrt war, darf seit Samstag wieder befahren werden (linkes Foto). Die blaue Behelfsbrücke, die für die Zeit der Bauarbeiten ausgeholfen hat, wird wieder abgerissen. Auch unterhalb der Roten Brücke tut sich etwas (Foto rechts): Die riesige Rolltreppe, die das Bahngleis in Pfaffenthal mit der Standseilbahn verbindet, wurde geliefert. Im Dezember soll alles fertig sein.

Heike Bucher

Journalistin

Ressort: Wissen

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Philippe Reuter

Login

Lost your password?