Home » Aktuell » Chronik der Woche 16: Ist weniger mehr?

Chronik der Woche 16: Ist weniger mehr?

Während die Angeklagten im LuxLeaks-Prozess nicht klein beigeben, gibt es Neuigkeiten in der Bommeleeër-Affäre. Ansonsten wurde in Esch fleißig demontiert und im Bildungsbereich die Anzahl der Examen reduziert.

Fotos: Fabrizio Pizzolante (2), Herve Montaigu, Alain Rischard, Isabella Finzi, Jean-Claude Ernst, Robert Spirinelli (alle Editpress)

Anpassung – Abschlussexamen

Bildungsminister Claude Meisch verkündete letzte Woche eine Reform des Abschlussexamens im „enseignement secondaire classique”. Die Anzahl der schriftlichen Examen sollen für das Schuljahr 2017/2018 auf sechs reduziert werden, die Anzahl der mündlichen Prüfungen auf zwei. Zudem können sich Schüler zukünftig ihre schriftlichen Examen aussuchen – Pflichtfächer der jeweiligen Sektion ausgenommen. Damit würde dem Schüler die Gelegenheit geboten, sich optimal auf den Abschluss vorzubereiten. Darüber hinaus sollen die Noten des Schuljahres in die Gesamtnote einfließen. Mit dem „complément au diplôme de fin d‘études“ werden Wahlfächer berücksichtigt, sodass der Schüler beim Bewerben an einer ausländischen Universität ein komplettes Dossier seiner Interessen und Fähigkeiten vorlegen kann.

LuxLeaks – Langer, harter Weg

Nachdem Antoine Deltour eine Woche zuvor verkündete, das Urteil aus zweiter Instanz im LuxLeaks-Prozess anfechten zu wollen, will nun auch Raphaël Halet, ebenfalls ein ehemaliger PwC-Angestellter, in Kassation gehen. Im Berufungsprozess Anfang des Jahres wurde Halets Bewährungsstrafe von neun Monaten aufgehoben. Geblieben war eine Geldstrafe von 1.000 Euro.

Zahl der Woche: 658.000

Fluggäste hoben seit Jahresbeginn vom Findel ab.

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook

Weltausstellung 2020 – Augen zu!

Die Weltausstellung ist seit jeher dafür bekannt, innovative Architektur und bahnbrechende Erfindungen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Zeitgleich bietet das Event auch Staaten die Gelegenheit, sich in einem sehr positiven Licht zu profilieren, sodass dem Ganzen eine politische, wenn nicht sogar eine propagandistische Dimension unterliegt. 2020 in Dubai wird das nicht anders sein und doch sollte man sich fragen, ob es ethisch vertretbar ist, Luxemburg in einem Emirat zu vertreten, das aufgrund seiner regelmäßigen Menschenrechtsverletzungen in die Schlagzeilen kommt. Dubai ist zwar genauso für seine farbenprächtige Skyline bekannt, wie auch für den extravaganten, an Dekadenz grenzenden Lebensstil seiner Elite. Was jedoch weniger als Aushängeschild taugt, sind die Abertausende ausländischen Arbeiter, die unter menschenunwürdigen Bedingungen leben und arbeiten und schlichtweg ausgebeutet werden. Laut Jahresbericht 2016/2017 von Amnesty International sind Frauen weiterhin sexueller Gewalt im Alltag ausgesetzt. Vergewaltigungsopfer müssen sogar mit Haftstrafen rechnen. Dass die Kommissarin für die Weltausstellung 2020, Maggy Nagel, in einem RTL-Interview dennoch auf oberflächliche Gemeinsamkeiten zwischen Luxemburg und dem Emirat hinweist, ist deshalb kaum nachvollziehbar. Business genießt anscheinend Vorrang.

„D’Missioun ass gutt ukomm, an ech war immens iwwerrascht, dass jiddereen eis SpaceRessources-Initiativ kennt.“ Wirtschaftsminister Etienne Schneider, im RTL-Interview

Esch – Abriss eines Symbols

Ende letzter Woche wurde die „Ronn Bréck“ in Esch abgerissen. Die Verbindung zwischen Neudorf und dem Zentrum Eschs wurde durch ein Pendelbus gewährleistet. Doch die Entscheidung, eines der Wahrzeichen der industriellen Vergangenheit der Stadt abzureißen, stieß nicht nur auf Verständnis. Eine alternative Nutzung der Brücke, die 1926 erbaut wurde und eine Zugverbindung zwischen den Arbed-Werken Schifflingen und „Terres Rouges“ herstellte, war zwar angedacht, wurde jedoch aus Kostengründen verworfen. Und nach der „Centrale thermique“ ein weiterer Zeitzeuge ausradiert.

Bommeleeër – Der Befehl

In der ewigen Bommeleeër-Affäre meldete sich letzte Woche ein ehemaliger Gendarme zu Wort, der am 5. Juli 1985 in Asselscheuer aufgrund der Anschlagserie auf Streife war und Strommaste kontrollierte. Kurz vor der Entdeckung soll es einen Befehl an die Patrouille gegeben haben, das Gebiet rund um die Sprengsätze im Auge zu behalten und keinesfalls aus dem Auto zu steigen. Der Mann wird heute berechtigterweise das Gefühl nicht los, die Zentrale in der Hauptstadt könnte vom Sprengstoff gewusst haben. Am gleichen Tag wurden Kasematten durch das Zünden eines Sprengsatzes erschüttert.

Fitch Ratings – Triple A, die Vierte

Die Ratingagentur Fitch hat Luxemburg die bestmöglichste Note vergeben. Die New Yorker Firma hat nach DBRS, Moody‘s und Standard & Poors dem Großherzogtum eine Triple A attestiert. Vor allem haben die Steuerreform, welche sowohl Privatpersonen als auch Firmen entgegenkommt und der geringe Prozentsatz an Staatsschulden die Bewertung der Amerikaner positiv beeinflusst. Finanzminister Pierre Gramegna sieht in diesem vierten Triple A binnen drei Monaten eine Bestätigung der aktuellen Politik der Regierung. Man müsse allerdings weiterhin am Ball bleiben…

Schifflingen – Brand im Flüchtlingsheim

Im Flüchtlingsheim in Schifflingen kam es am Ostersonntag zu einem Zimmerbrand. Drei Bewohner erlitten eine Rauchvergiftung. Die Brandursache ist noch nicht geklärt.

Flug Barcelona-Luxemburg – Reifen geplatzt

Beim Start eine Luxair-Maschine in Barcelona platzte einer der vier Reifen. Der Flug konnte allerdings problemlos durchgeführt werden und auch die Landung in Luxemburg verlief ohne Vorfall. Die Ursache des Reifenplatzers ist noch unklar.

Philippe Reuter

Journalist

Ressorts: Land und Leute

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Philippe Reuter

Login

Lost your password?