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Chronik der Woche 28: Des Menschen Wolf

In den Mythologien, Sagen und Märchen spiegelt sich die ambivalente Einstellung des Menschen zum Wolf wider. Letztere ist nun wieder in Luxemburg gesichtet worden. Kein Grund, daraus gleich einen Wolfsburger zu machen.

Fotos: Francois Aussems, Julien Garroy, Hervé Montaigu, Fabrizio Pizzolante, Alain Rischard (alle Editpress), Charles Caratini (SIP)

Gaymat Regenbogen über Esch

Zahlreiche Menschen aus der Gemeinschaft der „Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender“ (LGBT) sowie Sympathisanten sind am vergangenen Samstag durch die Escher Fußgängerzone zu ihrem alljährlichen Fest auf den Rathausplatz gezogen. Die Parade war der Höhepunkt des Gaymat-Festivals. Dieses Jahr stand vor allem die Solidarität mit den vielen LGBT-Flüchtlingen weltweit im Mittelpunkt. In ihren Heimatländern werden sie diskriminiert und sind der Verfolgung ausgesetzt. Bis zum 1. Oktober ist noch im Nationalen Resistenzmuseum am Escher Brillplatz die Ausstellung „Lesbisch, jüdisch, schwul“ zu sehen.

Kirchenfinanzen – Volle Kasse

Über ihre Finanzen kann sich die katholische Kirche wahrlich nicht beklagen. Aus dem Jahresbericht 2016, den das Erzbistum vorgelegt hat, geht hervor, dass die „Groupe Archevêché“ mit ihren zehn Gesellschaften das Geschäftsjahr mit einem Überschuss von 4,1 Millionen Euro abschloss. Dabei überschritt sie mit 103,2 Millionen Euro an Eigenmitteln erstmals die Hundert-Millionen-Euro-Grenze. Zugleich baute sie erstmals die Nettoverschuldung komplett ab. Die paradiesischen Zeiten dürften jedoch bald vorbei sein: Seit dem 1. September letzten Jahres gilt der Finanzierungsmodus für Glaubensgemeinschaften, wonach diese die Kultusdiener, die nach diesem Stichdatum eingestellt wurden, selbst bezahlen müssen – und nicht mehr der Staat.

Zahl der Woche: 1,5

Prozent betrug die Inflationsrate hierzulande im Juni und damit 0,2 Prozentpunkte weniger als im Mai.

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Logistikstandort – Multimodale Zukunft

Nach mehr als drei Jahren Bauzeit wurde letzte Woche in Anwesenheit von Großherzog Henri und mehreren Vertretern der Regierung das neue 30 Hektar große Intermodal-Terminal von CFL Multimodal zwischen Bettemburg und Düdelingen eingeweiht. Von weitem zu sehen sind dabei die 20 Meter hohen Portalkräne. Die beiden Riesen können Container mit einem Gewicht von bis zu 40 Tonnen vom Lastwagen auf einen Eisenbahnwagon – oder umgekehrt – heben. Mindestens fünftausend neue Arbeitsplätze sollen insgesamt hierzulande in der Logistikbranche entstehen. So plant es zumindest die Regierung. Der neue Hotspot der Logistikbranche Es besteht aus vier Gleisen von jeweils 700 Metern Länge und verfügt über 840 Aufliegerstellplätze.

„L’accueil des réfugiés a certes été organisé, mais il faut éviter que les personnes que nous avons accueillies ne soient, de facto, condamnées à l’inactivité en séjournant pendant des années dans des foyers d’hébergement. Leur intégration doit être une priorité.“ Asti-Präsidentin Laura Zuccoli am 10. Juli im Quotidien

Sekundarschule – Großer Moment, kleine Reform

Das Parlament hat das Gesetz zur Sekundarschulreform verabschiedet. Dagegen stimmte die CSV, zusammen mit der ADR und „déi Lénk“. Von einem „großen Moment für mich, aber auch für unser Bildungssystem“ sprach Bildungsminister Claude Meisch (DP, Foto rechts) pathetisch und hob hervor, dass die Entscheidung letztendlich im Konsens gefallen sei, nach jahrelangem Streit um die Reform. Schließlich ist daraus eine Reform geworden, die am bestehenden System nicht viel ändert. Eine Mini-Reform fasst die oppositionelle CSV die Neuerungen nicht zu Unrecht zusammen. Eine Reform, die nicht wehtut. Den Schulen bleiben viele Optionen. Kritiker befürchten eine unübersichtliches Angebot. Die 13e-Examen werden erst 2018/19 reformiert. Einige Elemente der Reform gehen noch auf die frühere CSV/LSAP-Regierung zurück.

Mouvement écologique – Über Rifkin diskutieren

Der US-Ökonom Jeremy Rifkin stellte bekanntlich 2016 seine Studie zur „dritten industriellen Revolution“ in Luxemburg vor. Immerhin ein begrüßenswerter Ansatz, meint Blanche Weber. Die Präsidenten des Mouvement écologique spart jedoch nicht mit Kritik. Sie entdeckt in Rifkins Vision wenig Konkretes. Es fehlten reelle Anreize zur Zukunftsgestaltung, sagt sie. Vor allem nicht im Bereich Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Rifkin stelle zudem das Wachstumsmodell nicht in Frage. Es gebe kein ressourcenschonendes Wachstum. Die Mobilitäts- und die Wohnungsproblematik ließen sich nicht mit Effizienz und technischer Innovation lösen. Über die sozialen Folgen der Digitalisierung müsse ebenso nachgedacht werden. Der Rifkin-Prozess, meint Weber, müsse mehr als nur ein Denkanstoß sein.

Industriestandort – Tu mal lieber die Röhrchen

Groß mit kleinen Röhrchen – sie sind als Zusatz von Kunststoffen wie ein Wundermittel: Carbon-Nanoröhrchen sind mikroskopisch kleine Röhren aus Kohlenstoff. Die russische Firma Ocsial ist weltweit die erste, der es gelungen ist, einwandige Nanoröhrchen in größeren Mengen herzustellen. Nun investiert die Firma 100 Millionen Euro in eine neue Produktionsstätte in Luxemburg. Ocsial wird sie in der Differdinger Industriezone Hanebësch aufbauen. Die größte Produktionsstätte der Welt für Nanoröhrchen aus Kohlenstoff soll 2020 fertig sein. Ab 2022 sollen hier rund 250 Tonnen im Jahr hergestellt werden. Wie Wirtschaftsminister Etienne Schneider (LSAP) verkündete, sollen dadurch etwa 200 neue Arbeitsplätze entstehen . Ocsial ist bereits seit 2012 in Leudelingen niedergelassen. In Differdingen soll zudem ein Forschungszentrum entstehen.

Afrikanische Unternehmerinnen – Mikrofinanz hilft

Nach wie vor hat ein großer Teil der Menschen kein Bankkonto. Ganz zu schweigen davon, dass er Kredite bekommt. Dem wirkt die Mikrofinanz entgegen. Organisationen vergeben Minikredite an Menschen in armen Ländern. Bei der 40. Ausgabe des vom „Appui au développement“ (ADA) mitorganisierten „Midi de la microfinance“ standen afrikanische Unternehmerinnen im Zentrum. Frauen sind in ärmeren Ländern besonders benachteiligt.

Wolfsburg – Comeback von Isegrim

Fast jeder spricht über das Comeback des Wolfes im Großherzogtum – oder ist es vielleicht der vor einigen Jahren hierzulande im Sommerloch gesichtete schwarze Panther in einem anderen Fell? Hat jener Landwirt im Wald zwischen Leudelingen und Bettemburg von seinem Traktor aus wirklich einen Wolf gesehen? Mancher glaubt, dass sich der Bauer um 23 Uhr 45 schon „einen Wolf gefahren“ hatte. Die Naturverwaltung bestätigte jedenfalls, dass es sich bei dem im Scheinwerferlicht fotografierten „Raubtier“ mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Wolf handelte. Sicher ist dies aber nicht. Informationen über den „Aktionsplan Wolf“ gibt die Behörde unter www.emwelt.lu. Es sei daran erinnert, dass der Isegrim, so sein Fabelname, in Europa streng geschützt ist. Es ist also nicht anzunehmen, dass es auf den Speisekarten der hiesigen Burgerrestaurants demnächst „Wolfsburger“ gibt. Letzteres soll keine Anspielung auf den Dieselskandal sein.

Stefan Kunzmann

Journalist

Ressorts: Politik, Investigativ, Aktuelles

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Author: Philippe Reuter

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