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Chronik der Woche 44: Ahoi

Die Piraten kommen! Und sie bringen medizinisches Cannabis mit! Hoffentlich auch einen Taschenrechner für die Deputierten. Sollten sie zufällig auch noch Freelance-Journalisten sein, haben sie in Luxemburg derzeit wirklich gute Karten.

Fotos: Jean-Claude Ernst, Julien Garroy, Hervé Montaigu (editpress), Chambre des Députés/flickr, Delphi, adr.lu, Susanne Schmich, Michaela Schöllhorn/pixelio.de

Unklares Budget – Einmaleins

Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil. Zwischen 8 Millionen und 600 Millionen Euro liegt dann doch ein kleiner, aber feiner Unterschied. Nach der europäischen SEC-Methode beläuft sich das Staatsdefizit nach den ersten drei Trimestern auf die erste Summe. Bei der luxemburgischen Rechenmethode kommt unterm Strich etwas mehr zusammen. Interessant: Keine der beiden Methoden ist falsch. Nur werden unterschiedliche Faktoren einbezogen. Klingt befremdlich? Ist es auch. Gast Gybérien (ADR) schwört auf die nationale Rechnung, Alex Bodry (LSAP) faselt unschlüssig etwas von allgemeiner Verbesserung. Beim nächsten Einkauf einfach mal anders rechnen, nach der eigenen Methode!

Das liebe Geld – Gebührenerhöhung unerwünscht

Nachdem die Verbraucherschutzorganisation ULC mit einer Petition mehr als 10.000 Unterschriften gesammelt hat, um gegen eine Erhöhung der Gebühren bei Bankgeschäften am Schalter und bei handgeschriebenen Überweisungen vorzugehen, meldet sich Finanzminister Pierre Gramegna (DP) zu Wort und zeigt Verständnis. Es geht unter anderem um ältere Menschen, die ihre Transaktionen über die besagten Wege anstatt online abwickeln und durch eine Erhöhung benachteiligt würden. Nach einem Treffen mit der ULC, soll sich der Minister vorgenommen haben, das Problem mit den jeweiligen Banken anzugehen. Jedoch betont er, die Regierung könne die Banken zu nichts zwingen.

Zahl der Woche: 85

Derzeit gibt es 85 Bio-Bauernbetriebe in Luxemburg. Die Zahl könnte bald steigen: 157 Bauern und Bäuerinnen sind an der Umstellung auf Bio-Landwirtschaft interessiert.

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Beziehungen pflegen – Zu Besuch in Cabo Verde

Die Beziehungen zu der 500.000-Einwohnernation vor der afrikanischen Küste seien eine Erfolgsstory, sagte der Parlamentspräsident Mars Di Bartolomeo (LSAP), der von drei Mitgliedern des Parlamentsbüros Michel Wolter (CSV), Marc Angel (LSAP) und Henri Kox (Déi Gréng) begleitet wurde. Als erster ausländischer Redner im kapverdischen Parlament kam Di Bartolomeo auf die gute politische, wie auch kulturelle Zusammenarbeit beider Länder zu sprechen. Insgesamt leben heute rund 2.900 Menschen mit kapverdischen Wurzeln im Großherzogtum.

Kräfte Bündeln – Neuer Journalistenverband

Bisher verteilten sich Luxemburgs professionelle Journalisten auf drei verschiedene Verbände auf. Am vergangen Dienstag schlossen sich jedoch die ULJ, ALJ und der SJ-L nach jahrelangen Verhandlungen zusammen und bilden nun die „Association luxembourgeoise des journalistes professionnels“ (ALJP). Präsident des neuen Verbandes wurde unterdessen der Woxx-Journalist Luc Caregari (Foto unten, Zweiter von links). Die ALJP will sich mit jener Kräftebündelung für den Berufsstand des Journalisten einsetzen, sowie für Freelance-Kollegen. Des Weiteren wurde bemerkt, dass das Informationszugangsrecht eine Priorität für den Verband sei, ebenso wie der Schutz und die Verteidigung des Quellenschutzes.

Delphi – Umstrukturierung

Beim in Luxemburg präsenten Automobilzulieferer Delphi wird „global umstrukturiert“. Klingt gut, bleibt jedoch in der Essenz ein Euphemismus für Stellenabbau. Bis zu 42 betroffene Angestellte könnten unter den Sozialplan fallen, der vom OGBL mit dem Betrieb ausgehandelt wurde. Einigen wurden Stellen in Dublin angeboten, andere können in Luxemburg bleiben oder fallen ohnehin unter den Sozialplan. Die Entscheidung zur Umstrukturierung ist laut OGBL nicht nachvollziehbar und ein Schock für die Arbeitnehmer.

Zitat der Woche

„C’est aux despotes d’être en prison et non aux défenseurs des droits humains!“
David Pereira, Präsident von Amnesty International Luxemburg über die Situation in der Türkei

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Lachhaft – Coole Piratenfahnen

In der ADR wird wohl wieder ein schlimmes Populismusfieber ausgebrochen sein. Anders ist die Entrüstung über zerfetzte National-Fahnen an der belgisch-luxemburgischen Grenze nicht zu erklären. Die beschädigten Symbole unserer Nation spiegelten laut ADR-Mitteilung den Patriotismus der derzeitigen Regierung wider. Ja, klar ADR, entweder das oder die Regierung wurde von Kapitän Flint und Long John Silver unterwandert und es handelt sich hierbei um die ersten rein luxemburgischen Piratenflaggen.

Regierungsrat stimmt zu – Grüne Lösung

Lange Zeit als Einstiegsdroge verpönt, nun als Mehrwert anerkannt: Der luxemburgische Regierungsrat sagt „Ja“ zum „Accord de Principe“ für den medizinischen Konsum von Cannabis. Internationale Studien belegen seine Wirksamkeit bei der Linderung von spastischen Anfällen, von Schmerzen oder von den Nebeneffekten der Krebstherapien. Ein Freifahrtschein für den privaten Gebrauch ist das nicht. Andere europäische Länder machen es vor: Holland, die tschechische Republik, Italien, Kroatien, Slowenien und Polen verfügen bereits über einen gesetzlichen Rahmen für den medizinischen Konsum. Modelle, an denen Luxemburg sich inspirieren könnte.

RTL hakt nach – Gretchenfrage

RTL wagte kurz vor Allerheiligen die Frage der Fragen: Nun sagt, wie hat’s Luxemburg mit der Religion? Das Ergebnis ist klar: 71 Prozent ist sie vollkommen egal. Konsequenz? Die Mehrheit stimmt für die Trennung von Kirche und Staat sowie für einen gemeinsamen Werteunterricht an Schulen. Ob die Befragten auch auf die religiösen Urlaubstage verzichten, dokumentiert die Studie nicht. Ein bisschen Tradition ist manchmal ja auch ganz nett.

Philippe Reuter

Journalist

Ressorts: Land und Leute

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Author: Martine Decker

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