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Chronik der Woche 45: Auf sie mit Gebrüll

Déi eng ginn spadséieren, déi aner mussen léieren – und beide sind sie stinkwütend. Aber was sind schon 1.000 Touren täglich und ein sinnfreies Studium mehr? Sollen sich doch alle ein Beispiel an den Weltmeeren nehmen. Die schlucken auch jeden Müll.

Fotos: Isabella Finzi, Didier Sylvestre, Jean-Claude Ernst, Hervé Montaigu, François Aussems (alle Editpress), Günther Schad/pixelio.de

Probefahrten – They see me rolling…

..they hating. Oder: Was ist 60 Tonnen schwer, hat einen langen Bremsweg und schleicht von der Luxexpo zur Standseilbahn an der „Roten Brücke“? Kleiner Tipp: Siehe unten. Genau, es ist die Luxtram! Sieben Fahrer wagten letzte Woche die ersten Leerfahrten nach Fahrplan. Neben dem Fahrvergnügen durften sie sich im „Tramschapp“ weiterbilden. Bislang haben zwölf Traminots ihre Prüfung bestanden.

Aids Erkrankungen – Schrecken ohne Ende

Gesundheitsministerin Lydia Mutsch und die kürzlich ernannte Präsidentin der Forschungsgruppe für ansteckende Krankheiten am „Luxembourg Institute of Health“ (LIH), Carole Devaux, sind sich einig: Der Umgang mit Aids-Erkrankungen gehört noch vor Jahresende umstrukturiert. Prävention,flächendeckende medizinische und soziale Betreuung der Betroffenen sowie die Einbindung der europäischen Seuchenschutzbehörde und der europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht stehen dabei im Mittelpunkt. Erklärtes Ziel ist es zudem, den Erkrankten – vor allem Frauen – den Zugang zu Wohnräumen zu erleichtern und bestehende Institutionen weiter auszubauen.

Zahl der Woche: 98

HIV-Neuansteckungen gab es 2016 in Luxemburg. 21 sind auf Drogenkonsum zurückzuführen.

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Stress bei der Post – Juhu, Überstunden!

Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Dürfen wir vorstellen: Das diesjährige Motto bei der Post! Ein Freudensprung darüber ist das auf dem Foto sicherlich nicht. Der Präsident der Briefträgergewerkschaft, Raymond Juchem, klagte letzte Woche über massiven Personalmangel und niedrige Löhne. Bis dato lief die Belegschaft 2017 über 1.000 doppelte Touren. Will heißen, dass jeweils vier BriefträgerInnen zusätzlich zu ihrer eigenen noch einen Teil der zweiten Schicht übernahmen. Zu Spitzenzeiten war dies bis zu 20 Mal täglich der Fall. Wirtschaftsminister Etienne Schneider winkt ab: Das habe nichts mit systematischen Überstunden zu tun. In jedem Bereich würden die Krankgeschriebenen ersetzt. Doch von wem, wenn niemand mehr ran will? Juchem hofft auf mehr Dialog und darauf, dass der Minister die nötigen Hebel in Bewegung setzt.

Tag des Mannes – Heult doch!

Ein Hoch auf die Männer! Auf die Gesundheitsmuffel und Biertrinker! Klischee? Nein, Studienergebnisse : Männer konsumieren durchschnittlich mehr Alkohol und Tabak als Frauen. Zudem leben sie risikoreicher und kürzer. Daran erinnerte der Aktionstag zur Männergesundheit am 3. November. Auch die psychische Gesundheit war Thema. Männer nehmen sich viermal öfter das Leben als Frauen. Sie machen außerdem 30 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt aus. Francis Spautz von der Beratungsstelle „infoman“ vermutet festgefahrene Denkmuster hinter dem Stillschweigen über diese Umstände: „Viele Männer fürchten sich vor männlichem Identitätsverlust, weil ,wahre‘ Männer nicht weinen und sich nicht beklagen.“ Es besteht Handlungsbedarf.

Zitat der Woche

„Mir musse sécher stellen, datt d’Leit vun der Wunneng bis op d’Aarbecht ganz op den Auto verzichten.“ Der Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim im Interview mit Radio 100,7 am 2. November.

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Virtueller Führerschein – Punkte auf dem Kuchen

Der Punkteführerschein wird 15! Ziel der Maßnahme ist es nach wie vor, die Sicherheit auf den Straßen mittels eines neutralen Strafsystems zu gewährleisten. Die Ergebnisse sind eher mau: In den Jahren nach der Einführung sank die Zahl der Unfallopfer von 1.333 im Jahr 2000 auf 1.217 im Jahr 2010. 2014 waren es wieder 1.261. Dennoch hält der Präsident der „Securité routière“, Paul Hammelmann, an der Wichtigkeit des virtuellen Führerscheins fest. Wie viele Kerzen ihr eigener Lappen auspusten darf, hängt von ihrem Fahrstil ab. 369 Verkehrsteilnehmer müssen zuschauen – ihnen wurde der Führerschein letztes Jahr entzogen. Die meisten Punkte gingen für betrunkenes Autofahren oder Handy am Steuer drauf.

Im Januar vor Gericht – Bezahle Deinen Nächsten

Die Geistlichen hierzulande kommen zurzeit einfach nicht zur Ruhe! Nach dem fleißigen Gräbersegnen flattert nun dem Erzbischof Hollerich eine Klage ins Haus. 30 ReligionslehrerInnen wollen mehr Gehalt – und zwar das, was ihnen zusteht. Das Bistum habe ihnen nahe gelegt ein Bachelor-Diplom in religiöser Pädagogik zu absolvieren. Gesagt, getan. Der Lohn wurde allerdings bis heute nicht an das neue Ausbildungsniveau angepasst. „Diskriminierend!“, schreien die einen. „Halleluja!“, beten die anderen.

Microcleidus Melusinae – Nessie entstaubt

Ein Fossil sorgt bei luxemburgischen Paläontologen für Schnappatmung! Was vor über 20 Jahren bei Bauarbeiten für die „Collectrice“ entdeckt und bis vor zwei, drei Jahren in einem Depot zwischengelagert wurde, entpuppte sich als Überbleibsel eines Plesiosauriers, was ein äußerst rarer Fischsaurier war. Das 185 Millionen Jahre alte Skelett gilt als einer der spektakulärsten Funde dieser Art seit Jahrzehnten.

Schluss mit Plastik – Unter dem Meer

Zwei Deputierte für die Weltmeere – es könnte ein Romantitel sein, ist aber in Wahrheit nur ein weiterer Ausdruck des luxemburgischen Nachzügler-Daseins. Einweggeschirr aus biologiisch abbaubaren Materialien? Hierzulande eine Seltenheit und keine Pflicht. Die DP-Abgeordneten Claude Lamberty und Max Hahn möchten nun dem französischen Beispiel folgen und bis 2020 Verkauf und Vertrieb von Plastikgeschirr zum einmaligen Verbrauch verbieten. Eine sinnvolle Überlegung! Zur Erinnerung: 206 Kilogramm Plastik landen pro Sekunde in den Meeren. Höchste Zeit, dass auch in Luxemburg die nachhaltigen Glocken läuten. Mit der Ökotüte allein ist es längst nicht getan.

Isabel Spigarelli

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Author: Martine Decker

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