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Chronik der Woche 47: (Un)glücklich verlobt

Sie sagten „Ja!“ Doch dann das böse Erwachen: Was ist mit den vielen Versprechen? Wie dem vom nachhaltigen Wirtschaftsmodel oder dem vom neuen Kollektivvertrag? Alles nur Geplänkel? Mal sehen, ob die Hochzeitsglocken noch läuten.

Fotos: Didier Sylvestre, Isabella Finzi, Fabrizio Pizzolante, Hervé Montaigu, Alain Rischard (alle Editpress), Carsten Przygoda (pixelio.de)

Handwerkskammer und Regierung – Schmusekurs mit Seitenhieben

Null geteilt durch null? Der Taschenrechner sagt dazu „Error“. Die Rechnung geht nicht auf. Genauso wenig wie das angeblich nachhaltige Wirtschaftsmodell der Regierung. Das behauptete der Generealdirektor der Handelskammer Tom Wirion vergangene Woche. Immer noch mangele es an der Organisation von Grundstücken und Aktivitätszonen. Auch sei es für kleine, nationale Handwerksbetriebe nach wie vor schwerer, sich hierzulande weiterzuentwickeln, als für die sowieso schon großen Riesen aus dem Ausland. Ein bisschen kuscheln wollte er am Ende aber doch noch mit der viel kritisierten Regierung: Ihr „Pacte pro Artisanat“, der den Handwerkssektor bei der Digitalisierung unterstützt, sei positiver Akzent des Budgets. Außerdem hätte sie einige der Probleme geerbt, die sich nicht so leicht ausbügeln ließen.

Luxembourg Index of Well-Being – Friede, Freude, nix mit Kuchen

PIB gut, alles gut? Nicht ganz. „Statec“ und die Staatsekretärin des Wirtschaftsministeriums, Francine Closener, präsentierten am Dienstag den Bericht zum „Luxembourg Index of Well-Being“. Dokumentiert wurden die Jahre 2009 bis 2015 – die Periode nach der Finanzkrise. Zusammenhänge zwischen dem seither steigenden PIB und der Lebensqualität gibt es, doch geht deutlich aus der Studie hervor, dass das Wohlbefinden der Bevölkerung bedeutend langsamer wächst als die Portemonnaies.

Greenpeace-Aktion – Sonne auf Erden

4.000 Liter Farbe und viele verärgerte Autofahrer später, erstrahlte die Sonne im Kreisverkehr Raemerich. Greenpeace reagierte gewohnt demonstrativ auf die „Clean Energy for all Europeans package“ – Gespräche der EU – mit großangelegter Straßenbemalung. Dieses Mal aber mit der Erlaubnis der „Ponts et Chaussés“ und des Nachhaltigkeitsministeriums. Die Nutzung erneuerbarer Energien lässt laut der Aktivistengruppe noch deutlich zu wünschen übrig, deswegen die Aktion.

Zahl der Woche: 80

Prozent der Staatsbeamten sind zufrieden mit ihrem Job und sogar stolz auf ihre Arbeit. Das ergab eine Studie der Uni.lu und der TNS Ilres.

Insolvenz von Sermelux – Tatort ohne Mord

Sermelux entlässt 80 Mitarbeiter. Von heute auf morgen. Ohne Vorwarnung. Dabei soll das Unternehmen schon seit zwei Jahren unter hohen finanziellen Problemen gelitten haben. Jetzt ist die Firma insolvent. Höchstwahrscheinlich steckt ein krimineller Akt dahinter: Semerluxs Anwalt bestätigte vergangenen Dienstag, dass 2015 über fünf Millionen zu unbekannten Zwecken aus der Betriebskasse entwendet und seither nicht mehr aufgetaucht seien. Der Genickbruch für den Fassadenspezialisten, der versuchte, den Verlust auszugleichen und verzweifelt nach einem Investor suchte. Erfolglos. Nun kümmern sich ein Untersuchungsrichter und ein Insolvenzverwalter um Aufklärung und den Betrieb, die ADEM um die arbeitslosen Beschäftigten.

Tageblatt-Führungsteam – Pasch

Nochmal schütteln und würfeln! Was kommt dabei rum? Die Neuaufstellung des Editpress-Führungsteams: General-Direktorin und Chefredakteurin Danièle Fonck bekommt Unterstützung von Dhiraj Sabharwal. Er steigt zum stellvertretenden Direktor und zum zweiten Chefredakteur auf. Sein eigener Stellvertreter wird Chris Schleimer. Weitere Mitglieder der Chefredaktion sind Philip Michel, Christelle Diederich, Francis Wagner, Tobias Senzig und Nic Nickels.

Zitat der Woche

„Luxemburgisch könnte die erste offizielle Sprache im Weltall werden.“
Wirtschaftsminister Etienne Schneider auf der „New Space Europe“-Konferenz am 16. November.

LCGB-Protest – Lieber doch nicht?

Versprechen sind da, um sie zu brechen. Wie das geht, zeigen die nationalen Kranken- und Pflegehäuser. Nach einem zweijährigen Verhandlungsmarathon einigte man sich auf einen neuen Kollektivvertrag im Pflege- und Sozialsektor, inklusive einer 2,2-prozentigen Punktewerterhöhung und aufgewerteter Karriere. Pustekuchen! Umgesetzt wurde bis dato nichts davon. Der Minister der „Sécurité Sociale“ spielt alle drei der japanischen Äffchen auf einmal: Er hört, sieht und sagt nichts. Die LCGB machte ihrem Ärger vor dem „Hospice Hamm“ mit einem Protest Luft.

Rentenreform – Tschüss, altes Rentenmodell!

Die Chambre macht Schluss mit dem alten Rentenmodell. Die Deputierten stimmten letzte Woche für die Aufhebung der „préretraite solidarité“. Der Nutzen des Modells sei klein gewesen, so der LSAP-Abgeordnete Fränk Arndt. Jährlich gingen nur 150 Anfragen ein. Wer nicht will, der hat schon! Optimiert und angepasst wird im Gegenzug die Frührente, die auch weiterhin bestehen bleibt. Auch die „préretraite ajustement progressive“ sowie die der Schicht- und Nachtarbeit wollen die Deputierten an die aktuellen Bedürfnisse angleichen.

Space Mining – Galaktische Aussichten

Völlig losgelöst von der Erde schwebt Etienne Schneider, völlig schwerelos – und präsentierte mit „Spiral Global Luxembourg“ die siebte Weltraumfirma, die ihren europäischen Sitz ins Großherzogtum verlegt. Das US-Unternehmen ist auf den Bau von Nano-Satelliten spezialisiert, mit denen man Wettervorhersagen erstellen und Schiffe verfolgen kann. Sie gilt laut dem „Forbes“-Magazin als eins der 25 vielversprechendsten Start-Ups der USA. In den nächsten fünf Jahren schafft die Firma 50 neue Arbeitsplätze. Luxemburg wird überdies durch den „Luxembourg Future Fund“ und mithilfe des europäischen Investitionsfond 15 Millionen Euro beisteuern. Man verspricht sich Dividenden. Für Schneiders Flug zum Mond.

Author: alommel

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