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CinéCritique – „A man called Ove“

Harte Schale, weicher Kern – trotz kitschiger Rückblenden in pastelligen Bildern geht einem die schwarze schwedische Komödie über einen verschrobenen alten Kauz ans Herz.

Zugegeben, die Story klingt nicht gerade vielversprechend. Warum sollte man sich einen Film über einen grantigen alten Mann ansehen, der seine Nachbarn pedantisch überwacht und ihnen in Blockwartmanier nachspürt? Noch dazu, wo dieser eigentlich schon mit dem Leben abgeschlossen hat und sich eigentlich längst umgebracht hätte, wenn die Nachbarn nur nicht so einen Radau machen würden … Gerade wegen ihm und weil Rolf Lassgård die Hauptfigur, den verschrobenen, griesgrämigen „Ove“ so wunderbar spielt!

Hannes Holms Filmadaptation von Frederik Backmans gleichnamigen Roman verdrängte nach seinem Start in Schweden sogar die neue Starwars-Episode von Platz 1. Das lässt sich vielleicht auch damit erklären, dass „A man called Ove“ in einer märchenhaften Filmsprache erzählt ist, die bisweilen an „Die fabelhafte Welt der Amelie“ erinnert.

Der 59-jährige Ove wacht, nachdem er vorzeitig in den Ruhestand versetzt wurde, in seiner kleinbürgerlichen Reihenhaussiedlung über Recht und Ordnung. „Die Durchfahrt ist hier verboten!“ herrscht er durch seine Siedlung Fahrende an, sammelt Zigarettenstummel vom Boden auf oder fischt den Müll angewidert aus der falschen Tonne, um ihn in der richtigen zu entsorgen – ein Spießer par excellence! Und er ist ein Mann mit Prinzipien: Er fährt einen Saab. Niemals würde er einen Volvo oder gar einen Renault fahren! Dass sein Nachbar sich einen BMW kauft, stört ihn so, dass die Freundschaft daran zerbrechen wird. Ove ist nunmal ein Prinzipienreiter, in dessen Leben die täglichen Rituale, wie der morgendliche Kontrollgang zu den Garagen, alles ist, was ihm nach dem Tod seiner Frau Sonja geblieben ist.

Auch die Abwahl als Präsident der Reihenhaussiedlung kann er nur schwer verkraften und so schwelgt er in Erinnerungen an die Vergangenheit. Sein Alltag wird von Lethargie bestimmt. Das merkt er selbst und so beschließt er irgendwann, seiner Frau zu folgen und sich umzubringen. Kein einfaches Unterfangen! Die Schlinge liegt schon um seinen Hals, als die neuen Nachbarn polternd einziehen und erstmal seinen Briefkasten umnieten. Wutschnaubend stürmt er aus dem Haus und macht Bekanntschaft mit Parvaneh (Bahar Pars). Die energische schwangere Iranerin, deren Mann neben ihr wirkt wie ein farbloser Waschlappen, wird den alten Kauz fortan resolut einspannen. Sie lässt sich von seinen Granteleien nicht beeindrucken und legt, indem sie ihm ihre Kinder zum Hüten übergibt oder ihm persisches Essen vorbeibringt, sukzessive seinen weichen Kern frei. Und so kehrt in Oves Alltag über Parvaneh allmählich wieder Lebensfreude ein … Denn die war ihm mit dem Tod seiner Frau Sonja (Ida Engvoll) abhandengekommen, war sie doch die spontane, energische, strahlende Frau an seiner Seite. So geht er täglich an ihr Grab und bringt ihr Blumen, um deren Preis er schonmal knallhart an der Kasse feilscht. Dreimal wird sich Ove die Schlinge um den Hals ziehen und jedes Mal scheitern. Selbstmord ist in der schwarzen Komödie vielleicht ein etwas zu leicht auf die Schultern genommenes Motiv!

Über Rückblenden setzt sich für den Zuschauer Oves Leben puzzlehaft zusammen. Es sind bruchstückhafte Kindheitserinnerungen und die Liebesgeschichte zu seiner Sonja in pastellfarbenen Bildern, die bisweilen leider etwas (zu) kitschig wirken. Doch am Ende dürfte selbst der Letzte dem spröden Charme von Ove verfallen sein. Regisseur Holm macht in seiner schwarzen Komödie klar, wie wichtig zwischenmenschliche Beziehungen gerade für ältere Menschen sind, um nicht zu vereinsamen. – Eine Message, die vielleicht etwas pädagogisch daherkommt, jedoch nichts daran ändert, dass „A man called Ove“ einen in der Seele berührt.

Horaires

A MAN CALLED OVE ★★★★★
Regie: Hannes Holm / mit Rolf Lassgård, Bahar Pars, Ida Engvoll, Zozan Akgün / S 2015, 116 Minuten.

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Author: Philippe Reuter

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