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CinéCritique: Beauty and the Beast

Endlich eine Rolle, die zu ihr passt. In „Beauty and the Beast“ spielt Emma Watson die zauberhafte Belle, die sich in ein haariges Ungeheuer verliebt und gleichzeitig eine Lanze für den Feminismus bricht.

Sie bastelt die erste Waschmaschine der Zeitgeschichte, doch die Dörflerinnen zerstören die Holzvorrichtung, weil sie sich lieber weiterhin Stück für Stück mit ihrer Wäsche abrackern möchten. Sie will einem kleinen Mädchen das Lesen beibringen, wird jedoch daran gehindert, weil Bildung anscheinend gefährlich ist. Belle hat es wirklich nicht einfach. Daher ist gut zu verstehen, wenn sie singt: „I want much more than this provincal life. I want adventure in the great wide somewhere.” Und ja, ihr Wunsch wird erfüllt. Sie wird das Kaff verlassen, die Liebe kennen lernen und in einer derart reichen Bibliothek zu Hause sein, dass sie bis an ihr Lebensende ein Buch nach dem anderen verschlingen kann.

Jeder kennt die Geschichte von „Beauty and the Beast“, doch Bill Condon erzählt sie etwas anders. In seiner Realverfilmung des romantischen Märchenklassikers ist das Darstellerensemble ethnisch überaus vielfältig ausgefallen. Es gibt nicht nur Schwarze, sondern ebenfalls eine homosexuelle Nebenfigur – weshalb der Film in Russland erst ab 16 Jahren freigegeben ist und in einem US-Kino sogar abgesetzt wurde. Zudem ist von der Pest, dem Tod und von einem Krieg die Rede, der vor nicht allzu langer Zeit beendet wurde. Im Mittelpunkt stehen allerdings nach wie vor die hübsche Belle (Emma Watson, beeindruckend) und der Prinz (Dan Stevens), der wegen seiner Arroganz in ein haariges Biest mit schlechten Manieren verwandelt wurde und solange verwunschen bleibt, bis er einen Menschen trifft, der ihn liebt und den er liebt.

Es geht in dem aufwändig inszenierten Musical, in dem Emma Thompson eine Teekanne und Ewan McGregor einen Kerzenleuchter spielt, demnach vor allem um die Kraft die Liebe. Sie macht aus hässlichen Wesen schöne Kreaturen, verleiht ängstlichen Menschen Flügel und besiegt alles Böse. In „Beauty and the Beast“ ist dieses Böse die Engstirnigkeit der Provinz, die Selbstverliebtheit von Gigolo Gaston (Luke Evans), der vor nichts zurückschreckt, um seinen Willen durchzusetzen, und die Angst vor dem, was fremd ist. In diesem Sinne ist Bill Condons Neuadaptation ein Plädoyer für mehr Fortschritt und vor allem mehr Miteinander. Ob Sechsjährige diese Botschaft verstehen, bleibt allerdings fraglich.

Für alle Kleinen, die weder Jean Cocteaus surreale und recht düstere Version aus dem Jahr 1946 noch Disneys Zeichentrickfilm von 1991 kennen, ist das „Beauty and the Beast“ in erster Linie ein vergnüglicher Spaß. Die Kostüme und das Dekor sind prachtvoll, die Massenszenen grandios choreografiert. Die Schauspieler singen alle hervorragend. Die Tanzeinlagen sprühen vor Energie. Zudem sind die Hauptlinien der Geschichte nicht kompliziert gestrickt. Und dann Emma Watson. Endlich hat die Hermine aus der „Harry Potter“-Saga eine Titelrolle, die zu ihr passt. Sie ist zwar keine perfekte Schönheit, strahlt als Belle indes eine unwiderstehliche Lebensfreude aus. Und da die Schauspielerin auch jenseits der Leinwand als klug und selbstbewusst bekannt ist, nimmt man ihr den Part einer wissbegierigen und aufopferungsvollen jungen Frau vorbehaltlos ab.

Und wenn sie nicht gestorben sind… Selbstverständlich ist und bleibt „Beauty and the Beast“ – ungeachtet des feministischen Anhauchs – ein zauberhaftes Märchen mit Happy End. Das Monster und die zu Haushaltswaren verwandelten Schlossbewohner nehmen erneut menschliche Gestalt an, der Fluch ist gelöst, bevor die Rose ihr letztes Blütenblatt verliert, und alle tanzen vor Glücksseligkeit. Trotzdem: Was hängen bleibt, ist das Bild einer Heldin, die ganz genau weiß, was sie will und was Recht ist. Allein für diese Gradlinigkeit verdient der Film höchstes Lob.

Horaires

Beauty and The Beast ★★★★
Regie: Bill Condon / mit Emma Watson, Dan Stevens, Luke Evans, Kevin Kline / USA 2017 / Kinepolis

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressort: Kultur

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Author: Philippe Reuter

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