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CinéCritique: Macbeth

Macbeth – ist eine düstere Abhandlung über Krieg und Verderben. Die jüngste Filmadaptation des Bühnenstoffs ist ein blutrauschender Hollywood-Film.

Shakespeares’ „Macbeth“ wurde tausende Male auf die Bühne gebracht und zigmal verfilmt. Jedes Bühnenstück erwartet man mit Spannung und fragt sich, wie die Figur Macbeth interpretiert wird – ob als machtgieriger Despot oder zerbrechlicher Schwächling, der von dem Rat seiner Frau abhängig ist. Mal wirkt Macbeth klug und überlegen, mal durch und durch verwirrt und kindisch. Shakespeare hatte seine Figur bewusst vielschichtig angelegt. Als solche interpretiert sie auch der australische Regisseur Justin Kurzel in seiner Filmadaptation. Michael Fassbender in der Hauptrolle des Macbeth ist ein durch und durch zerrissener Machtmensch, der peu à peu dem Größenwahn verfällt. Nach außen hin stark, doch nach seinem gewaltsamen Aufstieg zum König zerfressen von Schuldgefühlen und Paranoia.

Kurzel’s Hollywood-Macbeth-Verfilmung feierte bereits bei den Filmfestspielen in Cannes im vergangenen Jahr Premiere und spaltete die Gemüter. Vor allem Theaterbesucher zeigten sich enttäuscht von seinem nicht gerade verstreuen Film. Denn Regisseur Kurzel setzt auf eine naturalistische Variante, in der das Blut nur so spritzt: archaische Bilder und blutige Schlachten vor der rauen Kulisse Schottlands bestimmen seinen Film. Eine Schlacht folgt auf die Nächste – an dem blutigen Gemetzel bärtiger Männer im Matsch kann man sich berauschen, oder eben auch nicht. Denn nach nur zehn Minuten des fast zweistündigen Films wirken die – zum Teil in Zeitlupe – in England und Schottland gedrehten Aufnahmen der martialischen Schlachten auch schon monoton. Metrologisch raue Verhältnisse wie peitschender Regen und Sturm unterstreichen die düstere Atmosphäre, die trotzdem erstaunlich künstlich wirkt.

Immerhin eine neue Idee fügt der Regisseur dem Film bei: In der Anfangsszene tragen Macbeth und seine Frau im Nebel ihr Kind zu Grabe – ein erfundenes Detail, das in Kurzels Macbeth zum Schlüsselmoment des Filmes wird. Denn sein Macbeth leidet ganz offensichtlich an seiner Kinderlosigkeit. Der Preis, den seine Frau zahlte, hatte sie doch in einer christlichen Kapelle dunkle Mächte aufgerufen, sie zu „entweiben“. „Nimm alles Weiche, Mitleidige. Entweibe mich!“ beschwört sie die dunklen Mächte und ihre Beschwörungsformeln werden funktionieren. Lady Macbeth wird ihrem Mann keinen Thronfolger gebären. Wenn er am Ende besiegt fällt, bleibt nichts zurück. Während das Kind seines Feindes das Schwert in der letzten Schlacht an sich reißen wird.

Der historische Stoff ist bei Kurzel greifbar. So etwa durch die mittelalterlich imposante Kulisse und die opulenten Kostüme; die filmtechnischen Spielereien und Elemente wie etwa ein Rotfilter, der über alle Schlachtaufnahmen gelegt wird, stören jedoch nur.

Ein Spannungsbogen entsteht gar nicht erst, obwohl der australische Regisseur Shakespeares Tragödie in groben Zügen nacherzählt. Wenn dem zukünftigen Machthaber zu Beginn des Films drei Seherinnen erscheinen, die ihm prophezeien, dass er der künftige König von Schottland wird, entbehrt die Szene jeglicher Magie.

Allein Marion Cotillard kann halbwegs in der ihr zugewiesenen Rolle der Lady Macbeth durch ihr ehrgeiziges Mienenspiel überzeugen, das sie zwischen zerbrechlicher Heiliger und maliziös-berechenbarer Herrscherin zeigt. Und doch wirkt auch ihre Rolle in Kurzels „Macbeth“ arg überästhetisiert, ihre Rolle als blutleckende Herrscherin, die sich irgendwann aus Gewissensbissen das Leben nehmen wird, weil sie ihren Mann und seine Grausamkeiten nicht mehr erträgt, wirkt meist gekünstelt. Genau darin liegt wahrscheinlich das größte Versäumnis dieses Films, dass er mit Cotillard und Fassbender ganz und gar auf zwei starke Hauptfiguren setzt, die jedoch holzschnittartig bleiben und den Zuschauer nicht berühren. Was bleibt, sind Eindrücke von blutrauschenden Bildern brüllender bärtiger Männer. Ein kurzweiliges Kinoerlebnis.

Laufzeiten

Macbeth ★★★★★
Regie: Justin Kurzel / mit Michael Fassbender, Marion Cotillard, David Thewlis / GB/FR/USA / 113 Minuten.

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Author: Philippe Reuter

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