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CinéCritique: Race

Race – über die US-amerikanische Leichtathletiklegende Jesse Owens ist ein seichtes Biopic, das sich allein wegen der Lebensgeschichte des Athleten lohnt.

Am 25. Mai 1935 brach Amerikas Legende James Cleveland „Jesse“ Owens trotz einer Beinverletzung beim Leichtathletik-Meeting „Big Ten“ im Stadion der Universität in Arbor/Michigan fünf Weltrekorde an einem Tag. Nur ein Jahr später schrieb er erneut Sportgeschichte, als er binnen einer Woche bei den Olympischen Spielen in Berlin 1936 vier Goldmedaillen über 100m, 200m, 4x100m und im Duell mit dem Deutschen Luz Long im Weitsprung abräumte.

Zugleich setzte Owens ein Zeichen gegen die Rassenpolitik der Nationalsozialisten, die die Olympiade als pompöse Propagandaveranstaltung inszenierten und den internationalen Sportwettbewerb benutzten, um das NS-Regime positiv im Ausland darzustellen. Leni Riefenstahl hat dies in ihrem Propagandafilm „Olympia“ (1938) eingefangen. Hitlers Vorstellungen von der Überlegenheit der „arischen Rasse“ wurde durch Owens Siege in Berlin ad absurdum geführt. Und noch eine weitere Begebenheit sollte die Weltöffentlichkeit verblüffen: Während der Olympiade schloss er mit seinem deutschen Kontrahenten im Weitsprung Lutz Long eine Freundschaft – ein Eklat für die Truppe rund um die Ehrengarde der NS-Funktionäre, heißt es doch, dass Hitler sich geweigert hätte, dem afro-amerikanischen Athleten die Hand zu schütteln, wutschnaubend das Stadium verließ und Lutz Long von höchster Stelle bedeutet wurde, „nie wieder einen Neger zu umarmen“.

Der US-amerikanischen Beteiligung an den Olympischen Spielen in Berlin war eine Polemik über einen möglichen Boykott vorausgegangen, denn man wusste zu dem Zeitpunkt schon von der Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten. Der Streit um Teilnahme oder Boykott bildet in „Race“ den Rahmen für den ansonsten – in weiten Teilen – kitschig-konventionellen Film über die Leichtathletiklegende. Jeremy Irons spielt den aufbrausenden Präsidenten der „Athletic Union“ (AAU), Avery Brundage, der sich mit Verve für eine US-amerikanische Teilnahme an den Spielen einsetzte, um dort zu zeigen, dass das freiheitliche amerikanische System dem Faschismus überlegen sei. Auf der Jahreshauptversammlung der „Amateur Athletic Union“ sollte im Dezember 1935 über die Olympiateilnahme der USA entschieden werden. Die Befürworter setzten sich knapp gegen die Boykott-Unterstützer durch.

Doch zunächst werden die Lebensetappen des aus ärmlichsten Verhältnissen stammenden Owens, der den „american dream“ eben nur bedingt leben konnte, nachgezeichnet und gezeigt, wie er sein Studium in Ohio antritt und ungelenk bei seinem künftigen Trainer Larry Snyder (Stephan James) vorstellig wird.

Der Film macht klar, dass Owens Zeit seines Lebens auf knochenharte Jobs angewiesen war, um sein Studium zu finanzieren. Getrennte Eingänge, Restaurants und Busplätze waren in den 30er und 40er Jahren in den USA noch an der Tagesordnung. Selbst beim Empfang nach der Olympiade musste Owens das Hotel durch den Dienstboteneingang betreten. Stephan James überzeugt in der Hauptrolle des schikanierten schwarzen Leichtathleten. Die Darstellung von NS-Deutschland, in dem etwa auch Leni Riefenstahl und ein lethargischer Joseph Goebbels, auftreten wirkt allerdings geradezu grotesk. (Schlechter hätten die Rollen wohl kaum besetzt werden können!) Und doch ist „Race“, das sowohl „Rasse“ wie auch „Rennen“ bedeutet, allein wegen Owens‘ Lebensgeschichte, ein sehenswerter Film, der das Dilemma des Leichtathleten, der sich allein beim Laufen wirklich „frei“ fühlen konnte, gut veranschaulicht. Im Abspann erfährt man, dass selbst das Weiße Haus ihm Zeit seines Lebens die Anerkennung für seine sportlichen Leistungen verweigerte.

Laufzeiten

Race ★★★★★
Regie: Stephen Hopkins / mit Stephan James, Jeremy Irons, Jason Sudeikis / F/D/CDN 2016 / 134 Minuten.

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Author: Philippe Reuter

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