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Coup de Coeur: Groovy

In unserer Serie „Coup de coeur“ verraten wir Ihnen diese Woche, warum Slam-Poet Luc Spada seinen ersten Monolog auf das Album „One Foot In The Grave“ von Beck Hansen geschrieben hat.

Fotos: Editions Guy Binsfeld, Heiko Riemann

Herr Spada, was ist an Pop-Dandy Beck Hansen derart faszinierend?
Der Groove, die Leichtigkeit und Melancholie, die Ernsthaftigkeit und das Trashige, das Ruhige, Kitschige und Romantische, die humorvolle Lust an der Hoffnungslosigkeit, Endlichkeit. Die tanzbare Musik, die aber immer kurz vor der Schlucht steht, die weit nach unten ins Nichts führt. Seit ich denken kann, gibt es Beck Hansen in meinem Leben. Und mir gefällt, dass er auch der Sänger für verpickelte, hässliche und gemobbte Schüler wie mich war.

Das Album „One Foot In The Grave“ ist nicht bei einem Majorlabel erschienen, weil es anscheinend nicht ins Unterhaltungskonzept der Musik-industrie passt. Trotzdem bezeichnen Sie es als Ihr Lieblingsalbum?
Ja, ich bin halt nicht die Unterhaltungsindustrie. Ich habe meinen ersten Monolog „Wenn nicht ich, wer denn sonst?“ nahezu integral „auf“ dieses Album geschrieben. Es ist mein Lieblingsalbum, weil es sich einen Scheiß darum schert, irgendwas „zu erfüllen“. Das hat immer sehr erfrischend auf mich gewirkt und mich wahrscheinlich sehr geprägt, die Dinge so anzugehen, wie ich es für richtig halte. Nicht im Sinne von „ich mache einfach irgendwas, und schon ist es Kunst“, sondern eher so wie „ich lasse mir da nicht reinquatschen, und wenn es dir nicht passt, beschäftige dich halt nicht mit mir“. Das hat Beck mir „beigebracht“, ohne dass er es weiß.

Stört es Sie nicht, dass Beck Hansen Mitglied der Scientology-Sekte ist?
Ich habe das erst später herausgefunden, und da hat es mich schon ein wenig genervt. Obwohl ich eigentlich recht wenig über diese Scientologen weiß. Es gibt viele Leute, die mir bereits sagten, dass das so gar nicht geht, aber ganz ehrlich, wer sind wir, dass wir jedem ins Gewissen reden, wie er leben soll. Wir kaufen T-Shirts von H&M, tippen auf Handys rum, die teilweise durch Kinder und unter erbärmlichen Bedingungen zusammengebaut werden … Was ist jetzt richtiger, was falscher? Keine Ahnung. Mittlerweile stört es mich nicht, und ich glaube, hätte ich die Chance, mich mit ihm zu treffen, würde er nicht versuchen, mich zu überreden, Scientologe zu werden.

Haben Sie Beck Hansen schon mal live erlebt?
Ja, zwei Mal. In Berlin und Luxemburg, letztes Jahr zuletzt. Und ich bin rumgehüpft wie ein verrückter Fanboy, habe die Texte mitgesungen, es war fantastisch.

Beck Hansen schert sich nicht um Konventionen und liebt absurde Textcollagen – Sie auch. Gibt es weitere Gemeinsamkeiten?
Hätte ich die Möglichkeit, mich mit ihm auf einen Espresso (oder Crémant) zu treffen, könnte ich Ihnen mit Sicherheit von weiteren Gemeinsamkeiten erzählen. Aber ja, absurde Textcollagen, wenn man es so nennen will, und eine gewisse Anti-Haltung gegenüber Konventionen liegt uns beiden ganz gut. Ey, wie das klingt. Als würden wir uns kennen.

Luc Spada

Jahrgang 1985, hat in zahlreichen Filmen und Theaterstücken mitgespielt und tourt seit mehr als fünf Jahren mit diversen Bühnenprogrammen durch Luxemburg, Deutschland, Österreich und die Schweiz. Im Oktober 2010 ist Luc Spada mit dem Künstlerstipendium der Landesvertretung Nordrhein-Westfalens in Berlin ausgezeichnet worden. Nach „Abführung der lebenswichtigen Mittelmäßigkeit“ ist der Gedichtband „Fass mich an“ das zweite Buch beim Verlag Guy Binsfeld.

Zum Album
Mit „Loser“ schreibt Beck Hansen 1994 einen Welthit und wider Willen die Hymne der Generation X. Seitdem gilt der Kalifornier als Stil-Chamäleon, der virtuos in allen Sparten wildert. Von dem Album „One Foot In The Grave“ heißt es, dass der Musiker mit den von Oktober 1993 bis Januar 1994 aufgenommenen Songs sein wahres Gesicht zeigt, weil sie sich durch ihren Low-Fidelity-Charakter deutlich vom Loser-Genre abhebt. Was aber auch bedeutet, dass die Musik eigenständiger, schräger und nicht so leicht zu verdauen ist.

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressorts: Kultur, Kunst, Land & Leute

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Author: Martine Decker

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