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Das Auto aus der Streichholzschachtel

„Matchbox“ ist weltweit und seit mehreren Generationen ein echter Begriff, wenn von kleinen Modellautos die Rede ist. Seit fast 40 Jahren sammelt Jean Birsens die bekannten Renner aus der „Streichholzschachtel“. Aus seiner Sammelleidenschaft ist mittlerweile sogar ein Museum entstanden.

„Das Ganze ist ein bisschen ausgeartet“, gibt Jean Birsens lachend zu. „Jedes Matchbox-Modell, das ich entdecke, probiere ich zu ergattern. Mein Gedanke ist ganz einfach: Ich muss diese Autos retten. Sie sind einfach zu schade, um nur damit zu spielen.“

Als wir gemeinsam den Dachboden betreten, bin ich zuerst sprachlos. Zwischen zahlreichen Vitrinen und Kisten verliere ich komplett den Überblick über die Unmenge an wertvollen Schätzen. Ein Elefant im Porzellanladen, der zusätzlich den Kopf einziehen muss, denn auch an der Decke hängen zahlreiche Spielzeugmodelle aus verschiedenen Epochen. Ich folge meinem Gast mit äußerster Vorsicht, nicht aber ohne Begeisterung. Ich fühle mich fast wie in Ali Babas Höhle, wo jeden Augenblick neue Raritäten erscheinen.

9-PR2_9098„Mit 15 Jahren habe ich ganz intensiv mit dem Sammeln angefangen“, erinnert sich Jean. Fast 40 Jahre später haben sich mehr als 11.000 Modelle angehäuft. „Ich bin das zweitjüngste von fünf Kindern und als kleiner Junge bekam ich immer nur den Schrott meiner älteren Geschwister“, sagt er amüsiert. „Wenn mir meine Mutter dann ausnahmsweise ein neues Spielzeugauto kaufte, bin ich immer sehr sorgfältig damit umgegangen. Ich habe zum Beispiel nur auf dem Teppich damit gespielt und das Modellauto ansonsten in meiner Hosentasche aufbewahrt, damit es ja nicht beschädigt wird.“

Ich besitze alle existierenden Modelle. Es fehlen mir vielleicht noch einige Farbvarianten. Jean Birsens, Matchbox-Sammler

14-PR2_9131Ab 1953 produziert die englische Firma „Lesney“ die ersten Matchbox-Spielzeugautos. Der Name inspiriert sich an den Verpackungen, in denen die Automobile verkauft wurden und die sehr stark den damaligen Streichholzschachteln ähnelten. Über Jahrzehnte produzierte die Firma alljährlich eine aus 75 Modellen bestehende Modellauto-Serie. 2013, zum 60. Geburtstag der Kultmarke, waren bereits mehr als drei Milliarden Fahrzeuge seit der Gründung produziert worden.

„Ich besitze alle existierenden Modelle, die in England zwischen 1953 und 1980 produziert wurden. Es fehlen mir vielleicht noch einige Farbvarianten“, betont der passionierte Sammler ganz stolz. „Ich habe das vollständige Register im Kopf. Ich weiß zu 95 Prozent, welche Exemplare mir noch fehlen. Das sind relative teure Raritäten, aber ich bin geduldig. Irgendwann kommt immer der richtige Augenblick, in dem man findet, was man sucht, ohne sein Budget zu sprengen. Das teuerste, das ich mir je geleistet habe, war eine leere Matchbox-Originalverpackung für 86 Euro.“

Jean Birsens ist eigentlich ständig auf der Suche, von einer Sammlerbörse zum nächsten Matchbox-Treffen. Oder die Amateure der weltbekannten Spielvehikel finden den Weg zu ihm, wenn sie sich aus persönlichen Gründen irgendwann entscheiden, sich von ihren kostbaren Miniaturfahrzeugen zu trennen. Und so füllt sich, nach und nach, der Speicher bis zur Decke. „Ich probiere halt immer noch eine kleine Ecke zu finden, aber irgendwann muss ich mir Gedanken über den Ausbau des Dachbodens machen.“

Mit 15 Jahren habe ich ganz intensiv mit dem Sammeln angefangen. Jean Birsens, Matchbox-Sammler

11-PR2_91192003 hatte er regelrecht einen „coup de cŒur“ für ein charmantes Haus im Mullerthal. Besonders der geräumige Dachboden hatte es ihm angetan. „Beim ersten Anblick habe ich meiner Frau gesagt: Hier richte ich mein Museum ein.“

Hier ist alles nach System geräumt und gelagert, auch wenn dies auf den ersten Blick eher unwahrscheinlich klingt. Es kommt mir vor, als würden verschiedene Automodelle sogar mehrmals in derselben Vitrine stehen, bis ich mich den Miniaturen nähere und sie genau unter die Lupe nehme. Zwischen zwei fast identischen Modellen gibt es manchmal nur eine minimale Variation, die für den Matchbox-Experten den Unterschied macht. Ganz besonders stolz ist Jean Birsens auf die Fahrzeuge, die er als „Prepro“ bezeichnet. Es handelt sich hier um eine Art Prototyp. „Es sind Modelle, die nie produziert wurden und eigentlich nur zur internen Präsentation dienten, dann aber leider aus diversen Gründen abgeschoben wurden. Da muss man schon einige gute Beziehungen haben, um an solche Raritäten zu gelangen.“

8-PR2_9089Seine Ehefrau Meg ist übrigens auch mit dem Sammelvirus infiziert. Seit 1995 steckt sie ihre Leidenschaft vor allem in englische Blechdosen. Über 1.600 stapeln sich mittlerweile zwischen den Matchbox-Raritäten. Anders kann es ja kaum sein, auch wenn der Speicher so derartig gefüllt ist, dass er fast aus allen Nähten platzt. „Hätte mich meine Frau nicht unterstützt und wäre sie nicht selbst eine leidenschaftliche Sammlerin, dann hätte ich wahrscheinlich keine Frau“, gibt Jean Birsens lachend zu. Nachwuchs gibt es übrigens auch. Jeans Tochter Alana ist jetzt schon bereit, die Leidenschaft und die Sammlung ihres Vaters später weiter am Leben zu erhalten.

Fotos: Philippe Reuter

Mehr Informationen:
Wenn Sie Jean Birsens Museum in Hinkel besuchen möchten, können Sie gerne einen Termin mit dem begeisterten Matchbox-Sammler vereinbaren: meckjangalana@gmail.com

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Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

Author: Philippe Reuter

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