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Das dicke Ende?

Die Corona-Krise drückt auf die Wirtschaftlichkeit der Betriebe, und das ganze Ausmaß der Pandemie wird sich wahrscheinlich erst in einigen Monaten in aller Deutlichkeit zeigen. Hiobsbotschaften gab es in den letzten Wochen einige. Egal ob bei ArcelorMittal (der viertgrößte Arbeitgeber des Landes) oder bei Saint-Paul. Der Stahlgigant hat bekanntlich angekündigt, rund 570 Arbeitsplätze hierzulande abbauen zu wollen. Die Führung von Arcelor führt die Corona-Krise und das schwächelnde Geschäft als Grund für den personellen Aderlass an. Noch wird verhandelt, wie der Personalabbau genau über die Bühne gehen soll.

Bei der Luxair (siebtgrößter Arbeitgeber in Luxemburg) hat der neue starke Mann Gilles Feith ebenfalls mehr als nur ein bisschen mit dem Säbel gerasselt. Er hat einen Aktionsplan vorgelegt, der Personalabbau sowie das Streichen von sozialen Errungenschaften vorgesehen hatte. Der 44-Jährige zog sich mit dem angedachten sozialen Kahlschlag allerdings den Unmut der Gewerkschaften, die im Vorfeld der Flug-Tripartite von letztem Donnerstag lautstark ihren Ärger über die unterbreiteten Sparpläne äußerten, auf sich. Nach der Tripartite zeigten sich die Gewerkschaften bedingt zufrieden, weil man eine Beschäftigungsgarantie erhielt. Die Frage ist, wie lange diese Bestand hat.

Unter dem Deckmantel der Pandemie dürfen keine Stellen abgebaut werden.

Eines muss im Zuge der Krise auf jeden Fall verhindert werden: dass unter dem Deckmantel der Pandemie in Betrieben Stellen abgebaut werden, die später, wenn die Corona-bedingte wirtschaftliche Talfahrt durchschritten ist, wieder neu besetzt werden mit neuen Arbeitskräften, womöglich für einen niedrigen Lohn. Diese Idee könnte in den Köpfen einiger Manager verlockend klingen, allerdings wäre so ein Vorgang höchst asozial. Denn dass die Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten weiter steigen wird, scheint auch ohne solche von Bauernschläue geprägte Tricksereien unausweichlich. Hier haben sowohl die Gewerkschaften als auch der Staat eine gewichtige Rolle zu spielen und sie müssen vor allem, aber nicht nur, den größeren Betrieben genau auf die Finger schauen.

Entscheidender Faktor in Sachen Arbeitslosigkeit wird letztendlich sein, wie schnell sich die Wirtschaft wieder erholt und normale Betriebstemperatur erreicht. Und sollte dies länger dauern als bisher gedacht, wird das Instrument der Kurzarbeit ein umso wichtigerer Faktor.

Allerdings gibt es auch Hoffnungen, dass es nicht ganz so düster kommt wie viele glauben. Die Stiftung Weltwirtschaftsforum glaubt nämlich, dass die richtigen Maßnahmen sogar für einen Job-Boom sorgen könnten. Laut Forum wären vor allem im Bereich der nachhaltigen Entwicklung die Chancen groß, dass weltweit bis ins Jahr 2030 rund 395 Millionen entstehen könnten. Mit Ideen, welche der Natur und der Ökologie zugute kommen, könnten bis zu 8,77 Billionen Euro gemacht werden. Bleibt abzuwarten, ob der Schritt der Wirtschaft in diese Richtung geht oder aber schnell wieder alte Verhaltensmuster auf der Tagesordnung stehen.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Philippe Reuter

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