Als Großherzogin Charlotte im April 1945 aus ihrem Exil in London und den USA nach Luxemburg zurückkehrt, wird sie als Symbol für die Unabhängigkeit des Landes und dessen Widerstand gefeiert. Es hätte auch anders kommen können. Pierre Bertogne, Tony Krier, Photothèque VdL, Ute Metzger
Es muss die schwierigste Entscheidung in ihrer 45-jährigen Amtszeit gewesen sein. Als Hitlers Truppen im Frühjahr 1940 Luxemburg zu vereinnahmen drohen, ist Großherzogin Charlotte zwar darauf gefasst, das Land zu verlassen. Aber damit, dass dieser Alptraum wirklich wahr wird und die Koffer Hals über Kopf gepackt werden müssen, hat niemand wirklich gerechnet. In Ray Tostevins Dokumentarfilm „Léif Lëtzebuerger“ erzählt Paul Margue, Sohn des damaligen Erziehungsministers Nicolas Margue, wie seine Familie versucht hat, das Land mit Hilfe eines Taxis zu verlassen. „Der Regierung stungen nëmmen dräi Dingschtween zur Verfügung, mir hu misse mat engem Taxi flüchten, mee well de Chauffeur net bereet war, iwwert d’belsch Grenz ze fueren, si mir net weiderkomm.“
Der großherzoglichen Familie und fünf Ministern gelingt indes die Flucht – zunächst nach Frankreich, weiter über Spanien nach Portugal, wo Prinz Félix und die Kinder an Bord des US-amerikanischen Kriegsschiffes „Trenton“ in die USA reisen. Großherzogin Charlotte fliegt derweil – als Gast der britischen Regierung und des Königshauses – nach London. Dieser Schritt wird ihr von vielen Landsleuten übel genommen. Sowohl die Luxemburger Verwaltung als auch das Volk fordern, dass sie zurückkommt, doch die Großherzogin zögert: „Mon coeur dit oui, mais ma tête dit non.“
Den Fehler, den ihre Schwester gemacht hat, würde Großherzogin Charlotte nicht wiederholen.
Hätte sie es sich anders überlegt, wäre Luxemburg heute kein unabhängiges Land, gäbe es keine Monarchie mehr. Davon sind die meisten Historiker überzeugt. Nur dadurch, dass Großherzogin Charlotte ins Exil geht und sich in diesem Exil für die Befreiung des Landes stark macht, wird eine noch größere Katastrophe abgewendet. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die BBC-Reden, die jeden Sonntagmorgen ausgestrahlt werden und in denen die Großherzogin den Luxemburgern Mut zum Durch- und Aushalten zuspricht, und vor allem ihr Plädoyer für die Zwangsrekrutierten. „Si huet geschwat wéi eng Mamm. Wéi eng bestuete Fra. An dat huet si bei de Lëtzbuerger sou beléift gemaach“, betont Widerstandskämpfer Aloyse Raths, ein weiterer Zeitzeuge und Interviewpartner von Ray Tostevin.




War die Entscheidung, ins Exil zu gehen, die richtige?






