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Der Barfuß-Kick

Unter den Wassersportarten ist Barefooting noch relativ unbekannt. Jesus machte es laut Bibel vor und beim Barfuß-Wasserski ahmen die Sportler die Geste nach. Mit dem kleinen Unterschied, dass Jesus gemächlichen Schrittes übers Wasser ging, während man beim Barefooting mit mindestens 70 Kilometern pro Stunde darübergleitet.

Fotos: Tania Feller (Editpress)

Barfuß-Wasserski sieht für Außenstehende ziemlich einfach aus… ist es aber nicht. „Barefooting ist die Königsdisziplin unter den Extrem-Wassersportarten”, erklärt Jérôme Stoffel, Vizepräsident des Wasserskiclubs Ehnen. Und so trauen sich auch nur die besten Wasserskier, Wakeboarder oder Wakesurfer an diese Disziplin heran. Die Sportart, die in Florida äußerst popluär ist, wird in Luxemburg von neun Männern und einer Frau betrieben. „Die Geschwindigkeit macht den meisten einfach Angst, das Boot, das einen zieht, muss mindestens 70 km/h fahren, damit es überhaupt möglich ist, barfuß auf dem Wasser zu gleiten. Entsprechend tut jedes Hinfallen auch weh”, weiß Marco Wester, Präsident des Clubs.

Aber wie funktionniert Barefooting eigentlich? Neben der benötigten Geschwindigkeit, um die Fußsohlen zum Ski-Ersatz mutieren zu lassen, spielen die Temperatur des Wassers und auch das Wetter eine entscheidende Rolle. „Das Wasser darf auf keinen Fall zu kalt sein. Bei Regen und Wind ist es sowieso unmöglich zu fahren, da man bei der geringsten Welle baden geht. Im Sommer, wenn das Wasser schon etwas aufgeheizt ist, fällt man wie ins Gras”, sagt Marlon Laplume.

Ein Wettbewerb wird zwar derzeit in Luxemburg mangels Barefooter-Sportler nicht ausgetragen. Wenn es zu einem Wettkampf kommt, stehen drei Disziplinen an der Tageordnung: Slalom, Trick und Jump. Beim Slalom muss der Sportler die Heckwelle des Bootes möglichst oft innerhalb von zwei 15-Sekunden-Einheiten überqueren. Beim Trick-Wettbewerb geht es um Koordination und Kreativität, wobei jedem Fahrer freigestellt ist, welche Kunststücke er vollführen möchte. Die schwierigste und spektakulärste Disziplin ist der Jump-Wettbewerb. Der Rider wird bei einer maximalen Geschwindigkeit von 72 Kilometern pro Stunde über eine Rampe gezogen, um möglichst weit zu springen. Eine solche Rampe gibt es in Luxemburg nicht, dafür muss man schon ins Ausland reisen.

„Barefoot ist etwas für Verrückte, nur für die, die den absoluten Adrenalin-Kick suchen.“ Marlon Laplume, Barefooter

1973 standen die ersten Luxemburger auf dem Wasser, um genau zu sagen auf der Mosel und probierten sich am Barfuß-Fahren aus. Einer der besten luxemburgischen Barfuß-Wasserski-Fahrer Marc Linden stürzte 2012 bei einer Fahrt so schlimm, dass er aus Gesundheitsgründen den Sport nicht mehr ausüben kann: „Wenn ich noch einmal stürze, bin ich querschnittsgelähmt. Das ist mir der Kick nicht wert. Als ich mich damals verletzte, war ich müde, doch diese Sportart verlangt äußerste Konzentration, und jeder klitzekleine Fehler wird mit einem Hinfallen bestraft.”

Die meisten Fahrer sehen diesen Sport eher als Fun an und sind froh, sich überhaupt einige Minuten barfuß über Wasser halten zu können: „Barefoot ist etwas für Verrückte. Nur Wassersportler, die auf der Suche nach dem absoluten Adrenalin- Kick sind, sind von dieser Extremsportart fasziniert”, bemerkt Marlon, der die jungen Sportler anlernt. „Da dieser Sport eine gewisse Geschwindigkeit benötigt, muss der Kopf den Füßen das ‚Go‘ erteilen. Überlegt man zu viel, liegt man schon wieder im Wasser”, stellt der jüngste Barfootskier Mathis Krier fest.

Jeder Barefooter erlebt beim Erlernen einige Stürze, manche mehr, andere weniger schmerzhaft, und gerade deshalb trauen sich wohl nicht viele an diese Sportart heran. „Es kommt noch dazu, dass alle Wassersportarten ziemlich teuer sind, wir müssen ja die Boote bezahlen und auch die Location instand halten. Eine Minute mit dem Boot kostet 1,40 Euro für erwachsene Clubmitglieder”, erläutert Jérôme Stoffel.

Eins ist sicher: Auf dem Ehnen Beach geht es vor allem um den Spaßfaktor. Es handelt sich um eine große Familie, die es genießt, Sport mit dem Schönen zu verbinden. Jeder kann vorbeikommen und sich an den verschiedenen Sportarten versuchen. Danach sollte man sich jedoch eine Mitgliedskarte zulegen.

www.ehnenbeach.lu

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Author: Philippe Reuter

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