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Der Eiermann

Der Mensch isst – statistisch gesehen – täglich ein Ei, ob als Ganzes oder in anderen Lebensmitteln versteckt. Der Geflügelbauer Christophe Arend erzählt mehr über das Geschäft mit den Hühnern und Eiern. Dahinter verbirgt sich nämlich viel Arbeit.

Fotos: Anne Lommel

Morgens früh um sechs in Niederwampach: Alles ist still. Nur im Haus der Familie Arend-Diederich tut sich etwas. Hier beginnt nun ein langer Arbeitstag. Im Familienbetrieb packt jeder mit an. „Meine Mutter Marie-Claire kümmert sich um die Komptabilität, mein Vater Rob und meine beiden Brüder helfen dort, wo Not am Mann ist. Zudem beschäftigen wir vierzehn Leute in unserer Geflügelfarm“, erklärt Christophe, der den Betrieb mit seinem Bruder Jacques leitet. Bei 25.000 Legehühnern häuft sich die Tagesarbeit.

Jahrzehnte lang lebte der Bauernhof vom reinen Milchviehbetrieb. Nach und nach kamen Truthähne und Masthähnchen hinzu. Immer mehr Menschen wurden auf diese aufmerksam. Aber vor allem die Eier kamen gut an: „Wir gaben unseren Nachbarn und Freunden immer mal ein paar Eier ab. Die Nachfrage wurde immer größer und mein Vater wollte mit dem Milchviehbetrieb aufhören.“ 2000 wurde folglich die Milchproduktion komplett eingestellt und zwei Ställe für 9.000 Hennen aufgebaut. Danach wurden die bestehenden Milchviehställe in Legehennen-Ställe umgebaut und 2012 noch eine weitere Halle errichtet. Zurzeit finden 25.000 Hühner in sechs Ställen ihr Zuhause. Der „Gefliggelhaff“ produziert und verkauft auch noch andere Produkte, jedoch liegt der Hauptfokus auf den Eiern.
„Wir bestellen die Legehühner in Belgien, sie haben 17 Wochen, wenn sie bei uns ankommen. Es handelt sich um eine bestimmte Rasse Huhn. Sie sind wie Spitzensportler, nur im Eierlegen. Zu Beginn legen sie jedoch noch keine Eier. Sie müssen sich zuerst einmal eingewöhnen und sich zurechtfinden“, erklärt der 28-Jährige. Einen wirklichen Bezug baut Christophe nicht zu seinen Tieren auf, da es einfach zu viele sind und er hauptsächlich schaut, dass sie gesund sind und sie es gut haben. Manchmal verirrt sich auch ein Hahn unter den Hühnern: „Bei der Aussortierung der weiblichen Küken kann auch Mal ein männliches durchrutschen. Auch kann sich jedes 15.000. Huhn durch eine bestimmte Genzusammensetzung zum Hahn umwandeln“. Die Arends behalten die Hähne nur solange bei sich, bis die Hühner anfangen fruchtbar zu werden, um sie zu beruhigen und zu führen. Danach werden sie abgegeben, damit die Eier nicht befruchtet werden können.

Die Hühner bekommen ihr Essen und Trinken durch automatisierte Futtervorrichtungen. Die Nahrung beruht auf pflanzlicher Basis. Die Ställe werden jeden Tag ein- bis zweimal kontrolliert. Damit die Hühner überhaupt Eier legen, muss die Umgebung vor allem trocken sein.
Christophs Hühner legen fast jeden Tag ein Ei, die Rate liegt bei 93 Prozent. Hennen legen zu Beginn ihrer Legephase relativ kleine Eier. Im Laufe der ersten Wochen nimmt das durchschnittliche Gewicht immer weiter zu. Aus den S-Eiern wird ein Mix aus M- und L-Eiern, die dann verkauft werden. Die Eier werden morgens gelegt. Dafür braucht das Huhn ungefähr eine halbe Stunde.

Ein Ei, das nicht nass ist und im Kühlschrank gelagert ist, hält sich ewig.

Die Hühner bleiben ein Jahr in den Ställen in Niederwampach. Dann ist ihre beste Legezeit vorbei und sie werden abgegeben. Entweder enden sie als Suppenhuhn oder sie werden wieder fürs Eierlegen eingesetzt, nur nicht mehr unter Hochleistung.
Die Eier werden anschließend überprüft und in Kartons verpackt. „Die kleinen Eier eignen sich hervorragend zum Backen und Kochen“, erläutert Christophe, der in seiner Freizeit Events organisiert. Da jedoch nur die herkömmlichen Eier in Größe M oder L verkauft werden, können diese nun in Christophes zweiter Firma weiterverwendet werden. Hier stellt er mit seinem Bruder „Ei ohne Schale“ her. In Großpackungen kann man nämlich flüssiges Ei kaufen, entweder ganze Eier oder nur das Eiweiß oder -gelb. Dieses neue Produkt wird vor allem von Bäckereien genutzt: „Durch die zweite Firma bleibt kaum mehr Abfall übrig, da die Eier, die nicht so schön sind sowie die Kleinen dort weiter verarbeitet werden. Das ‚Ei ohne Schale‘ wird sicherlich die Zukunft sein“.
Schlussendlich werden die Eier zu den Klienten und in die großen Supermärkte geliefert. „Ein Ei, das nicht nass ist und im Kühlschrank gelagert ist, hält sich ewig“, fügt Christophe am Ende des Interviews noch hinzu. Für ihn war immer klar, dass er diesen Weg gehen wird. Ein Bürojob wäre für ihn nie in Frage gekommen. Trotz der fast fehlenden Freizeit und Wochenenden lebt er in seinen Augen seinen Traumjob.

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Author: alommel

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