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Der ganz große Wurf

Basketballer Thomas Grün spielt in seiner zweiten Saison bei den Gladiators Trier in der zweiten Bundesliga. Der gebürtige Luxemburger sprach mit revue über seinen Werdegang.

Text: Daniel Baltes (revue@revue.lu) / Fotos: Georges Noesen

Die Arena Trier ist gut gefüllt, fast 2.600 Zuschauer haben sich am Sonntagabend zusammengefunden, um das Spiel der Gladiators Trier gegen die Phönixe aus Hagen zu sehen. Kurz vor Spielbeginn stehen die Hagener aufgereiht in ihrer Hälfte, von den Trieren nichts zu sehen. Lichter aus, Hintergrundmusik läuft. Der Stadionsprecher betritt das Feld: „Und nun mit der Nummer 10 unser Luxemburger Thomas Grün“, brüllt er den Fans entgegen, während der Luxemburger unter tosendem Applaus das Feld betritt.

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die das Leben entscheidend verändern. Wäre der junge Thomas Grün nicht nahe einer Basketball-Halle aufgewachsen, und wäre nicht dieser Verein, einer der einzigen Möglichkeiten gewesen bereits mit fünf Jahren einzusteigen, wäre vielleicht alles anders gekommen. Einen familiären Basketball-Background hat der heute 22-Jährige nicht. Auch sonst kam die Liebe zum Basketball eher zufällig zustande. „Eigentlich war es die Idee meiner Mutter, die vor allem die Nähe zur örtlichen Halle als positiv empfand“, sagt Grün. „Ich habe halt damit angefangen und war von Anfang an begeistert. Vor allem ist mir aber der Wettkampf mit besseren Spielern wichtig, ich will mich immer wieder neu herausfordern, auch wenn das in anderen Sportarten ebenfalls möglich gewesen wäre.“

Bei seinem Heimatklub hielt es den kleinen Thomas Grün allerdings nicht sehr lange. „In Zolwer gab es einen Spieler, Patrick Engel, der früh ins Ausland wechselte. Mich hat das begeistert, ich wollte das auch“, erzählt Grün, wie er bereits mit elf Jahren davon träumte, es in seinem Sport weit zu bringen. Mit 15 Jahren durfte Grün dann zum allerersten Mal an der U16-Europameisterschaft teilnehmen. Sein Talent blieb nicht unentdeckt. Nach dem Turnier lagen ihm vier Angebote vor. Der Traum vom Ausland war realistischer denn je.

Die Frage ob er den Schritt machen sollte, stellte sich Grün zu keinem Zeitpunkt. Trotzdem so erklärt er heute, war das Verlassen der Familie und der Freunde mit Sicherheit kein leichtes Unterfangen, erinnert er sich. Der bodenständige junge Mann spricht mittlerweile von den „dunklen Seiten“, die sein sportliches Ziel mit sich brachte. Trotzdem habe er den Schritt nie bereut und würde diese Entscheidung immer wieder treffen, sagt er. Das familiäre und sportliche Umfeld unterstützten Grün bei seiner Entscheidung, so gut es ging. 2010 hieß es also, die Koffer zu packen. Ab nach Deutschland, genauer gesagt: Urspringen. Hier konnte er während drei Jahren unter gleichaltrigen seine sportliche Entwicklung mit der Schule ideal kombinieren. Ein praktisch normales Schulprogramm kombiniert mit Basketball-Training, teilweise fand das Training sogar morgens vor der ersten Schulstunde statt. „Es hat mir auch geholfen, unter Leuten zu sein, die den gleichen Traum hatten wie ich“, erinnert sich Grün an die damalige Zeit.

Auffallend war dabei einmal mehr, wie unauffällig das Spiel des jungen Luxemburgers ist.

Nach drei Jahren in Urspringen und der Absolvierung des Abiturs musste sich der damals 19-Jährige zwangsläufig einen neuen Verein suchen. „Ich hab dann beim Trainer von Nancy, einem der Teams, die damals bereits Interesse angemeldet hatten, angerufen. Eigentlich tat ich das nur, um mich nach der Ausländerregelung in Frankreich zu erkundigen“, erzählt Grün: Ein weiteres Mal sollte der Zufall den Verlauf seiner Karriere bestimmen. Auf seine Nachfrage zur Ausländerregelung antwortete der Coach mit einem Angebot: Man könne sich noch sehr gut an ihn erinnern und wolle ihm gerne die Möglichkeit bieten, sich in der Juniorenmannschaft von Nancy die beiden folgenden Jahre weiterzuentwickeln.

Nach den zwei Juniorenjahren in Frankreich hieß es 2016 ein weiteres Mal, was jetzt? Aufgrund einer guten Entwicklung und mehreren guten Spielen ist der Name Thomas Grün in diesen Jahr immer öfter auf Scouting-Listen aufgetaucht. Unter anderem stand er auch im Fokus der Trierer, die am Ende den Zuschlag erhielten und ihn am Anfang der Saison 2016/2017 vorstellen konnten. „Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase bin ich dann Spiel für Spiel immer besser reingekommen“, bewertet Grün sein erstes Jahr in Trier.

Allerdings hatte die Entscheidung, nach Trier zu wechseln, nichts mit der Nähe zur Heimat zu tun, sondern ausschließlich sportliche Gründe. Hier konnte der 1,96 Meter große Basketballer nämlich weiter an seinen Schwächen und Stärken feilen. „Meine Stärken liegen in erster Linie in der Defensive, da ich für meine Größe noch relativ schnell bin“, weswegen Grün sehr oft in den Spielen mit dem Verteidigen des Point-Guards der Gegner beauftragt wird. So auch gegen Hagen, wo er es schaffte, den Topspieler Jonas Grof, so gut es ging, im Griff zu haben.

„Aber auch in der Offensive versuche ich dem Spiel immer mehr meinen Stempel aufzudrücken“, schätzt Grün seine eigenen Fähigkeiten ein. Mit einem schönen Dreipunktewurf und einem sehenswerten Dunking wusste er dies gegen Hagen zumindest anzudeuten, in Zukunft wolle er sich hier aber weiterhin verbessern. Er wirkt selbstbewusst, aber nicht überheblich. Das Spiel gegen Hagen endete trotz einer überzeugenden Leistung Grüns mit einer Niederlage seines Teams. Auffallend war dabei einmal mehr, wie unauffällig das Spiel des jungen Luxemburgers ist. Es sind nicht die atemberaubenden Läufe zum Korb oder die Distanzschüsse, die ihn zu einem wichtigen Spieler machen. Grün macht die Arbeit, die nicht jeder sieht. Er hält den Gegner in Schach und erlaubt es somit den Nebenleuten groß aufzutrumpfen.

Neben seinen Spielen im Ausland, streift Thomas Grün allerdings auch immer wieder das Trikot der roten Löwen über. Denn er ist immer noch Teil der luxemburgischen Nationalmannschaft, mit der er unter anderem bei den Spielen der kleinen Länder in San Marino 2017 Platz vier holte und auch in Zukunft noch viel vorhat. Grün hat sich mit harter Arbeit und dem absoluten Willen, den Weg zu einer Profi-Karriere als Basketballer geebnet. Mal sehen, wie weit dieser Weg gehen kann.

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Author: Martine Decker

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