Für den Verhaltensbiologen Laurent Amann ist ein Hund viel mehr als nur ein Haustier. Was man alles von Vierbeinern lernen kann, verraten er und Asim Aliloski in ihrem Buch „Mein Hund hat eine Seele“.
Fotos: Alex Munteanu
Was Hollywoodstar Robert Redford in der Literaturverfilmung „Der Pferdeflüsterer“ dem nach einem Unfall schwer traumatisierten Pilgrim ins Ohr flüstert, bleibt sein Geheimnis. Was das Geheimnis der Kommunikation zwischen Mensch und Tier ist, hat Laurent Amann bereits als Jugendlicher erfahren, als er eine aggressive Stute geschenkt bekommt. „Zuerst habe ich lediglich für ihre Grundbedürfnisse gesorgt“, so der gebürtige Steinseler. Viona kommt aus dem Stall in eine große Weide, wo sie Bekanntschaft mit drei anderen Pferden macht. Anfangs fährt der Tierflüsterer nur vorbei, um zu sehen, ob auch alles in Ordnung ist. Nach drei Wochen hat sich das Pferd eingelebt, die Beziehungsarbeit kann beginnen.
Laurent Amann bringt Viona Futter, putzt ihr Fell, geht mit dem Halfter mit ihr spazieren. Manchmal sitzt er sich auf die Wiese und liest ein Buch. Nie jedoch zwingt er das Tier, zu ihm zu kommen oder bei ihm zu bleiben. „D’Päerd huet gemaach, wat et wollt, an ech hunn näischt vun him verlaangt“, so der 31-Jährige, der seit 2008 in Wien lebt und mit Beiträgen im ORF-Fernsehen einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Eines Tages kommt die Stute schließlich zu ihm. „Dee Moment vergiessen ech ni.“
Für den Tierflüsterer Laurent Amann und den Mentaltrainer Asim Aliloski ist ihr Hund Rio viel mehr als nur ein Haustier.
Was mit Pferden funktioniert, funktioniert ebenfalls mit Hunden. Und das Beste: Jeder kann diese ganz besondere Sprache erlernen. Mit Flüstern hat es übrigens nichts zu tun. Stattdessen geht es um mentale Kommunikation durch Intuition und darum, gleichzeitig Ruhe und Energie auszustrahlen. Damit das Tier sofort versteht, dass jemand da ist, der dafür sorgen wird, dass es ihm besser geht, und seine Angst verliert. So werden zudem Blockaden gelöst. Der Vierbeiner ist erleichtert, sein Besitzer gleichermaßen. In dem Ratgeber „Mein Hund hat eine Seele“, das Laurent Amann zusammen mit dem Happiness- und Success-Coach Asim Alilowski geschrieben hat, geht das Autorenduo nicht nur auf die gängigsten Probleme in der Kommunikation zwischen Hund und Mensch ein, sondern erklärt zudem, was Hundebesitzer von ihrem „besten Freund“ lernen können.
„Hunde denken sehr fortschrittlich, spüren die gleichen Emotionen wie Menschen und wissen intuitiv sehr genau, was sie tun müssen, damit ihr Besitzer sich geistig und körperlich weiterentwickelt“, behauptet Laurent Amann. Und er spricht aus Erfahrung. Als er mit 26 Jahren in eine Lebenskrise schlittert und nach und nach seinen bislang gesunden Appetit verliert, was ihm selbst nicht auffällt, weigert sich plötzlich sein damaliger Königspudelwelpe Rio zu fressen. Nicht einmal das leckerste Futter scheint ihm zu schmecken. Der Tierflüsterer ist verzweifelt, weil das Tier immer dünner wird, und erst als man ihn darauf hinweist, dass die Reaktion des Hundes etwas mit ihm zu tun haben könnte, sucht er Hilfe auf. Sobald er wieder regelmäßig und mit Genuss isst, ändert auch der Welpe sein Fressverhalten.
Ähnliche Muster beobachtet Laurent Amann in seiner Praxis. Ist der Hund krank, geht es meist dem Besitzer nicht gut. Daher sei es wichtig, unerwünschtes Verhalten beim Vierbeiner keinesfalls abzutrainieren. Ein Hundebesitzer berichtet ihm beispielsweise, dass sein Tier auf der Straße zwar niemanden verbellt, zu Hause jedoch keinen Besuch hereinlassen will. Im Gespräch stellt sich heraus, dass der Mann sich keine Ruhe gönnt und ständig unter Menschen ist. Die „Botschaft“ des Hundes ist demnach so zu verstehen, dass er seinem Herrchen dabei helfen will, entspannter zu werden. Nicht immer ist klar zu erkennen, was Tiere mitteilen möchten, aber Laurent Amann zufolge macht es Sinn, sich intensiv mit ihren Bedürfnissen, ihrem Verhalten und ihrer Art der Kommunikation auseinanderzusetzen.










