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Der Klimaschwindel

Dürftig. Das ist die Halbzeitbilanz des 21. UN-Klimagipfels in Paris, der im Vorfeld zum großen Showdown um die Rettung der Welt gehypt wurde – und der noch keinen entscheidenden Durchbruch gebracht hat. Immerhin einigten sich die Unterhändler auf eine neue Verhandlungsgrundlage, die deutlich kürzer ist als der ursprüngliche Vertragsentwurf. Aber die politischen Fragen sind noch nicht gelöst. Die Verhandlungen verlaufen zäh. Inhaltliche Fortschritte: Fehlanzeige!

Nach den Anschlägen von Paris wurde das Konferenzzentrum von Le Bourget zu einem Hochsicherheitstrakt. Frankreich befindet sich noch im Ausnahmezustand. Aus anderen Gründen wurde auch in Ecuador der Notstand ausgerufen. Nicht wegen Terrorismus, sondern wegen „El Niño“. Das Wetterphänomen wird durch den Klimawandel verstärkt. Extreme Regenfälle und Überschwemmungen, aber auch Dürren und Waldbrände sind die Folgen. Vor allem die Länder des Südens haben unter den Konsequenzen des Klimawandels zu leiden, der eine Ursache für Armut, Hunger und Instabilität ist. Millionen Tote und Vertriebene durch Wetterextreme sind seine Folge. Für sie ist der Notstand Alltag. Die Anzeichen der Klimakatastrophe sind deutlich. So geht es in Paris ums Ganze. Und Luxemburg ist mittendrin. Umweltministerin Carole Dieschbourg spricht im Zuge der EU-Präsidentschaft für die gesamte Europäische Union. Die Verantwortung des kleinen Landes war selten so groß.

In Paris geht es ums Ganze. Und selten war Luxemburgs Verantwortung so groß.

Ein Knackpunkt sind die Finanzhilfen für die ärmeren Länder im Süden, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Auf der Nordhalbkugel befinden sich die Hauptverursacher. Die von ihnen versprochenen 100 Milliarden US-Dollar jährlich aus privaten und öffentlichen Mitteln wären fast erreicht – nach ihren eigenen Berechnungen. Die Hilfsorganisation Oxfam kommt auf andere Zahlen. Entwicklungsländer fordern außerdem klare Zusagen An dieser Uneinigkeit droht der Gipfel zu scheitern.

Ziel ist ein weitreichender, verbindlicher Vertrag, an den sich möglichst viele Staaten halten. Doch das Langzeitziel, die Erderwärmung unter zwei Grad Celsius zu halten, ist bereits ein Kompromiss. Und das EU-Vorhaben, die Treibhausgase bis 2030 um 40 Prozent zu reduzieren, dürfte nicht ausreichen. Luxemburg hat zwar ehrgeizige Ziele und wird viele Millionen in den Klimaschutz investieren. Andererseits mischt das Großherzogtum kräftig im weltweiten Emissionshandel mit – nicht zuletzt, um sich freizukaufen. Dabei hat diese Form von Ablasshandel bisher kaum zur Reduktion der Treibhausgase beigetragen. Ein weiterer Widerspruch im Feilschen um den Klimaschutz. Einer von vielen.

Stefan Kunzmann

Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft

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Author: Philippe Reuter

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