Home » Home » Der Konzeptkünstler

Der Konzeptkünstler

Wäre Alex Fohl ein Mainstreamer, würde er Krimis schreiben. Weil er jedoch das Gegenteil ist, hat er einen Gedicht- und Fotoband veröffentlicht: „The Taming Shroud“.

Fotos: Noëllia Alvarez, Alex Fohl

Man kann es nicht in einem Satz, nicht einmal in mehreren Sätzen erklären. Einerseits geht es um nichts, dann wiederum um alles, und am Ende wartet der Tod. Alex Fohl ist kein Träumer, sondern ein Realist. Etliche Jahre hat er als Journalist im „Tageblatt“ gearbeitet, bevor er zur LSAP gewechselt ist. Und nun u.a. Wahlprogramme zusammenfasst. „Ech schaffe gäer am Hannergrond“, so der Politik- und Humanwissenschaftler schmunzelnd. Poetischer ausgedrückt: Alex Fohl ist am liebsten in der Welt der Ideen unterwegs.

r0_RV_23_p020_023-3

Zusammen mit drei Freunden und Gleichgesinnten gründet er „ART!CHOCS“. Wie der Name verrät, ist nicht die Veröffentlichung von Mainstream-Literatur Ziel dieser internationalen Kunstplattform. Stattdessen soll die Kunst im Allgemeinen und unkonventionelle Künstler im Besonderen gefördert werden. Auch die Events, die von dem Quartett veranstaltet werden, sind alles andere als gewöhnlich. Bei Alex Fohls Projekt handelt es sich beispielsweise um eine Trilogie, dessen erster Teil „The Last Kiss“ in der Abtei Neumünster vorgestellt wurde, während der zweite Teil „House of Ghosts“ in der ehemaligen Bonbonfabrik in Bettemburg, dem Atelier Paradiso, stattfand. Mit dem dritten Teil „Black Ink“, zu dem Alex Fohl in die alte Kirche in Diekirch einlädt, endet seine literarisch-philosophische Lesereise. Was bleibt, ist der aufwändig gestaltete Gedicht- und Fotoband „The Taming Shroud“.

Bei Alex Fohls Kunstprojekt geht es um existentielle Fragen, mit denen jeder Mensch sich zu einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebens auseinandersetzt.

20.05„Et ass e Projet, deen ni opgehal huet ze wuessen an ze wuessen“, erklärt der Autor, Fotograf, Layouter und Webmaster den weiten Bogen, den er um zentrale Themen wie Freundschaft, Liebe, Hoffnung und Verlust spannt. Dass er sich für die englische Sprache entschieden hat, hat nicht nur mit seiner Liebe für Shakespeares Literatur, sondern auch damit zu tun, dass er sich schon sehr früh mit englischen Liedertexten beschäftigt hat. Eine wichtige Rolle bei Alex Fohls Kunstprojekt spielt ebenfalls die Musik. „Viru fënnef Joer hunn ech eng éischte Kéier mam André Mergenthaler zesummegeschafft. Wéi ech him vun ‚The Taming Shroud‘ gezielt hunn, war hie gläich bereet, matzemaachen.“ Zudem sei das Cello das perfekte Instrument, um klanglich das auszudrücken, was er in Worten und Bildern festgehalten habe. In Gedichten und Aphorismen.

Alex Fohl ist kein Schwärmer. Er beschränkt sich lieber auf das Wesentliche. Existentielle Fragen auf den Punkt zu bringen, sei eine sehr spannende Herausforderung. Genauso wie die Auseinandersetzung mit der Absurdität menschllichen Daseins. Auf den Fährten von Albert Camus, den er verehrt und dem das Projekt auch gewidmet ist, begegnet Alex Fohl jenem Mythos, der als tragende Säule von „The Taming Shroud“ angesehen werden muss. „Ech hu mech joerelaang mam Sisyphos-Mythos beschäftegt a si mam Camus der Meenung, datt de Sisyphos u senger absurder Aufgab wiisst an als gléckleche Mënsch unzegesinn ass.“

Cover-TTS

Die Gedichte bezeichnet der Autor, der sich für sein Kunstprojekt des Pseudonyms Ed Webster bedient, als poetische Skulpturen, die ausdrucksstarken Fotos sind derweil Momentaufnahmen und dienen vor allem dem Atmosphärischen. „Dat Ganzt soll e Ganzt sinn“, betont Alex Fohl, der offen und ohne die geringste Arroganz zugibt, ein konzeptueller Denker zu sein. Dem Zufall wird jedenfalls nichts überlassen. Alles ist bis ins kleinste Detail durchdacht. Und daher derart faszinierend.

Am 10. Juni um 20 Uhr stellt Alex Fohl sein Programm „Black Ink“ in der alten Kirche in Diekirch vor; das Buch „The Taming Shroud“ ist im Fachhandel erhältlich, 38 Euro.

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressort: Kultur

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Martine Decker

Login

Lost your password?