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Der Traum vom Fliegen

Jede Airline hat eine eigene Vorstellung davon, wie ihre Piloten sein sollen. Doch welche Vorstellung hat Luxair? revue hat einen von ihnen bei der Arbeit begleitet: Christian Stenhamn, Kopilot auf der Q400.

Fotos: Philippe Reuter

Es ist ein früher Montagmorgen am Findel, kurz nach halb sechs. Ruhigen Schrittes läuft Christian Stenhamn durch die Abfertigungshalle, er ist gut gelaunt und entspannt. Der 44-jährige Schwede ist Pilot, seit acht Jahren fliegt er für Luxair. Die drei Streifen auf den Schultern seiner Uniform verraten seinen Dienstgrad: First Officer oder auch Kopilot. Sein Job führt ihn heute nach Wien und wieder zurück. Ein kurzer Arbeitstag – meistens stehen zwei Destinationen und somit vier Flüge auf dem Programm.

Doch bevor es zu seinem Arbeitsplatz, der Bombardier Q400, geht, ist die Dienstbesprechung im Crewraum angesagt. Dort kommt das Team zusammen, das heute mit ihm gemeinsam fliegt: Kapitän Pascal Gabbana und die Flugbegleiterinnen Anouk Fettes und Vania Romitelli. Besondere Vorkommnisse sind nicht zu erwarten, Hin- und Rückflug sind nicht ganz ausgebucht, ein „Wheelchair“ und ein „VIP“ sind dabei. Das Wetter wird gut, sonnig und wolkenlos, vielleicht etwas diesig.

Auf dem Weg zur Maschine – zu Fuß über das Vorfeld – werden Warnwesten übergezogen. Und während sich Kapitän und Flugbegleiterinnen gleich ins Flugzeug begeben, macht Christian Stenhamn einen Rundgang um die Maschine, überprüft Reifen, Propeller und Außenhaut. Dann lässt auch er sich im Cockpit nieder, um letzte Vorbereitungen zu treffen und technische Checks durchzuführen. Jetzt können die Passagiere kommen.

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168 Piloten und Pilotinnen arbeiten bei Luxair. Der Job ist begehrt, aber nicht leicht zu bekommen. Wer hier anfängt, ist einen weiten Weg gegangen: zuerst eine in der Regel privat finanzierte Ausbildung zum Piloten, die etwa 100.000 bis 120.000 Euro kostet, anschließend ein Auswahlverfahren, das es in sich hat und über Wochen dauert. Dabei werden nicht nur die Flugkünste, sondern auch das psychische Befinden, die Teamfähigkeit und die Belastbarkeit getestet. Wer alles erfolgreich absolviert, kommt in einen sogenannten „Holding Pool“ – bei der nächsten freien Stelle ist er oder sie dabei.

PHR_4853Rund 2.700 Bewerbungen von Piloten aus aller Welt erreichten die Luxair in den vergangenen 15 Monaten. 58 davon wurden gerade zu ersten Auswahlgesprächen geladen, am Ende werden in ein paar Wochen vielleicht 8 bis 15 übrig bleiben. „Wir suchen Piloten, die einen Bezug zu Luxemburg und der Großregion haben“, sagt Laurent Donteri, einer der Zuständigen für die Auswahl neuer Kollegen und selbst Kapitän der Q400. „Außerdem müssen sie natürlich gut fliegen können, aber nicht nur, es geht auch um die Einstellung zur Firma.“

„Ich habe mich erst spät für den Beruf des Piloten entschieden.“ Christian Stenhamn, Pilot Luxair

Die Einstellung zu Luxair kam für Christian Stenhamn mit der Liebe zum Land. Wenn er von seinem Werdegang erzählt, muss er schnell schmunzeln. „Ich bin ein Spätzünder, was Fliegen betrifft.“ Nach ein paar Jahren im schwedischen Militär studierte er Luft- und Raumfahrttechnik. Doch trotz eines Ingenieurdiploms und mit der Aussicht auf einen gut bezahlten Job, ging er nach South Carolina, um Flugstunden zu nehmen. „Den Traum vom Fliegen hatte ich schon immer, den wollte ich nicht aufgeben“, erzählt er.

Zwei Jahre blieb er in den USA, machte seinen Pilotenschein und unterrichtete anschließend selbst die neuen Flugschüler, um möglichst viel Flugerfahrung zu sammeln. Zurück in Schweden fing er bei Skyways Express an. Weil aber seine französische Frau näher bei ihrer Familie leben wollte, zog er nach Luxemburg und flog zunächst für die belgische Regionalfluggesellschaft VLM, bevor er zu Luxair wechselte.

Für ihn, seine Frau und ihre beiden Töchter ist Luxemburg längst zu ihrer Heimat geworden. Und die Luxair zu einem Arbeitgeber, den er nicht mehr missen möchte. „Bei einer anderen Airline würde ich in meinem Alter wahrscheinlich schon auf dem linken Sitz im Cockpit sitzen, also da, wo der Kapitän sitzt. Oder auch größere Maschinen fliegen. Aber das ist mir nicht wichtig, ich bin sehr glücklich mit meiner Situation. Ich will fliegen, und das tue ich. Und ich bin jeden Abend zu Hause bei meiner Familie, weil alle Luxair-Maschinen abends zurück nach Luxemburg fliegen.“ Aufenthalte über Nacht und ein Leben aus dem Koffer in Hotels, wie es bei interkontinentalen Einsätzen üblich ist, kommen für Luxair Piloten nur in seltenen Ausnahmen vor.

Die Karrieremöglichkeiten ihrer Piloten hat Luxair klar geregelt: Erst Kopilot, dann Pilot auf der Q400, danach derselbe Ablauf auf der Boeing 737. Größere Maschinen fliegt Luxair nicht. Jeder neue Pilot fängt erst einmal als Kopilot auf der Q400 an. Danach gilt das Nachrücksystem. Wird eine Stelle als Boeing Kapitän frei, rücken alle anderen nach, in der Reihenfolge, in der sie ihren Dienst begonnen haben. Auf diese Weise ist zwar jeder darauf angewiesen, dass ein Kollege Luxair verlässt oder der Bedarf durch den Kauf neuer Maschinen steigt, dafür aber kommt es zu keinen ungerechten Personalentscheidungen.

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Bob Neuen hat im Flugsimulator das Sagen.

Die Fluktuation bei den Luxair Piloten ist gering. Kaum einer verlässt die Firma. Und selbst die Kollegen, die nicht mehr fliegen können oder dürfen, finden meist eine andere Aufgabe innerhalb des Unternehmens. Dass Piloten auf einmal nicht mehr flugtauglich sind, kommt vor. Niemand ist vor Unfällen oder Krankheiten gefeit, auch Piloten nicht. Bei ihnen werden eventuelle Einschränkungen jedoch schnell entdeckt. Jedes Jahr stehen eine medizinische Untersuchung sowie zwei Termine im Flugsimulator an. „Es gibt wohl keinen anderen Beruf, in dem man so oft durchgecheckt und getestet wird“, sagt Laurent Donteri.

„Es gibt wohl keinen anderen Beruf, in dem man so oft durchgecheckt und getestet wird.“ Laurent Donteri, Pilot Luxair

Aber auch in Bezug auf Weiterbildungen ist die luxemburgische Fluggesellschaft überaus aktiv. Sicherheitstrainings und Workshops für Teambildungsprozesse stehen regelmäßig auf der To-Do-Liste der Mitarbeiter. Und wer als Kopilot auf einem neuen Flugzeugtyp angelernt wird, muss dafür einen zweimonatigen Kurs besuchen, in dem er oder sie die neue Maschine genau kennenlernt.

Drei Fragen an Martin Isler

8T7A6587-fsWo steht Luxair in Sachen Ausbildung und Sicherheit im internationalen Vergleich?
Die Standards für die Ausbildung und Sicherheit sind im europäischen Luftverkehr sehr hoch und gesetzlich bis ins letzte Detail genauestens geregelt. Bei Luxair gehen wir aber einen Schritt weiter. Unsere Pilotenselektion ist zum Beispiel äußerst anspruchsvoll. Wir prüfen die Kandidaten nicht nur auf ihre fliegerischen Fähigkeiten, sondern auch auf Ihre Fähigkeit in Stresssituationen teamorientiert zu arbeiten, richtig zu kommunizieren und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wir vergleichen unsere Standards und Prozesse kontinuierlich und tauschen uns regelmäßig mit anderen Fluggesellschaften auf Konferenzen und Seminaren aus.

Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Welche Strategien benutzt Luxair, um einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen?
Sicherheit steht bei Luxair an erster Stelle. Um Fehler zu vermeiden setzen wir auf ein hoch entwickeltes Sicherheitsmanagement System. Auf der einen Seite überprüfen interne Spezialisten laufend die Einhaltung gesetzlich vorgeschriebener Regeln und Standards in allen sicherheitsrelevanten Bereichen. Auf der anderen Seite steht das Risikomanagement zur Erkennung bestehender und potentieller Risiken. Dafür wird jeder noch so kleine Fehler oder jede festgestellte Unregelmäßigkeit von internen Spezialisten analysiert und untersucht mit dem Ziel, solche Fehler in Zukunft zu vermeiden.

Welche Bedeutung hat Teamwork für Luxair?
Für den sicheren, reibungslosen und pünktlichen Ablauf der Flugoperationen sind äußerst präzise und gut koordinierte Prozesse erforderlich, die von einer Vielzahl von Mitarbeitern aus den unterschiedlichsten Bereichen durchgeführt werden. Dazu braucht es ein gut eingespieltes Team bestehend aus Besatzung, Bodenpersonal und unzähligen Spezialisten wo sich jeder auf den anderen verlassen kann.

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Neben dem regionalen Bezug steht für Luxair vor allem auch die Teamfähigkeit ihrer Piloten im Vordergrund. „Wir wollen keine Einzelkämpfer, die andere Meinungen nicht akzeptieren“, hebt Donteri hervor. „Wir brauchen Leute, die mit anderen zusammenarbeiten können. Ein Kapitän ist zwar für den Flug verantwortlich, er muss aber auch zuhören können.“
So teilen sich auch Christian Stenhamn und Pascal Gabbana nicht nur das Cockpit auf ihrem Einsatz nach Wien, sondern auch die Aufgaben. Der eine fliegt hin, der andere zurück, ganz paritätisch. Akribisch gehen sie in jeder Flugphase die erforderliche Checkliste durch, mit der die technischen Einstellungen des Flugzeugs überprüft werden. Und völlig problemlos nehmen sie jeden noch so kurzen Funkspruch über ihre Kopfhörer direkt auf, auch wenn er für Ungeübte recht unverständlich klingen mag.

PHR_6106Zwischendurch finden sie Zeit für ein paar Anekdoten aus der Zeit ihrer Pilotenausbildung. Und Christian Stenhamn erzählt, wie er die Maschinen absichtlich ins Trudeln bringen musste, um sie anschließend wieder aufzufangen. „Dabei lernt man richtig fliegen“, schwärmt er. Dass er solche Übungen auf Linienflügen nicht machen muss, finden die meisten Passagiere wahrscheinlich ziemlich gut. Dass er sie machen könnte, ist beruhigend.

Durch die Weiterentwicklung der Ingenieurskunst ist gerade im Flugzeugbau in den vergangenen Jahrzehnten viel passiert. Cockpits sehen mittlerweile aus wie hochtechnisierte Computer. Es ist jedoch falsch daraus zu schließen, dass Piloten nur zur Überwachung des High-end Computers dienen. „Es ist immer gut, wenn noch ein Mensch dabei ist. Sicher, einige Unfälle werden durch Menschen verursacht. Von denen hört man dann auch viel. Doch die Fälle, in denen erfahrene Piloten richtige Entscheidungen treffen, werden nicht bekannt. Aber die gibt es auch“, so Christian Stenhamn. Dann setzt er zur Landung auf Findel an, ganz ruhig und butterweich.

Heike Bucher

Journalistin

Ressort: Wissen

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Author: Philippe Reuter

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