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Die Chronik der Woche Nr. 12: Ja nee, is’ klar
Die Chronik der Woche Nr. 12: Ja nee, is’ klar
Journalismus steht im Dienst der Politik. Die Polizei braucht keine Regeln. Und überhaupt und sowieso liegt die Zukunft woanders. Im chinesischen Belval. Im All. Im RGTR-Bus. Alternativ in Israel. Glauben Sie nicht? Wetten wir um eine Krypto-Million?
Fotos: Herve Montaigu, Alain Rischard (beide Editpress), Andreas Hermsdorf, Bernd Kasper, Lea M., Esther Stosch (alle pixelio.de)
Cssf-Warnblinker – Sturzflug der Millionen
Die Luxemburger Finanzaufsicht CSSF sorgt sich um all jene, die in Kryptowährungen investieren. Warum? Sie werden von keiner Zentralbank gestützt. Eine juristische Definition fehlt auch. Innerhalb kürzester Zeit können sich Millionen zum Schuldenloch wandeln. Die Sicherheit der Erwerbsplattformen ist nicht garantiert: Sollten sie Konkurs anmelden, sind die eingebrachten Gelder nicht abgesichert. TNS Ilres fragte und erfuhr kürzlich: Acht Prozent der Luxemburger Bevölkerung hat Kryptowährungen gekauft. Zwei Prozent setzten mehr als 10.000 Euro ein. Affaire à suivre.
Zahl der Woche: 536.000
Autos wurden von den 21 fixen Radaranlagen geblitzt. Die feiern ihr Zweijähriges. Dazu ein Ranking: Am fleißigsten blitzte der Radar auf der B7 in Schieren, dicht gefolgt von dem auf der Escher Autobahn in Hollerich.
Gewerkschaft bricht Dialog ab – Lasset die Spiele beginnen!
Die Kacke ist am Dampfen. So richtig. Die Polizeigewerkschaft SNPGL (Syndicat National de la Police Grand-Ducale) wehrt sich offensiv gegen Diffamierungen und Regelverstöße durch das Polizeimanagement. Die schwarzen Schafe sind ausnahmsweise nicht die Minister, sondern die Generaldirektion: Sie sei uneinsichtig, unbelehrbar, inkompetent und böswillig. Die Vorwürfe der SNPGL führen von fehlendem Konsens über Verleumdung bis hin zu Einschüchterungsversuchen des Polizeikaders durch Personen höherer Laufbahnen. „Der Verwaltungsrat des SNPGL hat nun beschlossen, in solchen Fällen sofort ein Disziplinarverfahren einzufordern und bei strafrechtlich relevanten Angelegenheiten immer die Staatsanwaltschaft in Kenntnis zu setzen“, bekräftigt Pascal Ricquier, der Präsident des SNPGL. „Wir haben jetzt einfach genug davon.“
Öffentlicher Transport – Nach dem Dornröschenschlaf
Wenn auch im Schneckentempo: Luxemburg streckt seine Fühler nach einem modernisierten, öffentlichen Transport aus. Um sich davon zu überzeugen, war der zuständige Minister Bausch zu Besuch in der neuen Koordiantionszentrale auf dem Kirchberg. Längst überfällige Maßnahmen, wie Echtzeitmessungen in den Bussen des RGTR-Netzes, digitale Anzeigetafeln an Haltestellen, Live-Verkehrsauskünfte für Personal und Privatleute sowie eine an Carsharing und Fahrrad adaptierte App sind auf dem Vormarsch. Weitere Idee: die Vermeidung überfüllter Busse durch Personenzähler. Zu Spitzenzeiten könnte man die Zahl der eingesetzten Busse steigern. Ebenfalls neu ist der Alarmknopf in der Fahrerkabine. In Notfällen entsteht per Knopfdruck direkter Kontakt zur Leitstelle und dem Team. Mehr Transparenz, mehr Sicherheit und optimale Kommunikation lautet die Devise.
UNO Bericht – If you’re happy and you know it clap your hands
Wir sind glücklich. Das behauptet ein rezenter Bericht der UNO. Nicht ganz so zufrieden wie die Menschen in Israel, aber immerhin unter den Top 20. Auf Platz 17, um genau zu sein. Dass das krisengeschüttelte Israel das Großherzogtum um sechs Ränge abhängt, wirft Fragen auf, die sich gleichermaßen in Bezug auf unsere direkten Nachbarn Deutschland (15) und Belgien (16) stellen. Da hilft nur noch der Blick nach oben: Am glücklichsten lebt es sich nämlich in Finnland und Norwegen. Schlusslicht ist Burundi.
Öffnungszeiten – Wer kann am längsten?
Der Frühling naht. Die Wahlen auch – und so nimmt das Balzverhalten der Parteien ihren Lauf. Die DP buhlt mit verlängerten Öffnungszeiten um die Gunst der Wählerschaft. Keiner muss, jeder darf sonntags die Ladentüren öffnen. Auch unter der Woche spricht sich die DP für längere Öffnungszeiten aus. Es ist die Antwort der Liberalen auf die Konkurrenz aus der Großregion und des Onlinehandels sowie den modernen Lebensrhythmus der Konsumierenden. Das sind die, die wütend sind, dass ihnen hierzulande sonntags niemand das Geld aus der Tasche zieht. Die, die sich nach einem Nachtbummel im Supermarkt sehnen, der völlig überteuertes und unnütz verpacktes, geschmacksneutrales Gemüse anbietet. DPler Claude Lamberty glaubt und weiß: „Die DP ist der Meinung, dass durch flexiblere Öffnungszeiten eine große Chance besteht, dass sich Einzel- und Onlinehandel exzellent ergänzen.“ Darüber hinaus ist die Rede von Konkurrenzfähigkeit und Attraktivität – Schlagwörter, die zur Jahreszeit passen.
Zitat der Woche
„Wanns de dem Public d’Wourecht géifs soen, kéims de an de Prisong. Et ass eng schwiereg Entscheedung fir tierkesch Journalisten hautdesdaags.“ -Der türkische Journalist und Autor Can Dündar auf 100,7 über Meinungsfreiheit und Zensur.
Kooperation mit China – Konfuzius auf Belval
Nach den Banken nun das All: Luxemburg und China laufen Hand in Hand auf die Uni Luxemburg zu. Gleich zwei neue Institutionen sind dort geplant: ein gemeinsames Forschungslabor im Weltraumbereich und das Konfuzius-Institut. Geboten werden hier ab September Kurse zu chinesischer Kultur und Sprache. Eine Heirat von Business und Lifestyle. Chinalux, die luxemburgisch chinesische Handelskammer, will sich an der Organisation kultureller Veranstaltungen beteiligen. Direktor Mikkel Strørup frönt derweil Luxemburg auf 100,7: „Wir haben ein super ’Human capital‘. Wir haben eine Plattform, die als ’Gateway to Europe‘ interessant ist.“ Wahrer Glückskeks, das Großherzogtum.
Engere Zusammenarbeit – Jo, dat machen wir!
Eine Delegation um die Ministerpräsidentin Malu Dreyer reiste am Montag an: Luxemburg und Rheinland-Pfalz sagen nämlich „Ja“. Ja zu einer engeren Zusammenarbeit in puncto grenzüberschreitende Berufsausbildung und ja zum Datenaustausch zwischen der Adem und den Arbeitsämtern in Trier. Über die Kooperation dürfen sich vor allem das Handwerk, die Landwirtschaft, der Sozial- und Gesundheitsbereich freuen. Auf die dortige Kollaboration will man besonders achten.
Staatsbesuch in Frankreich – Nachbarschaftliche Visite
Da kommt Freude auf: Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron empfing
zu Beginn der dreitägigen Staatsvisite von Großherzog Henri und Großherzogin Maria Teresa zusammen mit seiner Gemahlin Brigitte die Gäste aus Luxemburg im Elysée-Palast. Die luxemburgische Delegation besteht unter anderem aus einer stattlichen Riege von Regierungsmitgliedern. Im Vordergrund des Besuchs standen die Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder. Frankreich ist nach Deutschland und Belgien der drittgrößte Handelspartner Luxemburgs.
Isabel Spigarelli
Ressorts: Wissen, Kultur
Author: alommel