Home » Home » Die Essenz des Fußballs

Die Essenz des Fußballs

Fußball das ist für viele hierzulande BGL Ligue und/oder die Spiele der Nationalmannschaft. Die Seite „Missioun Grottekick“ sorgt dafür, dass auch die untersten Ligen im Luxemburger Fußball ihre „15 minutes of fame“ erhalten.

Fotos: Pexels.com, Anne Lommel

Sonntagnachmittag, wenn das Wochenende so langsam zum Austrudeln kommt, ist so ein Moment in der Woche, wo man sich die Zeit mit den unterschiedlichsten Dingen vertreiben kann. Wahlweise etwa die Wohnung aufräumen, mit Oma eine Runde scrabblen, fünf Folgen „The Walking Dead“ auf Netflix anschauen oder, wieso nicht, zum Fußball gehen.

Natürlich bevorzugen viele Fans des runden Leders, sich die Spiele der BGL Ligue reinzuziehen, wo aktuell das Duell zwischen F91 Düdelingen und Progrès Niederkorn um die Meisterkrone für eine gewisse Spannung sorgt, doch man kann auch eine etwas andere Wahl treffen. Nämlich die, sich auf die untersten Divisionen des Luxemburgers Fußball zu fokussieren, so wie es die drei Betreiber der Facebook-Seite „Missioun Grottekick“ machen.

Das Spiel muss auf Gras stattfinden, weil synthetische Spielfelder zu makellos sind.

„Am Anfang stand die Idee, sich auf die Suche nach möglichst ehrlichem Fußball zu machen. Den gibt es in Luxemburg eigentlich nur noch in der 3. Division zu sehen. Dort, wo die erste Mannschaft sich vor allem aus der Dorfjugend zusammensetzt und wo der Spaß an der Sache noch im Vordergrund steht“, erklärt Thierry Kruchten, der zusammen mit Stefan Guden und Luca Tommasi die „Missioun Grottekick“ betreibt. „In der BGL Ligue sind Spieler zum Teil nur mit finanziellen Hintergedanken unterwegs, und nur noch wenige spielen aus Liebe zu ihrem Verein“, ergänzt Stefan Guden die Beweggründe der 3. und 2. Division via Soziales Netzwerk ein Denkmal zu setzen.

Die voranschreitende Professionalisierung in der BGL Ligue, mit vier bis fünf Trainingseinheiten pro Woche, ist das exakte Gegenteil von dem, was in den unteren Divisionen passiert. Ein bis zweimal Training pro Woche muss dort ausreichen, um ein Spiel vorzubereiten. „Genau das macht den Charme aus“, untermauert Guden, „Es wird nicht krampfhaft versucht, alles perfekt zu gestalten und das Spiel unter den bestmöglichen Bedingungen stattfinden zu lassen. Das Spielfeld ist schon mal uneben und weist (kleinere) Makel auf, aber darüber beschwert sich auch keiner. Die Freude am Gekicke steht im Vordergrund. Authentischer kann Fußball gar nicht sein.“

„Missioun Grottekick“ sieht sich nicht als Kritik an der stetig voranschreitenden Kommerzialisierung des nationalen und internationalen Fußballs, sondern vor allem die Liebe zum Ballsport und der Charme des Amateurgebolze, den man sich auch nicht durch Millionen Euro kaufen kann, zählen. Oder wie es Stefan beschreibt: „Uns ist es eigentlich Schnuppe, wer gegen wen spielt und wer am Ende gewinnt. Wir lieben die Nähe zum Spielfeld und die Möglichkeit, nach Abpfiff auch mal mit einigen Spielern oder dem Schiedsrichter bei einem Bier über das Spiel zu diskutieren. Je höher die Liga, desto unwahrscheinlicher wird genau dies.“

Stefan Guden und Thierry Kruchten (der dritte Mann Luca Tommasi fehlt) betreiben aus Liebe zum Fußball die „Missioun Grottekick“.

Die Entscheidung, welches Match man an einem Spieltag abdeckt, würde nach einfachen Kriterien fallen, sagt Kruchten. Mal würde man ein Spiel besuchen, wo Kumpels mitkicken oder man folge der Einladung eines Vereins oder suche das Spiel anhand einer spannenden Tabellensituation aus. Eines ist jedoch immer Pflicht: Das Spiel muss auf Gras stattfinden, weil synthetische Spielfelder eben zu makellos sind. Ebenfalls nicht fehlen, damit ein Spiel zum perfekten Grottenkick wird, dürfen, laut Kruchten und Guden, eine geöffnete Buvette, ein richtig ungepflegter Acker und am besten noch „Fritz-Walter-Wetter“ (sprich Regen).

Weil der Ausdruck Grottenkick eine sarkastische Bezeichnung für ein besonders schlechtes Spiel ist und zudem eher negativ behaftet ist, „haben wir zu Beginn gefürchtet, einige Vereine könnten unsere Seite in den falschen Hals bekommen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall und wir sind positiv über die Reaktionen überrascht“, zeigt sich Thierry Kruchten erfreut. Sein Kumpel Stefan hängt an: „Uns geht es nicht darum, andere Leute der Lächerlichkeit preiszugeben, weil sie nicht die besten Spieler oder Profis sind. Wir sehen diese Spiele, genau wie die Akteure auf dem Spielfeld, mit einer Prise Humor.“

„Wir lieben die Nähe zum Spielfeld und die Möglichkeit, nach Abpfiff auch mal mit einigen Spielern oder dem Schiedsrichter bei einem Bier über das Spiel zu diskutieren.“ Stefan Guden

Natürlich gucken sich die Grottekick-Betreiber auch Fußball der höchsten Klasse oder internationale Topbegegnungen an. Allerdings dann mit der Erwartungshaltung ein klasse Spiel zu sehen. Oder wie sie es formulieren: „Für Geld will man Leistung sehen.“ Es gäbe zwei Arten von Fußball, die mit dem Spaß an der Sache und eben die, bei der es ums Geld geht.

Neben den Kommentaren und Videos zu den besuchten Spielen, amüsieren sich die Betreiber von „Missioun Grottekick“ auch regelmäßig durch Memes, das Geschehen rund um den Luxemburger Fußball aufs Korn zu nehmen. Wie etwa die Absagefreudigkeit seitens der FLF, wenn das Wetter schlecht (vorausgesagt) ist oder die fast schon legendäre und überstrapazierte Paul Philipp-Floskel „Jo. Oh jo“, wenn er die Spiele der Champions League im Fernsehen kommentiert. Aktuell publiziert „Missioun Grottekick“ ihr ganz eigenes virtuelles Panini-Album bei dem die Helden der 3. Liga zu Ehren kommen und bei der Neymar, Ronaldo, Messi & Co gänzlich fehlen. Und das ist auch gut so…

www.facebook.com/MissiounGrottekick

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Aktualität, Politik, Multimedia, Bandporträts

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Martine Decker

Login

Lost your password?