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Die Stadt am Rande der Stadt

Seit dem 18. Juli und noch bis zum 28. Juli findet das große internationale Pfadfindertreffen „Go Urban“ auf dem Kirchberg statt. Eine temporäre Stadt mit tausenden Teilnehmern, deren Verwaltung ein großer logistischer Aufwand, auch in Sachen Verköstigung, bedeutet.

Philippe Reuter, Jean-Claude Ernst (Editpress)

„I can’t get no satisfaction“ trällerte 1995 Mick Jagger und seine schon zu dem Zeitpunkte nicht mehr ganz taufrischen Mitstreiter von den Rolling Stones auf dem 25 Hektar großen Acker neben dem neuen Gebäude von RTL – RTL City, wie der Koloss offiziell heißt. Eben dieser „heilige Rasen“ der Luxemburger Rock’n’Roll-Geschichte ist seit gestern und noch bis kommenden Freitag zu einem 50 Fußballfelder großen internationalen Pfadfinder treffen mit 4.000 Teilnehmern im Alter von 6 bis 23 Jahren umfunktioniert.

Es gibt in vielerlei Hinsicht einfachere Aufgaben zu meistern, als eine temporäre Stadt mit der nötigen Infrastruktur für gerade mal zehn Tage aus dem Boden zu stampfen. Logistisch ist es allemal eine Glanzleistung. Und in dieser zeitlich begrenzten Pfadfinderidylle gibt es mit GoMarket einen Supermarkt, der dafür sorgt, dass keiner der Teilnehmer mit hungrigem Magen sich nachts in sein Zelt zurückziehen muss. Ganz Jagger-unlike sorgt der Markt nämlich dafür, dass alle ihre „Satisfaction“, zumindest in Bezug auf das Grundbedürfnis der Nahrungsaufnahme, bekommen.

Logistisch ist es allemal eine Glanzleistung.

Ganz von selbst hat das Organisatorenteam sich dann doch nicht getraut, die Aufgabe des Supermarktes anzugehen, wahrscheinlich weil schlicht und ergreifend ein gewisses Know-How dafür erforderlich ist. Marco Differding und Jean Neuman, zwei ehemalige Filialleiter der Cactus-Gruppe, die jeder 40 Jahre Erfahrung im Supermarkt-Business aufweisen können, haben das Projekt des Marktes begleitet und mit ihrem Wissen den „Lëtzebuerg Guiden a Scouten“ unter die Arme gegriffen.

Bereits seit Sommer 2016 sind die Beiden in das Projekt involviert, also seit dem Zeitpunkt wo die Pfadfinder eine konkrete Anfrage an die Supermarktkette gerichtet haben. „In einem Rhythmus von 14 Tagen gab es Versammlungen um dieses Projekt zu konkretisieren“, erklärt Marco Differding. „Zu Beginn haben wir den Organisatoren gesagt, sie sollten uns einfach mal ihre Vorstellungen von dem was sie haben möchten einreichen. Dann haben wir unsere Erfahrungswerte einfließen lassen und ihnen die nötigen Ratschläge geben, was reell Sinn ergibt und was nicht.“ Am Ende dieser Diskussionen blieb ein Sortiment, welches 300 Artikel umfasst übrig und auf der 15 mal 20 Meter großen Einkaufsfläche angeboten wird. Hinzukommen Bio-Gemüse und Obst, welches von Biogros angeliefert wird, die Milchprodukte von Luxlait und Backwaren von „Pains et Tradition“. Um möglichst frische Produkte zu garantieren, wird der temporäre Supermarkt täglich mit frischem Obst und Gemüse beliefert. Bei Fleischwaren setzte man einfachheitshalber auf Vorbestellungen (auch wenn ein gewisses Teilsortiment dauerhaft vorrätig sein wird).

Laut Jean Neuman ist das schwierigste an diesem Unterfangen die Herausforderung gewesen, die genauen Quantitäten festzulegen. Schließlich könne man das Kaufverhalten der Teilnehmer im Vorfeld sehr schwer ausmachen. Und die einzelnen Truppen haben freie Wahl beim Einkauf wie Jan Even, „responsable adjoint“ im Bereich Logistik des „Go Urban“ erklärt: „Uns war es wichtig nicht vorzuschreiben, was es an den einzelnen Tagen zu Essen gibt, sondern den Teilnehmern die freie Wahl zu lassen und diese somit auch frei über das Verpflegungsbudget haushalten können.“ Jeder Truppe steht ein gewisses Punktekonto (ein Budget, das ungefähr 10 Euro pro Kopf ausmacht) zur Verfügung, mit dem sie die Verpflegung kaufen.

Jede Menge Erfahrung: Jean Neuman und Marco Differding standen bei der Planung des Supermarktes mit ihrem Know-How der Origanisatoren zu Seiten und sind während des „Go urban“ vor Ort.

Während der Dauer des Camps sind Marco Differding und Jean Neuman vor Ort, helfen dem 20-köpfigen Pfadfinderteam beim täglichen Business und coachen sie bei der anstehenden Arbeit. „Wir haben da sicherlich ein gewisses Gespür, was man nachbestellen muss und was nicht“, verrät Marco Differding. Im Gegensatz zu „Atlantis“, dem letzten großen internationalen Pfadfindertreffen 1994 in Betzdorf, wird der „GoMarket“ nämlich nicht, wie vor 23 Jahren, von Cactus als eine Art Popup-Store betrieben, sondern steht voll und ganz unter der Verantwortung der „Lëtzebuerger Guiden a Scouten“. Aber die Zusammenarbeit sei reibungslos und sehr professionell sagen Differding und Neuman. Natürlich spielt die richtige Lagerung vor allem der frischen Produkte eine große Rolle und so wurde ein ganzes Dossiers bei der „Division de l’Inspection Sanitaire“ eingereicht. „Wir erfüllen alle Bestimmungen und hätten theoretisch sogar frisches Hackfleisch hier verkaufen können“, untermauert Marco Differding. Weil man bei einem solch heiklen Produkt keine Risiken eingehen möchte, wird nur Vorgekochtes angeboten. Der Kunde soll König sein, auch in einem vorübergehenden Supermarkt.

Der Kunde soll König sein, auch in einem vorübergehenden Supermarkt.

Übrigens, wenn „Go Urban“ am kommenden Freitag wieder Geschichte ist, wird es auf dem Areal auf Kirchberg wieder ziemlich musikalisch. Vom 4. August bis zum 6. August wird am gleichen Ort das „Food for your senses“ über die Bühne gehen. Mick Jagger und sein dauerqualmender Sidekick Keith Richard stehen allerdings dann nicht auf der Bühne.

Am 23. Juli bietet der „Open Day“ dem breiten Publikum die Möglichkeit, das große internationale Pfadfinderlager zwischen 12.00 und 18.00 Uhr zu besuchen.

www.gourban.lgs.lu

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Stellvertretender Chefredakteur
Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Martine Decker

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