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Die Steigerung von Spektakel

Eines der größten Sport-Events weltweit steht vor der Tür. Der 52. Superbowl ist mittlerweile auch in Luxemburg zu einer Attraktion geworden. Doch was genau macht American Football so außergewöhnlich und sehenswert?

Text: Daniel Baltes (revue@revue.lu) / Fotos: Pixabay, Steelers Düdelingen

Treffen sich ein Patriot und ein Adler. Dann wird es am 4. Februar mit hoher Wahrscheinlichkeit knallen. Was sich liest, wie der Anfang eines schlechten Witzes, ist tatsächlich die Paarung des diesjährigen Superbowls. Das Finale der NFL-Playoffs, der National Football League, zwischen den New England Patriots und den Philadelphia Eagles wird am kommenden Sonntag nicht nur von den Amerikanern mit Sehnsucht erwartet. Auch in Europa, ja sogar im Großherzogtum, ist das Superbowl-Fieber zu spüren.

Hier in Luxemburg gibt es lediglich einen American Football-Verein. Die Steelers aus Düdelingen laufen allerdings in einer französischen Liga auf. „Die Nachfrage am American Football steigt, das haben wir wahrscheinlich der NFL zu verdanken und der vermehrten Ausstrahlung der Spiele bei uns“, erklärt Teammanager Gast Schumacker die Entwicklung hierzulande.

Außergewöhnlich ist die Herangehensweise und Philosophie der Steelers. „Wir versuchen uns aus dem ganzen Transferwahnsinn rauszuhalten. Mir würde es nie in den Sinn kommen, einem anderen Team einen Spieler abzuluchsen. Unsere Spieler kommen auf eigenen Wunsch zu uns und können uns zu jedem Zeitpunkt auch wieder verlassen“, so Schumacker.

Auch in Europa, ja sogar im Großherzogtum, ist das Superbowl-Fieber zu spüren.

Die Steelers funktionieren anders als die meisten Sportklubs in Luxemburg – ausschließlich mit Freiwilligen. Sogar der Trainer, welcher durchschnittlich zehn Stunden pro Woche in diesen Verein steckt, macht es komplett ohne Bezahlung. Der sportliche Erfolg bleibt trotzdem nicht aus. In den letzten Jahren konnte man zweimal einen Sieg in der Liga feiern. Man durfte jedoch aufgrund einer Reglung nicht aufsteigen. „In naher Zukunft dürfte dies so angepasst werden, dass die Steelers auch von der dritten und sogar zweiten französischen Liga träumen dürfen“, erklärt der Manager.

Wer glaubt, die Steelers praktizierten nur Freizeit-Football, irrt. Bereits mehrere Spieler haben über den Verein den Sprung zu ausländischen Mannschaften geschafft, teilweise sogar in die erste deutsche oder französische Liga. Doch wie genau wird man in Luxemburg zum American Football-Fan? Wer tut sich so etwas an, mitten in der Nacht vor der Flimmerkiste zu hocken, um 22 Testosteronbolzen beim Werfen, Fangen, Tacklen und Laufen zuzusehen? Die Antwort liegt in der Komplexität des Spiels.

American Football wird von sehr vielen Menschen missverstanden. Dem Laien-Auge erscheint der ganze Sinn des Sportes darin zu liegen, seinen Gegenspieler möglichst hart und brutal, ohne Rücksicht auf Verluste, anzugehen. Dabei handelt es sich lediglich um ein vor allem in Europa verbreitetes Image-Problem. Denn die wahre Schönheit dieses Sportes liegt nicht in der Aggressivität, sondern in der einzigartigen Kombination aus taktischer Meisterleistung und physischem Kampf.

„Ich sage immer: American Football ist ein Sport für jeden, ob klein, groß, dick oder dünn – jeder findet seinen Platz im Team“, behauptet Schumacker. Dabei ist wichtig zu wissen, dass eine Mannschaft eigentlich aus drei Gruppen besteht. Jeder Klub hat eine Offensive, eine Defensive und sogenannte Spezial-Teams. Der bedeutendste und meist auch bestbezahlte Spieler eines Teams ist der „Quarterback“. Er läuft in der Offensive auf, bekommt bei jedem Spielzug den Ball und entscheidet im Normalfall, welcher Spielzug durchgeführt wird. Er ist das Gehirn der Mannschaft. Meist versucht er den Ball an einen seiner „Receiver“ zu werfen, um Meter hinter sich zu lassen oder er gibt den Ball an seinen „Runningback“ ab, welcher wie der Name es vermuten lässt, versucht im Laufen Meter gut zu machen. Das Ziel der Offensive ist es, den Ball bis in die gegnerische Endzone zu tragen, ein sogenannter Touchdown. Dafür haben sie jeweils vier Versuche, um zehn Meter zurückzulegen.

Verhindern will das die Defensive. Die gegnerischen elf Spieler wollen entweder den Ballführenden zu Boden bringen oder den Pass unterbinden. Beim Anblick der meisten Verteidiger dürfte einigen jedoch schwindelig werden. Während der Quarterback eher mit seiner Übersicht glänzt, zeichnet sich die Defensive durch das Physische aus. Zwei Meter, 140 Kilo und pfeilschnell – das ist keine Seltenheit. Aber die Jungs sind nicht nur Felsen in der Brandung: „Ein guter Defensivspieler muss die Offensive lesen können und weiß bereits vorher, welcher Spielzug folgt“, stellt Schumacker fest. Die Spezial-Teams kommen lediglich beim Anstoß und bei „Fieldgoal“-Versuchen zum Einsatz. Ein Fieldgoal ist neben dem Touchdown die einzige andere Möglichkeit, Punkte zu machen. Dabei versucht ein Kicker den Ball durch das in der Endzone stehende Tor zu schießen.

„Die Nachfrage am American Football steigt, das haben wir wahrscheinlich der NFL zu verdanken und der vermehrten Ausstrahlung der Spiele bei uns.“ Gast Schumacker, Teammanager

Trotz der ganzen Taktik im Spiel, bleibt der Vorwurf von Aggressivität und unnötiger Härte. Dabei gibt es im American Football zahlreiche Regeln, die das sogenannte Tackeln genauestens regulieren, um die Verletzungsgefahr auf ein Minimum zu reduzieren. Experten sprechen deswegen oft von einer kontrollierten Härte, welche bei anderen Sportarten, wie beispielsweise Handball, mindestens im gleichen Ausmaß zu finden sind.

Aber man muss sich nichts vor machen: Der Erfolg des American Footballs ist nicht nur auf den Sport an sich zurückzuführen. Die Amerikaner sind wie so oft die Meister des Entertainments. Beim Superbowl werden gleich zwei Musik-Stars von Weltformat auftreten. Die Sängerin Pink hat die große Ehre, die Nationalhymne vor dem Anpfiff zu singen, während Justin Timberlake bereits zum dritten Mal in der Halbzeit auftreten darf.

Bei vielen American Football-Anhängern hierzulande ist die Vorfreude auf das Event riesig. Doch bei einer bestimmten Person dürfte diese noch größer sein. Kristof, ein langjähriger New England Patriots-Fan ist fest davon überzeugt, dass sein Team nach dem Sieg im letzten Jahr auch dieses Jahr wieder den Thron erklimmen wird. Der Agrarwissenschaften-Student vertraut dabei vor allem auf die Klasse von Tom Brady, dem Quarterback der Patriots, bekannt als „der beste aller Zeiten“. Er könnte am kommenden Sonntag seinen sechsten Superbowl gewinnen und somit seinem Titel alle Ehre machen.

Wem Gast Schumacker die Daumen drückt, wollte er uns nicht verraten: „In den letzten Jahren habe ich damit immer schlechte Erfahrungen gemacht und mein Team hat verloren“, gesteht er lachend. Ob nun die favorisierten Patriots oder die Eagles gewinnen, steht noch in den Sternen. Aber eines ist jetzt schon klar: Es wird ein riesen Fest.

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Author: Martine Decker

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