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Edito: Andere Lösungen?

Repression! Repression! Und noch einmal Repression! Seit mehreren Jahren wird in Sachen Verkehrssicherheit vor allem darauf gesetzt, den Autofahrern das Fürchten (vor der Polizei) zu lehren. Die Politik sieht in dieser Herangehensweise eine Art Allheilmittel, um die Zahl der Toten und Schwerverletzten zu senken und im Idealfall gegen null tendieren zu lassen.

In Frankreich wird seit 2003 konsequent auf den Einsatz von fixen Radargeräten gesetzt, um die Geschwindigkeit an besonderen Gefahrenpunkten zu drosseln. Und tatsächlich wurde die Zahl der Toten auf den französischen Straßen seit dem vermehrten Aufstellen der fixen Radars nachweislich gesenkt. Von 5.543 im Jahr 2005 auf 3.693 im Jahr 2017.

Zu glauben, dass dieser Rückgang alleine auf Radarfallen zurückzuführen wäre, wäre ziemlich naiv. Denn zum Beispiel hat der französische Fuhrpark sich im gleichen Zeitraum modernisiert und damit der Prozentsatz von Autos, die mit sicherheitsrelevanter Verkehrstechnik ausgestattet sind –- von ABS bis Airbag – in diesem Zeitraum deutlich erhöht.

Zwei weitere Faktoren minimieren die Rolle der fixen Radars. Erstens hat eine Studie des französischen Statistikamts INSEE gezeigt, dass das Aufstellen von Radars nur eine sehr begrenzte zeitlich Wirkung hat. Sprich, vor dem Radar wird schnell gefahren, abgebremst und dann wieder beschleunigt. Wer in die Radarfalle tappt, ist entweder ortsunkundig oder unbelehrbar. Zweitens: Die Statistik der Verkehrstoten in Frankreich stagniert seit Jahren bei etwas unter 4.000. Und war 2017 sogar höher als 2013 (3.427).

Es besteht also nach wie vor Handlungsbedarf. Doch anstatt den Hebel bei anderen Faktoren – laut Experten gibt es rund 100, die verkehrssicherheitstechnisch relevant sind – , wie etwa Müdigkeit, Stress, Alkohol oder Drogen am Steuer anzusetzen, startete Anfang der Woche in Frankreich eine neues Zeitalter der Jagd auf „Raser“. Seit Montag werden im Département Eure – neben den fixen Radars und denen, die in Polizeiautos verbaut sind – auch Privatfirmen mit speziellen banalisierten Autos unterwegs sein, um die Geschwindigkeit zu kontrollieren. Ausgegebenes Ziel der Politik: die Messkapazität erhöhen und hoffen, dass dadurch die Geschwindigkeit auf den Straßen gedrosselt wird.

Die Privatisierung stößt einigen sauer auf, vor allem – so das Argument – weil private Firmen vorrangig das Ziel verfolgen würden, damit Geld zu verdienen. Verkehrssicherheit sei eher zweitrangig.

Und in Luxemburg? Transportminister Bausch (déi Gréng) setzt auf fixe Radars als wichtiges Element der Verkehrssicherheit, und sie sind wahrscheinlich ein kleiner Baustein in der komplexen Thematik Verkehrssicherheit. Aber sicherlich auch hierzulande kein Allheilmittel. Und auch verstärkte Verkehrskontrollen scheinen bei vielen nicht zu fruchten. Bestes Beispiel: Beim groß angekündigten Blitzermarathon tappten immerhin noch 397 Autofahrer in eine der 183 Kontrollen. Viel tragischer: Zu dem Zeitpunkt, wo die Polizei angekündigt hatte, verstärkt auf Motorradfahrer achten zu wollen, kam es zu mehreren tödliche Unfällen, in denen Zweiräder verwickelt waren.

Da muss durchaus die Frage erlaubt sein, ob Repression die gewünschte Wirkung zeigt, vor allem, wenn – wie beim Blitzermarathon geschehen – ein Fahrer unter Alkoholeinfluss gestoppt wurde, gegen den bereits ein Fahrverbot bis September 2019 besteht. Der zudem im Besitz von Cannabis war und keine gültige Versicherung vorzeigen konnte… Vielleicht sollte man es einmal mit verstärkter Aufklärung versuchen!

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: alommel

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