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Edito: Chefsache

Beim „Fonds du logement“ wird mal wieder fleißig „Bäumchen, wechsel dich“ gespielt, und der Posten des Direktors ist nach dem Ausscheiden von Eric Rosin wieder einmal vakant. Das ist, seitdem der langjährige Direktor Daniel Miltgen im Jahr 2015 von der damaligen Wohnungsbauministerin Maggy Nagel ausgebotet wurde, schon fast zur Norm verkommen, denn keiner der Miltgen-Nachfolger hat dadurch geglänzt, dass er den Posten besonders lange innehatte oder gar wegweisende Duftmarken gesetzt hätte. Dabei wäre es sicher nicht von Nachteil, wenn beim größten öffentlichen Wohnungsbauträger endlich Ruhe in die Führungsriege einkehren würde und der Fonds seine Mission in aller Ruhe ausführen könnte.

Nicht ganz unwichtig, denn unlängst haben Studien gezeigt – wie etwa die des Meinungsforschungsinstitutes Gallup aus dem Jahr 2017 oder „Die Zeit ist reif. Glücklich arbeiten“-Studie des Personaldienstleiters Robert Half in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen „Happiness works“ – dass Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit vor allem unter dem Benehmen der Führungskräfte leiden. Gallup kommt zur Schlussfolgerung, dass deutsche Unternehmen 105 Milliarden Euro mehr Gewinn im Jahr erwirtschaften könnten, wenn Führungskräfte es schaffen würden, ihre Belegschaft richtig zu motivieren.

Diese Feststellungen dürften sicherlich auch in Luxemburg – und auch beim „Fonds“ – zutreffen, und so scheint es fast schon höhnisch zu sein, wenn bei der nächsten Indextranche, bei der nächsten Mindestlohnerhöhung oder wie rezent bei dem neu eingeführten gesetzlichen Urlaubstag, die Patronatsvereinigungen auf die Barrikaden gehen und lamentieren, dass die Produktivität und damit die Konkurrenzfähigkeit Luxemburgs durch diese sozialen Maßnahmen drastisch eingedämmt würden. Umso zynischer, wenn man weiß, dass Luxemburg ein innovatives Umfeld bietet (Platz 15 von 126 Ländern im „Global Innovation Index“ von Juni 2018) und dass im Jahr 2017 die Plattform Expert Market Luxemburg in einer Studie als produktivstes Land der Welt einstufte. Doch in Luxemburg hält – genau wie in anderen Ländern der Europäischen Union – die Lohnentwicklung nicht mit der Entwicklung der Produktivität mit – sprich, die Profite kommen kaum denjenigen zugute, die sie erwirtschaften, und die Schere zwischen Arm und Reich geht eher auseinander, als dass sie geringer wird.

Diese Kluft führt laut zwei Ökonomen des Internationalen Währungsfonds wiederum zu einem instabileren Finanzsystem. Michael Kumhof und Romain Rancière haben anhand eines theoretischen Modells gezeigt, dass eine Umverteilung womöglich zu einer stabileren Wirtschaft führen könnte. Hier ist auch der Staat gefragt und in einem Land, wie Luxemburg, wo die Haushalte laut Zahlen des Luxemburger Statistikamtes Statec vom August 2018 immerhin 38 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten ausgeben, umso mehr ein staatlicher Bauträger, der für erschwingbaren Wohnraum sorgt. Die Führungskrise beim „Fonds du Logement“ ist auch deshalb mehr als nur eine Randnotiz der Tagesaktualität. Es müsste eigentlich Chefsache sein.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Martine Decker

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